Endlich wieder Muskelkater

Ich bin wieder dran. Dran am Trainieren. Nach 10 Wochen des Nichtstuns endlich wieder im Boot. Klar, noch langsam und nur ein wenig. Aber endlich kann ich mich wieder bewegen! Was für eine Freude!

Eigentlich müsste ich gerade das Programm für den folgenden Tag an der WM planen. Als Betreuer an einer WM steht man ständig unter Druck, weil es so viel zu organisieren gibt. Aber plötzlich klingelt das Telefon. Die Nummer kenne ich auf den ersten Blick nicht und eigentlich will ich nicht abnehmen weil ich gerade in Frankreich bin und die zusätzlichen Kosten scheue. Ich tue es trotzdem und bereue es nicht. Es ist meine Ärztin, die die Resultate der letzten Blutprobe untersucht hat und mich endlich freispricht! Ich darf wieder alles trainieren, solange ich mich gut dabei fühle (was ja auch sonst gar nicht so ein schlechter Grundsatz ist). Ich lege auf und freue mich kurz, muss dann aber weiterplanen.

Erst diese Woche begreife ich richtig, was das bedeutet. Die WM ist vorbei und ich kann mich seit langem wieder einmal auf grössere Trainings freuen. Auf dem Wasser bin ich zwar im Moment so schnell wie die Frauen in unserem Team, aber immerhin bin ich wieder dabei. Besonders cool ist das erste Training im Kraftraum. Endlich wieder Gewichte rumschmeissen, so dass man seinen Körper richtig spürt und die Muskeln danach ermüdet sind. Das hatte mir gefehlt in den letzten zwei Monaten. Ständig nur rumsitzen, sich seinen nicht sportlichen Hobbys zuwenden und auf Youtube die Zeit verstreichen lassen. Aber jetzt wieder Muskelkater! Geil!

Welche Wettkämpfe ich dieses Jahr besuchen werde und ob sich das überhaupt lohnt, kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einschätzen. Zuerst muss ich mich wieder in die höheren Pulsbereiche vorwagen. Bin ich noch so schnell, dass sich Wettkämpfe lohnen. Kann mein Körper bereits wieder alles hergeben was er hat? Diese Fragen werde ich zuerst beantworten müssen. Doch zuerst lasse ich mir Zeit fürs Training und geniesse es wieder dabei zu sein. Wobei zu viel Zeit darf ich mir auch nicht lassen. In zwei Wochen sind Semesterprüfungen und da gibt es für mich noch einiges zu tun. Man könnte ja meinen, ich hätte die letzten zwei Monate nichts zu tun gehabt…

Wenn du noch mehr zu meinen Erfahrungen mit Corona erfahren willst und wie ich damit umgegangen bin: Heute ist ein Artikel über mich in der Luzerner Zeitung 😉

Training in Sevilla

Schon ist es wieder so weit. Nach dem ich im November aus Israel zurückgekehrt bin und den ganzen Dezember und Januar in der Schweiz war, wurde es nun wieder höchste Zeit ins Trainingslager in die Wärme zu fahren. Doch das Trainingslager hat eine düstere Vorgeschichte…

Eisig kalt war es, als wir im Januar im Engadin am Langlaufen waren. Wie jedes Jahr machten wir Anfang Januar eine Paddelpause und stiegen in den Schnee. Dieses Jahr fühlte ich mich besonders fit und die Kilometer verstrichen ohne Mühe unter meinen Ski. Einmal skateten wir sogar 100km in einer Einheit. Das war cool! Am letzten Tag sollte sich das jedoch ändern. Schon am Morgen fühlte ich mich etwas schwach und als ich mich dann im Training den gefürchteten Anstieg im Stazer Wald hinaufquälen sollte, ging gar nichts mehr. So schwach hatte ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Wieder zuhause lag ich zuerst zwei Tage krank im Bett. Am nächsten Tag stellte sich dann der Grund für meine Schwäche heraus: Der Coronatest war positiv.

Von da an war klar, dass ich die nächsten zehn Tage in Isolation verbringen würde. Obwohl die Tage ziemlich langweilig waren, ging es mir gesundheitlich von Tag zu Tag besser und so profitierten wenigstens meine Semesterprüfungen der Fachhochschule von der Isolation. Trainingsmässig lief in dieser Zeit jedoch überhaupt nichts. Als ich dann endlich wieder frei war, begann ich mich mit zwei ganz lockeren Trainings wieder an den Sport heranzutasten. Doch schon das war zu viel und am nächsten Tag lag ich den ganzen Morgen wieder im Bett.

