Saisonausblick: Was läuft?

Weltmeister? Bester Schweizer? Oder totaler Versager? Was ist diese Saison möglich? Und wohin zieht’s mich dieses Jahr?

Gut, ich gebe zu, ich bin etwas spät dran. Das erste Rennen ist schon vorbei und erst jetzt kommt der Saisonausblick? Nun, besser spät als nie. Also los. Der Saisonauftakt in Mailand ist, wie du vielleicht schon weisst geglückt. Als Schweizer Team durften wir an den italienischen Selektionen mitpaddeln und uns mit unseren südlichen Kollegen messen. Mit einer neuen persönlichen Bestzeit und einem zweiten Rang im B-Final bin ich sehr zufrieden. Das ich meine Zielzeit, die ich diese Saison über 1000m fahren wollte, gleich im ersten Rennen erreiche, hätte ich nicht gedacht. Ausserdem gewann ich im K2 mit Donat Donhauser die Silbermedaille über 500m und das in unserem ersten gemeinsamen Rennen.

Nun gut, das ist jetzt auch schon wieder drei Wochen her. Was kommt als nächstes?

Schweizermeister im Tessin und dann nach Osten

Bereits nächste Woche gilt es dann richtig ernst. Auf der Moesa im Tessin finden die Wildwasser Schweizermeisterschaften statt. Das Ziel ist klar: gewinnen. Doch hier gibt es nicht nur Schweizer zu schlagen, auch Athleten aus Deutschland, Italien und Frankreich sind am Start. Hier sehe ich seit langem wieder mal, wo ich im internationalen Vergleich stehe. Gleich das Wochenende danach geht es dann im Regattaboot in Richtung Osten.

In Bratislava messe ich mich dann im K1 und K2 gegen die Konkurrenz aus dem Ostblock. Nach dieser Regatta sollte ich ein gutes Bild davon haben, was dieses Jahr möglich ist. Denn das ist auch wichtig, denn nur einen Monat später findet die Regatta U23 EM statt. Einer meiner Höhepunkte dieses Jahr. Mein Ziel: 1000m unter 3:45 fahren und das B-Final mit meiner Anwesenheit bereichern. Ich freue mich schon jetzt auf die Wettkämpfe in Polen.

Ab aufs Wildwasser

Direkt von Polen aus reise ich weiter nach Bosnien. In Banja Luka nehme ich an meinem zweiten Wildwasser-Weltcup meiner Karriere teil. Die Strecke kenne ich bereits von meiner ersten Junioren EM, was die Konkurrenz angeht, kann ich im Moment nicht beurteilen, wo ich stehe. Ich liebäugle mit einem Platz im Sprintfinal und einer Top 10 Platzierung im Klassik. Eine zusätzliche Herausforderung wird noch sein, dass prompt während des Weltcups die ersten Prüfungen des Semesters meines Wirtschaftsstudiums anstehen. Wie und ob ich das unter einen Hut bringe, weiss ich heute noch nicht 😉

Nach dem Weltcup wird es kurzzeitig etwas ruhiger, bevor es dann im August weitergeht mit der WW-Europameisterschaft in Spanien. Doch diese EM ist für mich persönlich nur ein Vorbereitungswettkampf für was danach kommt: die U23 Weltmeisterschaften im Sprint. Diese WM wird mein absoluter Saisonhöhepunkt und ich werde mich nicht mit weniger zufrieden geben als einer Medaille. Dazu gibt es nicht mehr zu sagen.

 Komm wir verschieben alles auf dem Herbst

Doch obwohl der Höhepunkt durch ist, fertig bin ich noch nicht. Ganz und gar nicht. Die U23 WM in der Regatta wurde in den Herbst verschoben, weshalb ich auch im September noch in Form sein werde. Doch sie ist nicht das Einzige, was gross C zum Opfer viel. Auch der Abfahrt Weltcup in Frankreich auf dem äusserst anspruchsvollen Fluss Treignac wurde in den September verlegt. Ausserdem findet in Bratislava im September noch die Sprint WM im Wildwasser statt. Ja, richtig gelesen, Bratislava hat neben einer Regattabahn auch eine Wildwasserstrecke. Nach dem zweiten Besuch in Bratislava beruhigt sich die ganze Situation dann aber und es stehen «nur» noch die üblichen Marathons statt.

Vollgepumpt

Wie dir vielleicht aufgefallen ist, sind das ziemlich viele Rennen für eine Saison. Ehrlichgesagt wahrscheinlich die meisten Rennen, die ich in einer Saison bis jetzt gefahren bin. Ich habe immerhin eine ganze Saison zu kompensieren 😉 Im Moment fühle ich mich gut und bereit diese Saison anzupacken. Lasset die Wettkämpfe beginnen!

Olympia. Die Spiele der wenigen.

Die grösste Sportveranstaltung der Welt: Die olympischen Sommerspiele. Olympia lässt Millionen von Menschen jubeln, schafft Vorbilder für Kinder und Jugendliche und trägt die olympischen Werte in die Welt hinaus. Doch die Spiele ändern sich. Und das nicht immer zum Guten.

2024 finden die Olympischen Spiele in Paris statt. Bis dahin soll sich einiges ändern. So will es das Olympische Komitee. Zu gross sind die Spiele. Sie kosten zu viel und sind erst noch schlecht für die Umwelt. Ausserdem sollen die Spiele peppiger werden. Ziel ist es, die jugendlichen Zuschauer anzusprechen. Um das zu erreichen, hat das IOC (Internationale Olympische Komitee) sich einige Ideen einfallen lassen. Die Anzahl Athleten und Betreuer soll gesenkt werden und einige Sportarten oder Disziplinen werden aus dem Programm gestrichen. Damit die Spiele für die Millennials nicht zu langweilig sind, sollen actionreichere Disziplinen ins Programm. Klingt bis jetzt ziemlich vernünftig. Was dabei nicht verloren gehen soll, sind die olympischen Werte, wie Freundschaft, Respekt, Exzellenz der sportlichen Leistung und Chancengleichheit.

Doch zwischen diesen Zielen gibt es eine Diskrepanz. Auf der einen Seite sollen möglichst viele Menschen motiviert werden Sport zu treiben und ihr Leben nach den olympischen Werten leben. Dazu brauchen diese Menschen die Möglichkeit dort wo sie wohnen den Olympiastars nachzueifern und in Sportvereinen den Spirit of Sport zu leben. Auf der anderen Seite sollen Jugendliche mit Nervenkitzel und adrenalingeladenen Sportarten an die Fernseher gelockt werden, ganz im Motto der olympischen Spiele: «Citius, Altius, fernsehtauglicherus». Diese neuen cooleren Sportarten erfordern aber oft eine grössere und exklusivere Infrastruktur, als dass das die meisten Jugendlichen in ihrer Stadt oder in ihrem Land zur Verfügung haben. Sie haben also gerade eben nicht die Möglichkeit den Olympiasiegern nachzueifern und die olympischen Werte zu leben.

Extreme Slalom als neue Disziplin

Anschaulich wird das Problem in meiner Sportart dem Kanufahren. Letzte Woche wurde beschlossen, dass anstelle der 200m Wettkämpfe der Kanuten auf dem Flachwasser nun der sogenannte «Extreme Slalom» eingeführt wird. Beim Extreme Slalom stürzen sich vier Kanuten gleichzeitig eine Rampe in den Fluss hinunter und müssen dann auf dem künstlichen Bach, ähnlich wie beim Ski-Cross, einen Parcours absolvieren. Klingt spektakulär, ist es ehrlichgesagt auch. Beim 200m Flachwasser Rennen geht es «nur» darum, wer am schnellsten im Ziel ist. Obwohl ich aus dem Flachwassersport komme, muss ich zugeben, dass der Extreme Slalom für Zuschauer, die vorher noch nie einen Kanuwettkampf gesehen haben, wohl spannender ist.

Was ist also das Problem? Nun, für eine Jugendliche, die nach Paris 2024 begeistert vom Extreme Slalom ist, ist es sehr schwer in den Sport einzusteigen. Neben dem ganzen Material das man braucht (Boot, Paddel, Schwimmweste, Helm, …) gibt es schlicht und einfach nicht viele Orte auf der Welt wo man Extreme Slalom trainieren kann. Nicht mal die Schweiz als reiches Land hat einen künstlichen Wildwasserkanal (die Dinger sind richtig teuer).

Anders sieht es aus bei Disziplinen wie dem 200m Rennen. Praktisch jede Stadt der Welt ist an einem (mehr oder weniger zahmen) Gewässer gebaut. Was man nun noch braucht, ist ein Boot und ein Paddel und das Training kann losgehen. Diese Disziplin steht also viel mehr Jugendlichen offen, als der Extreme Slalom.

Der Extreme Slalom ist aber nur ein Beispiel von vielen.

Was soll man also tun? Die Lean-Olympics

Das erklärte Ziel des IOC Präsidenten Thomas Bachs ist es, «to get the couch potatoes off the couch». Die Jugendlichen sollen die Spiele nicht nur schauen, sondern auch Sport treiben. Ich schlage daher vor, dass der IOC genau das ermöglichen soll. Anstatt den Jugendlichen Action bieten zu wollen, die sie einfacher und jederzeit auf TikTok und co. bekommen, soll bei den Olympischen Spielen der Sport im Zentrum stehen. Doch genau das sieht das Olympische Komitee anders. Ein Punkt der olympischen Agenda 2020 ist: «Move from a sport-based to an event-based programme». Die Spiele werden also den Interessen der Zuschauer untergeordnet und der Sport an sich ist zweitrangig.

Genau wie das IOC finde aber auch ich, dass es wichtig ist, dass die olympischen Werte gelebt werden. Doch anstelle der Interessen der Zuschauer soll der Sport im Zentrum stehen. Damit die olympischen Werte auch möglichst weit gestreut werden, gehören meiner Meinung nach vor allem Sportarten ins olympische Programm, die möglichst viele Jugendliche betreiben können. Anstelle von infrastrukturintensiven Sportarten propagiere ich die Lean-Olympics, einem Weg, die olympischen Werte möglichst effizient auf der Welt zu verteilen. Dazu zählen möglichst wenig Infrastruktur, möglichst tiefe Einstiegshürden für Anfänger von olympischen Sportarten und dadurch möglichst grosse Chancengleichheit für alle Jugendlichen rund um den Globus. Es ist mehr wert, wenn ein Jugendlicher in einem 3. Welt Land die Möglichkeit hat, eine olympische Sportart zu betreiben, als dass ein (westlicher) Zuschauer alle vier Jahre eine höhere Endorphin Ausschüttung vor dem Fernseher hat.

Was bringts?

Schmalere Olympische Spiele sind unbestritten besser für die Umwelt. Weniger Sportarten mit einer grossen Infrastruktur kosten weniger und stellen für die Steuerzahler des jeweiligen Austragungsland eine kleinere Belastung dar. Dadurch, dass «simple» Sportarten die olympischen Spiele dominieren, werden mehr Menschen zum Sport motiviert. Die Menschen sind gesünder, die Lebensqualität steigt, die Gesundheitskosten sinken und hoffentlich gehen die Menschen durch den neuen Spirit of Sport freundlicher miteinander um. Ausserdem haben ärmere Länder auch die Möglichkeit olympische Sportarten zu fördern und sind nicht schon rein von der Infrastruktur her (wie beim Extreme Slalom) per se von einer Sportart ausgeschlossen. Extremer ist also nicht immer besser. Auf eine Welt mit mehr Sport!