In den folgenden Tagen sollte sich dieses leidige Spiel trotz meiner Impfung fortsetzen. Im Alltag hatte ich keine Probleme, aber sobald ich mich bewegte, überfiel mich eine sonderbare Schlappheit. Es war frustrierend. Doch je länger dieses Hin und Her dauerte, desto näher rückte das geplante Trainingslager in Spanien. Würde es sich überhaupt lohnen nach Sevilla zu fahren? Oder sollte das meine Heilung sogar beschleunigen?

Let’s go to Sevilla

Letztendlich entschloss ich mich dazu am Trainingslager teilzunehmen. Gut, gezahlt hatte ich eh schon dafür, ein bisschen Gesellschaft würde mir auch guttun und gegen 22 Grad und Sonne ist schwer etwas einzuwenden. Ich durfte für dieses Trainingslager mit dem Österreichischen Kanuteam mitfahren, so dass ich mich mit dessen schnellsten Paddler Timon Maurer messen konnte. Zu sechst bezogen wir eine winzige Wohnung mit einer tollen Dachterrasse nahe der Altstadt von Sevilla. Nicht mal ein Esstisch hatte darin Platz. Doch das spielte uns keine Rolle. Wir kochten selbst und assen auf dem Sofa. Für vier Wochen würden wir das schon aushalten und hatten trotzdem unseren Spass.

Leider lief es im Training zu Beginn des Lagers noch nicht ganz so rund. Ganz gemächlich musste ich mich wieder ans Paddeln herantasten. Wenn ich zu viel wollte, rebellierte mein Körper sofort. Also pickte ich mir nur einzelne Trainings aus dem Trainingsprogramm heraus und schonte meinen Körper. Doch von Tag zu Tag und von Woche zu Woche konnte ich den Umfang steigern und auch die Intensität des Trainings herauffahren. Dabei spielte mir noch eine merkwürdige Tatsache in die Karte. Zum ersten Mal in meiner Kanukarriere habe ich mich bei der Planung des Trainingslagers getäuscht und eine ganze Woche übersehen. Das Trainingslager dauerte nicht wie angenommen vier Wochen, sondern fünf! Das ist mir bis jetzt noch nie passiert und ich frage mich, ob das ein Resultat einer gewachsenen Gleichgültigkeit gegenüber der Dauer von Trainingslagern ist oder eine (un)bedeutende Unachtsamkeit. 

Alles in allem profitiere ich nun von dieser extra Woche und darf jetzt, am Ende von Woche vier, von mir behaupten, dass ich Corona endlich besiegt habe! Ein gewisser Trainingsrückstand bleibt, aber keiner, der nicht aufzuholen wäre. Nun als wieder voll funktionsfähiger Sportler gebe ich mein bestes, ein erfolgreiches Abschlussjahr in der U23 Kategorie zu zeigen. Aus der ganzen Coronageschichte lerne ich, dass mein Körper keine Maschine ist, sondern viel Aufmerksamkeit braucht. Insgesamt bin ich zufrieden mit meinem Körper und dankbar, dass er mich wieder gesund gemacht hat 🙂 Als nächstes stehen nun die Schweizermeisterschaften über die Langdistanz an und danach weitere Trainingslager zur Saisonvorbereitung. Ich freue mich darauf!

PS: Von der IG Sport Luzern bin ich dieses Jahr einer von drei Nominierten für den Preis des «Nachwuchssportler des Jahres». Drücke mir die Daumen und lies Zeitung 🙂

Die Saison 2021 in zahlen

Anzahl bestrittener Wettkämpfe12
In der Abfahrt7
In der Regatta5
  
Durchschnittliche Zeit meiner an der Regatta U23 EM und WM gepaddelten 1000m Rennen 03:46
Schnellstes Rennen03:44
Langsamstes Rennen03:54
Gesamtdauer aller an der U23 EM und WM gepaddelten 1000m Rennen22:41
  
Durchschnittliche Anzahl Paddelschläge pro 1000m Wettkampf (geschätzt), in Doppelschlägen (Schlag rechts, Schlag links)292
Durchschnittlich zurückgelegte Strecke pro Doppelschlag, in Meter3.43
  