Wilde Wasser wiederentdecken

Einer schlagartigen Rückkehr aus dem Trainingslager in Florida folgt der Stillstand. Zuhause trainiere ich alleine und sonst läuft auch nicht viel. Die 5er Corona Regel lässt Anlässe in den normalen Trainingsgruppen nicht zu. Wettkämpfe sind gar nicht der Rede wert. Doch schlimm ist’s nicht. Dann gibt’s halt ein gemütlicheres Jahr, denke ich mir. Doch ist das wirklich so und was läuft anders in Coronazeiten beim Ginger deines Vertrauens?

So schön flach war der Vierwaldstättersee schon lange nicht mehr. Und nicht nur am Morgen, nein, den ganzen Tag hindurch. Ich gehörte wahrscheinlich zur Minderheit, als ich mich darüber freute, dass die Kursschiffe nicht mehr in See stechen. Optimale Trainingsbedingungen also. Wobei perfekt ist’s trotzdem nicht. Obwohl die Wasserbedingungen perfekt sind komme ich nicht richtig in den Fluss im Training. Nach dem eher «langweiligen» Wintertraining fehlen mir die Wettkämpfe und ich bin etwas ziellos. Ich trainiere weiter, weiss jedoch nicht so richtig wofür. Ohne Rennen macht paddeln eben schon weniger Spass.

Etwas besser wird’s, als ich wieder ab und zu mit der Trainingsgruppe in Buochs trainieren kann. Das Krafttraining findet immer noch zuhause in der Wäscheküche statt, doch auf dem See bin ich nicht mehr alleine. Das motiviert. Trotzdem trainiere ich etwas weniger als in anderen Jahren. Da bleibt mehr Zeit für anderes. Ausnahmsweise schwinge ich mich schon im Frühling aufs Bike und holpere ab und zu den Pilatus, die Rigi oder sonst einen Berg hinunter. Doch auch im Kanu wage ich Neues.

Wegen Corona drängt der Trainingsplan etwas weniger und es ist auch nicht so schlimm, mal einen Tag nicht zu «trainieren». Ich sattle hie und da um ins Tourenboot und wage mich auf Flüsse, die nicht Rennboottauglich sind. So treibe ich bei Hochwasser die kleine Emme hinunter oder lasse mich meinen ersten richtigen Wasserfall hinunterfallen auf der Lütschinen. Das ist gfürchig macht aber richtig Spass.

Auf der Simme geht es dann los mit dem ersten Post-Corona-Trainingslager. Ich freue mich extrem wieder auf dem Wildwasser zu sein und ich komme gut voran. Die Schweizermeisterschaften, die gerade nach dem Trainingslager stattfinden, bestätigen dies. Mit zwei Siegen über die klassische Distanz und den Sprint bin ich zufrieden und beweise, dass ich einigermassen in Form bin. Ob sich diese gute Form auch international bestätigen kann, wird sich zeigen.

Zuerst passiert jedoch was anderes. Um mich noch besser auf das Training fokussieren zu können und näher bei meinen Teamkollegen und den Trainern zu sein, ziehe ich nach Rapperswil. In Rapperswil befindet sich das Leistungszentrum der Flachwasserkanuten und damit mein «place to be». Ich trainiere gut und kann Fortschritte erzielen, wobei ich sagen muss, dass ich leistungsmässig noch nicht dort angelangt bin im Regattaboot, wo ich sein will. Da ich aber an Wettkämpfen meistens noch etwas über mich hinauswachsen kann, ist hier ein abschliessender Vergleich schwierig, da schlicht noch keine Wettkämpfe stattfanden.

Aber zurück zum Wildwasser. Gerade sitze ich im Bus auf der Rückreise von Tschechien und dem ersten (und womöglich einzigen) internationalen Wettkampf dieses Jahr. Es war eine Freude wieder mal auf einem anspruchsvollen Kanal zu paddeln und sich gegen die ausländische Konkurrenz zu messen. Endlich ist das Wettkampffeeling wieder da! Meine Läufe sind zwar noch nicht wirklich sauber und es gibt noch einiges an Verbesserungspotential, aber ich bin zufrieden mit zwei Finalqualifikationen und einem 12. und einem 17. Platz im Sprint. Und das obwohl ich mich nicht als Sprinter sehe, sondern eher der Ausdauertyp bin. Vor allem aber hatte ich viel Freude am Paddeln und es war toll wieder Rennen zu fahren und das ist aus meiner Sicht das Wichtigste überhaupt. Ohne Spass machts keinen Sinn.

Und wie geht’s weiter? Das weiss keiner so genau. Auf dem Plan stehen noch eine Regatta in Bratislava, einige Rennen in der Schweiz selbst und ein Weltcup in Spanien. Doch zu viele Hoffnungen mache ich mir mal noch nicht. Bis jetzt hat es sich im Wunderjahr 2020 noch nicht gelohnt, zu weit über den Tellerrand hinaus zu planen. Daher stehe ich auch der U23 WM, die in den November verschoben wurde eher kritisch gegenüber. Das heisst aber auf keinen Fall, dass ich mich auf die faule Haut lege und rumhänge. Rennen fahren macht Spass und am Coolsten sind die Wettkämpfe, wenn man sie gewinnt. Das geht nun mal nicht ohne trainieren und das ist auch gut so. Also los!

Die Saison 2019 in Zahlen

Paddelkilometer, ungefähr 3139
Trainingszeit insgesamt, in h (ca.) 637
Davon im Kraftraum, ca 156
Zeit zusammen mit Maurus Pfalzgraf verbracht, in Tagen (ziemlich genau) 158
Zeit mit meiner Freundin verbracht, in Tagen (ungefähr) 68
Anzahl Länder bepaddelt 8
Anzahl Länder die an der WM in Szeged gepaddelt sind 108
Anzahl Blogbeiträge auf der Website 2017 8
Anzahl Blogbeiträge auf der Website 2018 7
Anzahl Blogbeiträge auf der Website 2019 2
Zeit ins Kanufahren investiert 2017, in h 588
Zeit ins Kanufahren investiert 2018, in h 630
Zeit ins Kanufahren investiert 2019, in h 637
Korrelation dieser Daten negativ
Anzahl Blogbeiträge geplant für 2020 6
Anzahl teilgenommener WMs 2019 3
Mögliche WM Teilnahmen 2019 für mich 4
Zufriedenheit mit der Saison, in Prozent 65

Highlight der Saison:

Der Höhepunkt dieses Jahr war nicht einfach zu bestimmen. In Frage kamen zwei grossartige Events. Besser gesagt WMs. Das sind die Regatta WM in Szeged (HUN) und andererseits die Abfahrt WM in La Seu d’Urgell. Die Weltmeisterschaften in Ungarn bestritt ich zusammen mit Maurus Pfalzgraf im Zweier. Nach einer enttäuschenden U23 WM den Monat zuvor konnten wir uns enorm steigern und katapultierten uns in einem tollen Rennen über die nicht-olympischen 500m in die Top 15 und in den olympischen 1000m in den C-Final. Die Rennen machten extrem Spass und bildeten einen tollen Abschluss für die Kanukarriere meines Partners Maurus. Danke für die coole gemeinsame Zeit. Sie wird mir auf deine menschenfreundliche und chaotische Weise in Erinnerung bleiben. Die WM in Spanien auf dem Olympiakanal von Barcelona war das andere Highlight. Als nur Eines von drei Wildwasserrennen dieses Jahr war die WM eher ein End-of-season Goodie, anstelle von eines seriösen Höhepunkts. Aber vielleicht war es genau das, was die WM für mich so erfolgreich machte. Im ersten Lauf hatte ich etwas Mühe in Fahrt zu kommen. Beim Zweiten kam der Stein dann ins Rollen und ich schaffte mein Ziel, die Finalquali. Im Endlauf fühlte ich mich, als ob ich Hinkelsteine rumwerfen könnte und erreichte das bisher beste Schweizer Resultat an einer WW-Weltmeisterschaft bei den Herren, den siebten Rang. Welch tolles Gefühl!

Lowlight der Saison:

Das war eindeutig die Regatta U23 WM in Pitesti Anfangs August. Zu diesem Zeitpunkt konzentriere ich mich schon ein ganzes Jahr völlig auf den Sport und sollte ein gutes Resultat abliefern. An der WM starte ich zusammen mit Maurus Pfalzgraf im Zweier, sowie auch in Einer über 1000m. Vorfreudig starten wir in die WM und tanzen an der Eröffnungsfeier zusammen mit den anderen Athleten einen rumänischen Volkstanz. Doch die Rennen laufen beschissen schlecht. Der Zweier harmonisiert nicht und im Einer habe ich kein Power. Maurus und ich erreichen knapp den B-Final und können uns nicht behaupten. Im K1 ist im Halbfinal Endstation. Der Grund für dieses Desaster war wohl, dass ich mir zu viel Druck gemacht habe. Im Vorfeld trainierte ich wohl etwas zu viel, Maurus dafür etwas zu wenig. Doch hauptsächlich fehlte mir die nötige Lockerheit. Nach den Rennen wollte ich zuerst alles über den Haufen schmeissen und das geplante Trainingslager und den Start an der Elite WM abblasen. Glücklicherweise tat ich das dann nicht. Ich hätte es bereut.

Merkwürdigster Moment:

Es war ein sonnig heisser Junitag. Um mich auf die bevorstehenden Wettkämpfe vorzubereiten trainierte ich in Rapperswil. An diesem Tag stand 90 Minuten Rennradfahren auf dem Trainingsplan. Ich radle mit dem Velo Richtung Einsiedeln den Berg hoch und nach der Hälfte wieder zurück Richtung Rapperswil. Ich schiesse den Berg herunter. 40 km/h, 50km/h immer schneller. Das Pflaster ist gut. Der Weg gerade genug breit für ein Auto. Auf beiden Seiten hohes Gras. Plötzlich springt etwa zwei Meter vor mir ein Wiesel aus dem Gras und hechtet über die Strasse. Überrascht bremse ich sofort und versuche dem Wiesel auszuweichen. Das gelingt mir zum Glück. Weniger glücklich ist die Katze, die dem Wiesel hinterhergejagt ist. Sie springt direkt vor mir auf die Strasse und ich spüre nur noch wie mein Lenker etwas ruckelt. Meinem Hinterrad kann sie glücklicherweise ausweichen. Zu meiner Erleichterung sprintet die Katze in Deckung und hat keine weiteren Schäden erlitten, soweit ich das beurteilen kann. Dem Wiesel habe ich jedenfalls das Leben gerettet. Immerhin das.

Alles in allem war es ein lehrreiches Jahr mit tollen Momenten, die ich erleben durfte. Ich habe gelernt, dass mehr nicht immer mehr ist, wenn’s ums Training geht. Ich durfte grossartige neue Menschen kennenlernen. Musste mich aber auch von Rückschlägen erholen und in schwierigen Momenten die Motivation wiederfinden. Trotzdem habe ich das Jahr 2019 genossen und möchte es nicht missen. Vielen Dank allen, die mich auf meinem Weg unterstützen und mir diese aufregende Lebenszeit ermöglichen. Ginger out.