Anzahl Tage im Trainingslager93
Anzahl besuchter Länder14
Davon Reisen nach Italien3
Davon Reisen nach Frankreich3
Davon Reisen in die Slowakei2
Davon Reisen in den Balkan0
  
Mitglieder von Ginger & Friends28
Wie viel mir das wert ist, in Dank1000
  
Anzahl angekündigter Blogbeiträge für das Jahr 20216
Anzahl geschriebener Blogbeiträge3
Anzahl angekündigter Blogbeiträge für das Jahr 20226
Wahrscheinlichkeit, dass ich dieses Ziel erreiche50%
  
Verfügbare Podestplätze an der U23 EM Solkan3
Ergatterte Podestplätze an der U23 EM1
Nummer auf meinem Abteil des Podests1
Freude an diesem Tag, in Glückshormonen1000

Highlight der Saison: Europameistertag

Eins – Zwei – Drei – Vier – Eins – Zwei – Drei – Vier. Streng ist es sowieso, also gib nochmals alles! Eins – Zwei – und im Ziel. Bestzeit. Das war die Grundlage für einen super tollen Tag und ganz viel Freude. Die Rede ist vom Tag, als ich U23 Europameister wurde. Endlich stehe ich mal ganz oben auf dem Podest. Ich bin sehr stolz auf mich. Aber noch viel mehr freue ich mich darüber, wie andere sich wegen mir freuen. Da sind meine Teamkollegen, die nach dem Rennen zu mir ins Wasser springen und mich reinschmeissen. Oder Annalena und Marcel, meine Trainer, die beide bis zu den Ohren grinsen, als ich ihnen entgegenkommen. Für mich den emotionalsten Empfang bieten mir aber meine Teamkollegen, die bereits im Hotel zurück waren, als ich ins Ziel kam. Sie warten bereits vor dem Hotel und jubeln, als wir mit dem Bus angefahren kommen. So ein schöner Empfang. Aber auch die nächsten Tage und der Empfang zuhause sind wunderschön und machen den Europameistertag zu meinem absoluten Highlight dieses Jahr. Danke an alle, die mich auf diesem Weg unterstützt haben.

Merkwürdigster Moment der Saison: 10 Stunden Zeitverschiebung

Alles ist weiss. Ich bin ebenfalls weiss. Nur ab und zu taucht ein Boot auf und verschwindet sogleich wieder. Man sieht keine 50m weit. In 50 Minuten, um 9:00 sollte mein B-Final der U23 WM in Portugal starten. Wie am Tag zuvor hat es am Morgen stockdichten Nebel. Ich bin am Einpaddeln, jedoch nur etwas halbherzig. Eigentlich erwarte ich, dass mein Rennen etwas nach hinten geschoben wird bis der Nebel weg ist. In dieser Brühe ein Rennen durchzuführen, wäre schlicht nicht möglich, da man gar nicht sehen würde, wer gewonnen hat. Und so ist es denn auch. Als ich wieder ans Land komme, steht mein Trainer bereits da und teilt mir mit, dass mein Rennen um zehn Stunden verschoben wurde. «Wie um zehn Stunden?», frage ich. «Ja», sagt mein Trainer, «dein Rennen ist neu um 19:05». Klar, dass manchmal nicht alle Rennen nach Rennplan durchgeführt werden können und man etwas flexibel sein muss. Doch dass ich meine Höchstleistung gerade um zehn Stunden verschieben muss, ist mir so doch noch nie passiert und ist damit das merkwürdigste Rennerlebnis der letzten Saison.

Lowlight der Saison: Nun ja.