Lange Zeit im Kanu

Wir leben in turbulenten Zeiten. Doch wohin treibt es Linus im Moment und was hat er erlebt in den letzten Monaten? Eine Zeitreise.

 

29. Oktober 2018. Ein nebliger Tag. Um 10:00 trudeln mehr und mehr Gestalten auf einen Asphaltplatz in Wangen a.A. So beginnt ein neuer Lebensabschnitt unseres Kanuten. Rund 40 Sportler legen in den nächsten Stunden ihr ziviles Ich nieder und nehmen das grüne Wir auf. Es ist der Start der Spitzensport RS 2/2018. Ab jetzt heisst es Ruhn, Trainieren, zweimal Richtung rechts, Richtung Zwipf. Nach drei Wochen haben wir den militärischen Teil unseres Militärdienstes absolviert. Wir verschieben nach Magglingen, um unsere Sportlerfunktion wahrzunehmen. Das bisher längste Trainingslager in Linus Leben beginnt.

21. Dezember 2018. Die Sportrekruten dürfen nach Hause! Weihnachten steht vor der Tür und der militärische Drill aus Paddeln, Kraftraum, Laufen, Spinning und Regeneration wird für ein paar Tage unterbrochen. Zeit zuhause mit der Familie.

26. Dezember 2018. Welcome back. Auf geht’s nach Andermatt. In der Kaserne wohnen und auf der Loipe Langlaufen. Nach einer Woche Andermatt-Realp Retour kennt man jeden Baum. Trotzdem wars lustig.

5. Januar 2019. Ein neues Jahr, das meiste bleibt beim Alten. Zwei Wochen Langlaufen in St. Moritz. Doch Fortschritte machen sich bemerkbar. 2.5 Stunden Langlaufen am Stück wird normal. Und auch vier Stunden vergehen wie im Flug.

26. Januar 2019. Auf nach Tenero. Nach der Paddelpause das erste mal wieder auf dem Wasser. Tenero fühlt sich fast ein bisschen wie zuhause an. So oft waren wir schon hier. Paddelhandschuhe braucht’s trotz aller Heimeligkeit.

17. Februar 2019. Tetris. Wir spielen Tetris. Ewig spielen wir Tetris. Die meiste Zeit von unserem Flug nach Miami spielen wir Tetris. In Florida spielen wir die nächsten vier Wochen jedoch kein Tetris. Dafür Schiffeversenken. Zum Glück nicht. Wir fürchten uns etwas von den Alligatoren. Das Training läuft. Die RS immer noch in vollem Gange.

15. März 2019. Immer noch bei den Krokis. Doch nun sind wir ausgediente Soldaten. Die RS hat unser Kanute absolviert. Wieder ein neuer Lebensabschnitt.

6. April 2019. Viel geändert hat sich nicht. Wir fahren nach Caldonazzo ins Trainingslager. Eine schöne Gegend mit flachem See. Was will man mehr?

11. April 2019. Unser Held wird 20 Jahre alt. Zum Geburtstag fährt er das Rennen in Valstagna (ITA). Das Wildwasser tut ihm gut. Eine spannende Abwechslung. Etwas alt fühlt er sich schon.

26. April 2019. Mantova (ITA). Das erste Rennen der Saison. Wie viel besser bin ich? 3. Platz im K2 und ein gewonnenes B-Finale stimmen zuversichtlich.

2. Mai 2019. Kopenhagen. Die zweite Probe. Härtere Konkurrenz und kälteres Wetter, aber trotzdem nicht schlecht. Still work to do.

12. Mai 2019. Budapest. Die Europareise geht weiter. Als Teil eines Trainingslager des internationalen Kanuverbandes findet Linus Freunde aus Ländern, die er meistens zuerst Googeln muss, um zu wissen wo sie liegen. Das Ungarische Training nagt an den Reserven oder besser gesagt, es kitzelt den Rest aus Linus, der ihn schneller macht.

19. Mai 2019. Heute. Ruhetag. Zeit um Berichte zu schreiben. Das hat er nun erledigt. Zeit für etwas Sightseeing. Bis bald in der Zukunft.

Saison 2018 – What happened?

Das Jahr 2018 ist so gut wie vorbei. Das heisst aber glücklicherweise nicht, dass alles verloren ist, was im 2018 geschah. Sonst würde ich jetzt ohne Matura und mit Gedächtnisverlust dastehen. Es ist nicht einfach aus einem solch ereignisreichen Jahr die besten Momente herauszupicken, die man erlebt hat. Ich habe mich aber trotzdem an die Challenge herangewagt und herausgekommen sind Erlebnisse, die mir sicherlich nicht verloren gehen werden.

Die Saison 2018 in Zahlen:

Trainingsstunden 630
Kanukilometer 3139
Geschätzte Anzahl Paddelschläge (Ansatz 50S/min) 1’017’000
Anzahl Rechnungsfehler bei obiger Schätzung in „Die Saison 2017 in Zahlen“ 1
Wochenenden investiert in Wettkämpfe / Trainingslager 34
Wochenenden nicht investiert in Wettkämpfe / Trainingslager 18
Davon Trainingsfrei 5
Anzahl beim Sport verbrannter Kalorien, in Big Macs 640
Anzahl von mir gegessener Big Macs 0
Anzahl Athleten, die von einer Sporthilfe Patenschaft bei McDonalds profitieren 169
Anzahl Prüfungsfächer an der Matura 5
Davon bestandene Prüfungen, in Prozent 100
Notendurchschnitt in den Mathi-Prüfungen log 3 (729)
Anzahl Schlaglöcher auf Rumänischen Strassen (gefühlt) 100’000
Maximale Anzahl gefahrener Kilometer in 24 h 1668
Anzahl Ginger&Friends Unterstützer 21
Anzahl immer noch dankbarer Athleten die von Ginger&Friends profitieren 1
Anzahl Grossanlässe 2018 4
Zufriedenheit mit der Saison 2018, in Prozent 75