Ganz ehrlich, es war schwierig für mich, etwas wirklich Schlechtes an der letzten Saison zu finden. Es gab auf jeden Fall Momente, in denen es nicht so lief, wie ich gerne wollte. Da war zum Beispiel die Sprintstrecke an der Abfahrt EM in Spanien, die mir einfach nicht gelingen wollte. Oder die Enttäuschung, dass es an der U23 WM in Portugal keine Abschlussparty gab für mich. Doch zu vieles lief einfach richtig gut, als dass diese Vorfälle meine Erinnerungen an diese Saison trüben könnten. Das Einzige, worüber ich mir wirklich Gedanken machen muss, ist, dass ich meinem Körper trotz all dem Training auch genug Sorge trage. Zum ersten Mal in meiner Karriere hatte ich über längere Zeit Beschwerden mit meinen Schultern, aber auch mit meinem Handgelenk. Nichts Schlimmes zwar, aber trotzdem hat es mir gezeigt, dass mein Körper auch Erholung braucht und ich ihm Zeit geben muss für Regeneration. Das Gute an diesem Lowlight, ist, dass es in meinen Händen liegt, ob mein Körper auch in Zukunft Probleme machen wird. Ich kann also daraus lernen und mich verbessern. 

Insgesamt blicke ich auf die tollste Saison meiner Karriere zurück und freue mich über all die großartigen Erlebnisse. In der nächsten Saison steht mein letztes Jahr in der U23 Kategorie an und da will ich nochmals allen zeigen, was ich kann! Let’s go!

Saisonausblick: Was läuft?

Weltmeister? Bester Schweizer? Oder totaler Versager? Was ist diese Saison möglich? Und wohin zieht’s mich dieses Jahr?

Gut, ich gebe zu, ich bin etwas spät dran. Das erste Rennen ist schon vorbei und erst jetzt kommt der Saisonausblick? Nun, besser spät als nie. Also los. Der Saisonauftakt in Mailand ist, wie du vielleicht schon weisst geglückt. Als Schweizer Team durften wir an den italienischen Selektionen mitpaddeln und uns mit unseren südlichen Kollegen messen. Mit einer neuen persönlichen Bestzeit und einem zweiten Rang im B-Final bin ich sehr zufrieden. Das ich meine Zielzeit, die ich diese Saison über 1000m fahren wollte, gleich im ersten Rennen erreiche, hätte ich nicht gedacht. Ausserdem gewann ich im K2 mit Donat Donhauser die Silbermedaille über 500m und das in unserem ersten gemeinsamen Rennen.

Nun gut, das ist jetzt auch schon wieder drei Wochen her. Was kommt als nächstes?

Schweizermeister im Tessin und dann nach Osten

Bereits nächste Woche gilt es dann richtig ernst. Auf der Moesa im Tessin finden die Wildwasser Schweizermeisterschaften statt. Das Ziel ist klar: gewinnen. Doch hier gibt es nicht nur Schweizer zu schlagen, auch Athleten aus Deutschland, Italien und Frankreich sind am Start. Hier sehe ich seit langem wieder mal, wo ich im internationalen Vergleich stehe. Gleich das Wochenende danach geht es dann im Regattaboot in Richtung Osten.

In Bratislava messe ich mich dann im K1 und K2 gegen die Konkurrenz aus dem Ostblock. Nach dieser Regatta sollte ich ein gutes Bild davon haben, was dieses Jahr möglich ist. Denn das ist auch wichtig, denn nur einen Monat später findet die Regatta U23 EM statt. Einer meiner Höhepunkte dieses Jahr. Mein Ziel: 1000m unter 3:45 fahren und das B-Final mit meiner Anwesenheit bereichern. Ich freue mich schon jetzt auf die Wettkämpfe in Polen.

Ab aufs Wildwasser

Direkt von Polen aus reise ich weiter nach Bosnien. In Banja Luka nehme ich an meinem zweiten Wildwasser-Weltcup meiner Karriere teil. Die Strecke kenne ich bereits von meiner ersten Junioren EM, was die Konkurrenz angeht, kann ich im Moment nicht beurteilen, wo ich stehe. Ich liebäugle mit einem Platz im Sprintfinal und einer Top 10 Platzierung im Klassik. Eine zusätzliche Herausforderung wird noch sein, dass prompt während des Weltcups die ersten Prüfungen des Semesters meines Wirtschaftsstudiums anstehen. Wie und ob ich das unter einen Hut bringe, weiss ich heute noch nicht 😉

Nach dem Weltcup wird es kurzzeitig etwas ruhiger, bevor es dann im August weitergeht mit der WW-Europameisterschaft in Spanien. Doch diese EM ist für mich persönlich nur ein Vorbereitungswettkampf für was danach kommt: die U23 Weltmeisterschaften im Sprint. Diese WM wird mein absoluter Saisonhöhepunkt und ich werde mich nicht mit weniger zufrieden geben als einer Medaille. Dazu gibt es nicht mehr zu sagen.

 Komm wir verschieben alles auf dem Herbst

Doch obwohl der Höhepunkt durch ist, fertig bin ich noch nicht. Ganz und gar nicht. Die U23 WM in der Regatta wurde in den Herbst verschoben, weshalb ich auch im September noch in Form sein werde. Doch sie ist nicht das Einzige, was gross C zum Opfer viel. Auch der Abfahrt Weltcup in Frankreich auf dem äusserst anspruchsvollen Fluss Treignac wurde in den September verlegt. Ausserdem findet in Bratislava im September noch die Sprint WM im Wildwasser statt. Ja, richtig gelesen, Bratislava hat neben einer Regattabahn auch eine Wildwasserstrecke. Nach dem zweiten Besuch in Bratislava beruhigt sich die ganze Situation dann aber und es stehen «nur» noch die üblichen Marathons statt.

Vollgepumpt

Wie dir vielleicht aufgefallen ist, sind das ziemlich viele Rennen für eine Saison. Ehrlichgesagt wahrscheinlich die meisten Rennen, die ich in einer Saison bis jetzt gefahren bin. Ich habe immerhin eine ganze Saison zu kompensieren 😉 Im Moment fühle ich mich gut und bereit diese Saison anzupacken. Lasset die Wettkämpfe beginnen!

Olympia. Die Spiele der wenigen.

Die grösste Sportveranstaltung der Welt: Die olympischen Sommerspiele. Olympia lässt Millionen von Menschen jubeln, schafft Vorbilder für Kinder und Jugendliche und trägt die olympischen Werte in die Welt hinaus. Doch die Spiele ändern sich. Und das nicht immer zum Guten.

2024 finden die Olympischen Spiele in Paris statt. Bis dahin soll sich einiges ändern. So will es das Olympische Komitee. Zu gross sind die Spiele. Sie kosten zu viel und sind erst noch schlecht für die Umwelt. Ausserdem sollen die Spiele peppiger werden. Ziel ist es, die jugendlichen Zuschauer anzusprechen. Um das zu erreichen, hat das IOC (Internationale Olympische Komitee) sich einige Ideen einfallen lassen. Die Anzahl Athleten und Betreuer soll gesenkt werden und einige Sportarten oder Disziplinen werden aus dem Programm gestrichen. Damit die Spiele für die Millennials nicht zu langweilig sind, sollen actionreichere Disziplinen ins Programm. Klingt bis jetzt ziemlich vernünftig. Was dabei nicht verloren gehen soll, sind die olympischen Werte, wie Freundschaft, Respekt, Exzellenz der sportlichen Leistung und Chancengleichheit.

Doch zwischen diesen Zielen gibt es eine Diskrepanz. Auf der einen Seite sollen möglichst viele Menschen motiviert werden Sport zu treiben und ihr Leben nach den olympischen Werten leben. Dazu brauchen diese Menschen die Möglichkeit dort wo sie wohnen den Olympiastars nachzueifern und in Sportvereinen den Spirit of Sport zu leben. Auf der anderen Seite sollen Jugendliche mit Nervenkitzel und adrenalingeladenen Sportarten an die Fernseher gelockt werden, ganz im Motto der olympischen Spiele: «Citius, Altius, fernsehtauglicherus». Diese neuen cooleren Sportarten erfordern aber oft eine grössere und exklusivere Infrastruktur, als dass das die meisten Jugendlichen in ihrer Stadt oder in ihrem Land zur Verfügung haben. Sie haben also gerade eben nicht die Möglichkeit den Olympiasiegern nachzueifern und die olympischen Werte zu leben.

Extreme Slalom als neue Disziplin

Anschaulich wird das Problem in meiner Sportart dem Kanufahren. Letzte Woche wurde beschlossen, dass anstelle der 200m Wettkämpfe der Kanuten auf dem Flachwasser nun der sogenannte «Extreme Slalom» eingeführt wird. Beim Extreme Slalom stürzen sich vier Kanuten gleichzeitig eine Rampe in den Fluss hinunter und müssen dann auf dem künstlichen Bach, ähnlich wie beim Ski-Cross, einen Parcours absolvieren. Klingt spektakulär, ist es ehrlichgesagt auch. Beim 200m Flachwasser Rennen geht es «nur» darum, wer am schnellsten im Ziel ist. Obwohl ich aus dem Flachwassersport komme, muss ich zugeben, dass der Extreme Slalom für Zuschauer, die vorher noch nie einen Kanuwettkampf gesehen haben, wohl spannender ist.