 

Highlight der Saison

Ganz klar die Heim WM auf der Muota. Zuhause vor Heimpublikum tolle Rennen zeigen zu können, war mein absolutes Highlight letztes Jahr. Die ganze Vorbereitung auf den Wettkampf mit etlichen Trainingsstunden auf der Muota und so viel Wildwassertraining wie noch nie zuvor, haben extrem Spass gemacht. Das Team war wie jedes Jahr erste Sahne und hat mich zu Höchstleistungen angetrieben. Aber vor allem das Klassik Rennen bleibt mir in Erinnerung. Ich kannte durch meine Vorbereitung fast jeden Stein und jede Welle der Muota und konnte nur noch meine Linie abrattern. Sogar bei der Schlüsselstelle rund um den Muotastein lief alles wie am Schnürchen. Am Ende schaute Platz 12 heraus. Dieser wäre aber nicht möglich gewesen ohne die grandiose Unterstützung aller Fans, die uns Athleten angefeuert haben. Hervorheben will ich noch eine kleine Fangeschichte, die mich besonders gefreut hat. Meinem ehemaligen Mathilehrer Stefan Müller habe ich von der Muota erzählt und er hat kurzerhand entschlossen mich mit seinem Velo die ganze Klassikstrecke lang anzufeuern. Vor lauter Anfeuern entwich ein Randstein seiner Aufmerksamkeit und er flog über den Lenker. Als er mich eine Woche später bei der Mathi-Matura mit der linken Hand begrüssen musste, weil seine Rechte vom Sturz verletzt war, hatte er trotzdem noch ein Lächeln im Gesicht. Vielen Dank dafür!

 

Lowlight der Saison

Die U23 WM in der Regatta fand dieses Jahr in Plovdiv (Bulgarien) statt. Schnelle Wasserbedingungen, pompöse Eröffnungsfeier und glorreiche Siege. Ein Rundgang in der Stadt an einem freien Nachmittag zeigten uns aber auch die arme Seite von Bulgarien. Etwas abgekommen von den üblichen Touristen Routen fanden wir uns in einem armen Unterschicht Quartier wieder. Besonders in Erinnerung geblieben, ist mir das Bild eines alten Mannes, der mitten auf der Strasse vor seinem Haus zwei Kuhköpfe zerlegte, um das Fleisch herauszuholen. Diese Szenerie stimmte mich nachdenklich und machte mir klar, wie viel Luxus ich in meinem Leben erleben darf. Dieser arme Mann war mein Lowlight der Saison.

 

Merkwürdigster Moment

Es war im Trainingslager in Florida. Wie gewohnt, klingelte um 6:50 der Wecker und danach ging es los mit dem Morgenessen. So weit, so gut. Eines Morgens klingelte der Wecker mitten in der Nacht und draussen war es noch stockdunkel. Einen Blick aufs Handy: 6:50. Die Zeit stimmte. Was war nur los. Also standen wir auf und bereiteten das Morgenessen vor. Als wir uns dann etwas über die merkwürdige Dunkelheit unterhielten ging uns plötzlich ein Licht auf. Es war der 11. März. Was wir bei eigenem Leibe erfahren hatten, war, dass in Amerika die Sommerzeit gut zwei Woche früher umgestellt wird als in Europa. Wir erlebten also ein Wechselbad der Zeiten. Vom Europa-Winter in den Amerika-Winter, von da an in den Amerika-Sommer, dann wieder zurück in den Europa-Winter und dann am 25. März definitiv in die Europa-Sommerzeit. Ziemlich verwirrend das Ganze, weshalb es auch mein merkwürdigster Moment der Saison ist.

 

Die Saison 2018 würde ich definitiv nicht vergessen wollen und ich danke allen, die mich auf meinem Weg unterstützt haben. Einen guten Rutsch und ein schönes neues Jahr wünsche ich. Ginger, out.

Kurzer. Bericht.

Linus. Aus. Trainingspause. Muss. Bericht. Schreiben. Von. Der. EM. Und. WM. Will. Aber. Lieber. Pause. Machen.

Trainingslager. In. Slowenien. War. Gut. Schöner. See. Und. Effektives. Training. Für. Den. Letzten. Schliff. Vor. Der. WM. Hat. Spass. Gemacht.

Danach. Direkt. Weiter. Nach. Plovdiv. In. Bulgarien. Dem. Austragungsort. Der. Regatta. WM. Maurus Pfalzgraf. Und. Ich. Starteten. Im. K2. Über. 1000m. Es. War. Hart. Im. Starken. U23. Feld. Daher. War. Auch. Im. Halbfinale. Schluss. Für. Uns. Wir. Haben. Aber. Gesehen. Wie. Stark. Die. Anderen. Sind. Und. Glauben. Daran. Dass. Wir. Das. Auch. Erreichen. Können. Mit. Viel. Training. Motivation. Ist. Da.

Danach. Hannah Müller. Und. Ich. Direkt. Weiter. Nach. Skopje. Wo. Die. U23. EM. Im. Wildwasser. Statt. Fand. Mit. Dem. Sechsten. Rang. Im. Klassik. Und. Dem. 12. Im. Sprint. Bin. Ich. Sehr. Zufrieden. Um. Vier. Hundertstel. Haben. Wir. Leider. Eine. Medaille. Im. Team. Verpasst. Das. War. Schade. Nicht. Verpasst. Hat. Die. Medaille. Hannah Müller. Bei. Den. Juniorinnen. Gratulation. Dafür.