Was ist also das Problem? Nun, für eine Jugendliche, die nach Paris 2024 begeistert vom Extreme Slalom ist, ist es sehr schwer in den Sport einzusteigen. Neben dem ganzen Material das man braucht (Boot, Paddel, Schwimmweste, Helm, …) gibt es schlicht und einfach nicht viele Orte auf der Welt wo man Extreme Slalom trainieren kann. Nicht mal die Schweiz als reiches Land hat einen künstlichen Wildwasserkanal (die Dinger sind richtig teuer).

Anders sieht es aus bei Disziplinen wie dem 200m Rennen. Praktisch jede Stadt der Welt ist an einem (mehr oder weniger zahmen) Gewässer gebaut. Was man nun noch braucht, ist ein Boot und ein Paddel und das Training kann losgehen. Diese Disziplin steht also viel mehr Jugendlichen offen, als der Extreme Slalom.

Der Extreme Slalom ist aber nur ein Beispiel von vielen.

Was soll man also tun? Die Lean-Olympics

Das erklärte Ziel des IOC Präsidenten Thomas Bachs ist es, «to get the couch potatoes off the couch». Die Jugendlichen sollen die Spiele nicht nur schauen, sondern auch Sport treiben. Ich schlage daher vor, dass der IOC genau das ermöglichen soll. Anstatt den Jugendlichen Action bieten zu wollen, die sie einfacher und jederzeit auf TikTok und co. bekommen, soll bei den Olympischen Spielen der Sport im Zentrum stehen. Doch genau das sieht das Olympische Komitee anders. Ein Punkt der olympischen Agenda 2020 ist: «Move from a sport-based to an event-based programme». Die Spiele werden also den Interessen der Zuschauer untergeordnet und der Sport an sich ist zweitrangig.

Genau wie das IOC finde aber auch ich, dass es wichtig ist, dass die olympischen Werte gelebt werden. Doch anstelle der Interessen der Zuschauer soll der Sport im Zentrum stehen. Damit die olympischen Werte auch möglichst weit gestreut werden, gehören meiner Meinung nach vor allem Sportarten ins olympische Programm, die möglichst viele Jugendliche betreiben können. Anstelle von infrastrukturintensiven Sportarten propagiere ich die Lean-Olympics, einem Weg, die olympischen Werte möglichst effizient auf der Welt zu verteilen. Dazu zählen möglichst wenig Infrastruktur, möglichst tiefe Einstiegshürden für Anfänger von olympischen Sportarten und dadurch möglichst grosse Chancengleichheit für alle Jugendlichen rund um den Globus. Es ist mehr wert, wenn ein Jugendlicher in einem 3. Welt Land die Möglichkeit hat, eine olympische Sportart zu betreiben, als dass ein (westlicher) Zuschauer alle vier Jahre eine höhere Endorphin Ausschüttung vor dem Fernseher hat.

Was bringts?

Schmalere Olympische Spiele sind unbestritten besser für die Umwelt. Weniger Sportarten mit einer grossen Infrastruktur kosten weniger und stellen für die Steuerzahler des jeweiligen Austragungsland eine kleinere Belastung dar. Dadurch, dass «simple» Sportarten die olympischen Spiele dominieren, werden mehr Menschen zum Sport motiviert. Die Menschen sind gesünder, die Lebensqualität steigt, die Gesundheitskosten sinken und hoffentlich gehen die Menschen durch den neuen Spirit of Sport freundlicher miteinander um. Ausserdem haben ärmere Länder auch die Möglichkeit olympische Sportarten zu fördern und sind nicht schon rein von der Infrastruktur her (wie beim Extreme Slalom) per se von einer Sportart ausgeschlossen. Extremer ist also nicht immer besser. Auf eine Welt mit mehr Sport!

Wilde Wasser wiederentdecken

Einer schlagartigen Rückkehr aus dem Trainingslager in Florida folgt der Stillstand. Zuhause trainiere ich alleine und sonst läuft auch nicht viel. Die 5er Corona Regel lässt Anlässe in den normalen Trainingsgruppen nicht zu. Wettkämpfe sind gar nicht der Rede wert. Doch schlimm ist’s nicht. Dann gibt’s halt ein gemütlicheres Jahr, denke ich mir. Doch ist das wirklich so und was läuft anders in Coronazeiten beim Ginger deines Vertrauens?

So schön flach war der Vierwaldstättersee schon lange nicht mehr. Und nicht nur am Morgen, nein, den ganzen Tag hindurch. Ich gehörte wahrscheinlich zur Minderheit, als ich mich darüber freute, dass die Kursschiffe nicht mehr in See stechen. Optimale Trainingsbedingungen also. Wobei perfekt ist’s trotzdem nicht. Obwohl die Wasserbedingungen perfekt sind komme ich nicht richtig in den Fluss im Training. Nach dem eher «langweiligen» Wintertraining fehlen mir die Wettkämpfe und ich bin etwas ziellos. Ich trainiere weiter, weiss jedoch nicht so richtig wofür. Ohne Rennen macht paddeln eben schon weniger Spass.

Etwas besser wird’s, als ich wieder ab und zu mit der Trainingsgruppe in Buochs trainieren kann. Das Krafttraining findet immer noch zuhause in der Wäscheküche statt, doch auf dem See bin ich nicht mehr alleine. Das motiviert. Trotzdem trainiere ich etwas weniger als in anderen Jahren. Da bleibt mehr Zeit für anderes. Ausnahmsweise schwinge ich mich schon im Frühling aufs Bike und holpere ab und zu den Pilatus, die Rigi oder sonst einen Berg hinunter. Doch auch im Kanu wage ich Neues.

Wegen Corona drängt der Trainingsplan etwas weniger und es ist auch nicht so schlimm, mal einen Tag nicht zu «trainieren». Ich sattle hie und da um ins Tourenboot und wage mich auf Flüsse, die nicht Rennboottauglich sind. So treibe ich bei Hochwasser die kleine Emme hinunter oder lasse mich meinen ersten richtigen Wasserfall hinunterfallen auf der Lütschinen. Das ist gfürchig macht aber richtig Spass.

Auf der Simme geht es dann los mit dem ersten Post-Corona-Trainingslager. Ich freue mich extrem wieder auf dem Wildwasser zu sein und ich komme gut voran. Die Schweizermeisterschaften, die gerade nach dem Trainingslager stattfinden, bestätigen dies. Mit zwei Siegen über die klassische Distanz und den Sprint bin ich zufrieden und beweise, dass ich einigermassen in Form bin. Ob sich diese gute Form auch international bestätigen kann, wird sich zeigen.

Zuerst passiert jedoch was anderes. Um mich noch besser auf das Training fokussieren zu können und näher bei meinen Teamkollegen und den Trainern zu sein, ziehe ich nach Rapperswil. In Rapperswil befindet sich das Leistungszentrum der Flachwasserkanuten und damit mein «place to be». Ich trainiere gut und kann Fortschritte erzielen, wobei ich sagen muss, dass ich leistungsmässig noch nicht dort angelangt bin im Regattaboot, wo ich sein will. Da ich aber an Wettkämpfen meistens noch etwas über mich hinauswachsen kann, ist hier ein abschliessender Vergleich schwierig, da schlicht noch keine Wettkämpfe stattfanden.

Aber zurück zum Wildwasser. Gerade sitze ich im Bus auf der Rückreise von Tschechien und dem ersten (und womöglich einzigen) internationalen Wettkampf dieses Jahr. Es war eine Freude wieder mal auf einem anspruchsvollen Kanal zu paddeln und sich gegen die ausländische Konkurrenz zu messen. Endlich ist das Wettkampffeeling wieder da! Meine Läufe sind zwar noch nicht wirklich sauber und es gibt noch einiges an Verbesserungspotential, aber ich bin zufrieden mit zwei Finalqualifikationen und einem 12. und einem 17. Platz im Sprint. Und das obwohl ich mich nicht als Sprinter sehe, sondern eher der Ausdauertyp bin. Vor allem aber hatte ich viel Freude am Paddeln und es war toll wieder Rennen zu fahren und das ist aus meiner Sicht das Wichtigste überhaupt. Ohne Spass machts keinen Sinn.