Danach. Nach. Hause. Und. In. Die. Trainingspause. Wo. Ich. Jetzt. Bin. Und. Endlich. Fertig. Bin. Mit. Dem. Bericht.

 

Danke. Allen. Die. Mich. Unterstützt. Haben!

Florida 18 – Alligatoren und Cottage Cheese

„Watch out for alligators! The small one in the bush over there is harmless, but there are big ones!“, dies war ein nett gemeinter Hinweis eines Bewohners während eines Trainings hier in Florida. Von da an war das Paddeln um einiges spannender als zuvor. Wer gefressen wurde und was sonst noch so lief in Florida erfährst du hier!

Ist ja gut, gefressen wurde niemand, aber ein gewisser Nervenkitzel war da beim Paddeln. Aufgetaucht sind diese Alligatoren in den ganzen vier Wochen leider zum Glück nie, was aber den Vorteil hatte, dass wir uns optimal auf die nächste Saison vorbereiten konnten. Während vier Wochen Sonnenschein paddelten wir täglich rund 30km, warfen Gewichte durch die Gegend und „sekleten wie die Tubel“. Anstrengend war’s auf jeden Fall.

Einen Gegenpol dazu bildeten die wenigen Ruhetage in diesem Monat. Diese trainingsfreien Stunden bieten einerseits die Gelegenheit sich zu erholen, aber andererseits auch die Chance die Gegend zu erkunden und spannende Dinge zu erleben. So stiessen wir auf einer Bootstour auf eine freundliche Gruppe Delfine und holten uns am gleichen Tag einen Adrenalinrausch vom schnellen Bootfahren. Ein andermal verschlug es uns in die Everglades, wo wir vom Strassenrand aus Alligatoren und Schlangen bestaunen konnten. Ein Highlight des Lagers und der Grund für zahlreiche neue Bestzeiten war unser enormer Hüttenkäsekonsum. Niemand kennt den wahren Grund, wieso wir pro Tag beinahe ein halbes Kilo Hüttenkäse verschlungen haben, aber gewirkt hat’s sicherlich. Von aussen mag das vielleicht etwas bizarr erscheinen, aber so sind wir Kanuten 😉

Insgesamt also ein aufregender und gleichzeitig gewinnbringender Monat. Zuhause angekommen, werde ich drei Wochen in Luzern trainieren und dann bereits wieder für zwei Wochen ins Trainingslager reisen. Was will man mehr? Stimmt, Wettkämpfe fahren. Doch diese lassen auch nicht mehr lange auf sich warten, denn kurz danach steht schon die WM auf der Muota vor der Tür! Die Vorfreude steigt…

 

 

Nachwuchssportler des Jahres!!!

Arg aus dem Winterschlaf gerissen überstürzen sich die Ereignisse momentan. Ein Temperaturunterschied von beinahe 40 Grad und einen Aufstieg in den Sportleradel in nur einer Woche. Was ist nur passiert?

 

Einen Monat zuvor:

 Zwar befinde ich mich nicht gerade im Winterschlaf aber das langwierige Ausdauertraining auf dem kalten See macht einen beinahe ein bisschen schläfrig. Ohne Zweifel wirksam und unverzichtbar aber bei weitem nicht so actionreich wie die schnellen Intervalltrainings im Sommer ziehen sich die Trainingsstunden so dahin. Die Anzahl neuer Berichte auf meiner Webseite (=0) lassen auch auf die vielen ausserordentlichen Kanuerlebnisse schliessen, die ich erlebt habe in dieser Zeit. Ein ganz normaler langweiliger Winter also.

Um dieser Durststrecke den Durst zu stillen, machten wir uns letzten Sonntag auf ins warme Florida…

 

Jetzt:

4 Wochen Trainingslager bei beinahe 30 Grad und Sonne. Klingt schon mehr nach Action, nicht? Um uns effizient auf die nächste Saison vorzubereiten trainieren wir von Morgens bis Abends und lassen uns den Schweiss aus den Muskeln spriessen. Was will man mehr?

Doch gestern Abend passierte beinahe noch etwas Aufregenderes….

 

Noch mehr Jetzt:

 Die IG Sport des Kantons Luzern organisiert jedes Jahr eine Sportlerehrung bei der unteranderem der/die Nachwuchssportler/in des Jahres gekürt wird. Dieses Jahr wurde ich zu eben dieser Auszeichnung nominiert. Bald wurde mir mitgeteilt, dass ich zu den drei Finalisten zählte, aus denen an einem grossen Finale der/die Gewinner/in erkoren wird. Plötzlich wurde ich aus meinem Winteralltag gerüttelt und es geschah wieder etwas Aufregendes.

Gestern fand dieses Finale statt. Zu meiner grossen Freude wurde ich aufgrund meiner zwei Medaillen an der Junioren WM und dem 5. Platz an der Regatta EM zum Gewinner gekürt. Ich bin sehr stolz, dass ich mich gegen die beachtliche Konkurrenz durch Selina Witschonke (Curling) und Xenia Hodel (Handball) behaupten konnte und gratuliere ihnen herzlich. Dass ich durch diese Auszeichnung in den Sportadel erhoben wurde ist wahrscheinlich etwas übertrieben aber ich freue mich trotzdem sehr darüber. Leider konnte ich an der Ehrung nicht persönlich dabei sein, weil ca. 8000km entfernt, was den Ginger-Friend aber freut, weil er sich meine digitale Dankesrede nun auch anhören kann;)

 

Vielen Dank allen die mich unterstützt haben. Ich habe Spass!

 

We Are the Champions, my Friend, döm döm döm…

Dieser Song erklang letzten Mittwoch bei der Sportlerehrung der Stadt Luzern. Wie jedes Jahr bildet sie den endgültigen Abschluss meiner Saison und bietet Platz für einen Rückblick auf die schönsten Momente des vergangenen Jahres. Doch was waren überhaupt die Highlights, Lowlights, spannendsten und merkwürdigsten Erlebnisse meines Kanuabenteuers 2017? Ein kleiner Überblick…

Die Saison 2017 in Zahlen:

Trainingsstunden

588

Kanukilometer

2886

Geschätzte Anzahl Paddelschläge (Ansatz 50S/min) 1’764’000
Joggingkilometer, in Marathons

9.2

Anzahl Langlauftrainings

17

Anzahl Stürze in Langlauftrainings

1

Anzahl gebrochene Stöcke bei Stürzen in Langlauftrainings

1

Wochenenden investiert in Wettkämpfe/Trainingslager

38

Davon mit Freude investiert

38

Entschuldigte Absenzen der Schule, in Lektionen

243

Gefühlte Stunden im Kanubus auf der Autobahn

10’000

Davon in Webseitenberichte investierte Stunden (gefühlt)

5’000

Tatsächliche (nicht geschätzte) Durchschnittsdauer pro Bericht, in Stunden

3.5-4.5

Anzahl Weltmeistertitel

0

Anzahl Vizeweltmeistertitel

1

Anzahl Vizevizeweltmeistertitel

1

Anzahl 5. Plätze bei Junioren Europameisterschaften im K2

1

Sonstige Medaillen

21

Anzahl Mitglieder von Ginger&Friends

51

Anzahl gegessener Bratwürste am Ginger&Friends Sommerfest

46

Anzahl dankbarer Athleten die von Ginger&Friends profitieren

1

Anzahl von Ginger&Friends-Athleten gegessener Bratwürste am Sommerfest

4

Zufriedenheit mit der gesamten Saison von mir, in Prozent

100

 

Highlight der Saison

Es ist schwer, nur ein Highlight meiner Saison zu beziffern, aber ich habe mich entschieden. Es ist das Gefühl, an der Regatta EM, zusammen mit Maurus Pfalzgraf, extrem gute Rennen zu fahren, sich dafür völlig zu verausgaben und sich damit selbst zu übertreffen. Schon das Vorbereitungslager in Slowenien machte Freude, danach die optimal verlaufenen Vorläufe an der EM selbst, die uns überrascht haben, und schliesslich der perfekte Final, in dem wir sowieso nichts verlieren konnten – es war grandios. Der Erfolg in diesen Rennen, die ganze Stimmung bei den Kanuten aus ganz Europa und vor allem auch in unserem Team machen diese EM zu meinem persönlichen Highlight der Saison.

 

Lowlight der Saison

Ziemlich das einzige Mal in der Saison keine Lust zu paddeln hatte ich im Trainingslager in Italien eine Woche nach der WM. Trotz sehr coolem Wildwasser und tollen Leuten hätte ich eine Pause gebraucht vom ganzen Kanualltag und hätte lieber etwas anderes gemacht. Das Paddeln hing mir da richtig zum Hals raus. Aber nach einer so langen Saison wie dieses Jahr gehört das wohl dazu. Diese Unlust zum Paddeln macht für mich dieses Trainingslager zum Lowlight des Jahres.

 

Seltsamster / lustigster Moment der Saison

Nach langem Nachdenken habe ich den seltsamsten und gleichzeitig lustigsten Moment der Saison gefunden. Und zwar als wir im Trainingslager in Pusiano im verlassenen Gemeindesaal Pusianos, der komischerweise gerade eine Tür von unserem Aufenthaltsraum entfernt lag, eine katholische Messe nachgespielt haben. Stefan Scherrer als Pfarrer, Maurus Pfalzgraf als Ministrant und ich als Orgel. Klingt sehr verstörend, war es auch. Insgesamt aber sehr seltsam und vor allem lustig. Zum Glück gibt es keine Videos von diesem Schauspiel.

 

Ende Saison 17

Das war’s mit der Saison 17. Mir hat es total Spass gemacht, so viel zu paddeln und in der Welt herum zu fahren. Ich würde es nicht anders wollen. An dieser Stelle möchte ich mich auch ganz herzlich bei allen bedanken, die mich diese ganze Zeit unterstützt haben. Allen voran meiner Familie, die mich doch gar oft entbehren muss und mir aber immer zur Seite steht. Silvan Wyss, der mich 365 Tage im Jahr hetzt oder bremst paddeln zu gehen, was soviel heisst, dass er mir die Trainingspläne schreibt und dafür enorm viel Freizeit investiert. Auch meinen anderen TrainerInnen Annalena Kuttenberger, Kristin Amstutz, Lukas Bolliger, Joe Kunz, Marcel Eichenberger und Andreas Schori möchte ich für ihre tolle Arbeit danken. Weiter möchte ich mich bei der tollen Kanutruppe bedanken, mit der ich so viel Zeit verbringen darf und die immer für gute Laune sorgt. Dem Kanuclub Luzern will ich danke sagen, dass er mir eine tolle Trainingsmöglichkeit bietet und mich auch sonst grossartig unterstützt, finanziell und mit motivierenden Sprüchen der Mitglieder. Auch den Sponsoren der Nationalmannschaft und vor allem auch meinen persönlichen Sponsoren McDonalds Dierikon und der Wildstauden Gärtnerei gebührt grossen Dank. Der Stadt und dem Kanton Luzern danke ich auch herzlich für die finanzielle Unterstützung. Doch abschliessend will ich allen Ginger&Friends Mitgliedern danken, die mir die Saison enorm erleichtern und denen ich auch gerne von Zeit zu Zeit Postkarten schreibe.

Nun denke ich ist alles gesagt und ich kann mich getrost in den Winterschlaf begeben 😉 Also dann, auf Wiedersehen und bis zum nächsten Jahr. Ich freue mich!