Und wie geht’s weiter? Das weiss keiner so genau. Auf dem Plan stehen noch eine Regatta in Bratislava, einige Rennen in der Schweiz selbst und ein Weltcup in Spanien. Doch zu viele Hoffnungen mache ich mir mal noch nicht. Bis jetzt hat es sich im Wunderjahr 2020 noch nicht gelohnt, zu weit über den Tellerrand hinaus zu planen. Daher stehe ich auch der U23 WM, die in den November verschoben wurde eher kritisch gegenüber. Das heisst aber auf keinen Fall, dass ich mich auf die faule Haut lege und rumhänge. Rennen fahren macht Spass und am Coolsten sind die Wettkämpfe, wenn man sie gewinnt. Das geht nun mal nicht ohne trainieren und das ist auch gut so. Also los!

Die Saison 2019 in Zahlen

Paddelkilometer, ungefähr 3139
Trainingszeit insgesamt, in h (ca.) 637
Davon im Kraftraum, ca 156
Zeit zusammen mit Maurus Pfalzgraf verbracht, in Tagen (ziemlich genau) 158
Zeit mit meiner Freundin verbracht, in Tagen (ungefähr) 68
Anzahl Länder bepaddelt 8
Anzahl Länder die an der WM in Szeged gepaddelt sind 108
Anzahl Blogbeiträge auf der Website 2017 8
Anzahl Blogbeiträge auf der Website 2018 7
Anzahl Blogbeiträge auf der Website 2019 2
Zeit ins Kanufahren investiert 2017, in h 588
Zeit ins Kanufahren investiert 2018, in h 630
Zeit ins Kanufahren investiert 2019, in h 637
Korrelation dieser Daten negativ
Anzahl Blogbeiträge geplant für 2020 6
Anzahl teilgenommener WMs 2019 3
Mögliche WM Teilnahmen 2019 für mich 4
Zufriedenheit mit der Saison, in Prozent 65

Highlight der Saison:

Der Höhepunkt dieses Jahr war nicht einfach zu bestimmen. In Frage kamen zwei grossartige Events. Besser gesagt WMs. Das sind die Regatta WM in Szeged (HUN) und andererseits die Abfahrt WM in La Seu d’Urgell. Die Weltmeisterschaften in Ungarn bestritt ich zusammen mit Maurus Pfalzgraf im Zweier. Nach einer enttäuschenden U23 WM den Monat zuvor konnten wir uns enorm steigern und katapultierten uns in einem tollen Rennen über die nicht-olympischen 500m in die Top 15 und in den olympischen 1000m in den C-Final. Die Rennen machten extrem Spass und bildeten einen tollen Abschluss für die Kanukarriere meines Partners Maurus. Danke für die coole gemeinsame Zeit. Sie wird mir auf deine menschenfreundliche und chaotische Weise in Erinnerung bleiben. Die WM in Spanien auf dem Olympiakanal von Barcelona war das andere Highlight. Als nur Eines von drei Wildwasserrennen dieses Jahr war die WM eher ein End-of-season Goodie, anstelle von eines seriösen Höhepunkts. Aber vielleicht war es genau das, was die WM für mich so erfolgreich machte. Im ersten Lauf hatte ich etwas Mühe in Fahrt zu kommen. Beim Zweiten kam der Stein dann ins Rollen und ich schaffte mein Ziel, die Finalquali. Im Endlauf fühlte ich mich, als ob ich Hinkelsteine rumwerfen könnte und erreichte das bisher beste Schweizer Resultat an einer WW-Weltmeisterschaft bei den Herren, den siebten Rang. Welch tolles Gefühl!

Lowlight der Saison:

Das war eindeutig die Regatta U23 WM in Pitesti Anfangs August. Zu diesem Zeitpunkt konzentriere ich mich schon ein ganzes Jahr völlig auf den Sport und sollte ein gutes Resultat abliefern. An der WM starte ich zusammen mit Maurus Pfalzgraf im Zweier, sowie auch in Einer über 1000m. Vorfreudig starten wir in die WM und tanzen an der Eröffnungsfeier zusammen mit den anderen Athleten einen rumänischen Volkstanz. Doch die Rennen laufen beschissen schlecht. Der Zweier harmonisiert nicht und im Einer habe ich kein Power. Maurus und ich erreichen knapp den B-Final und können uns nicht behaupten. Im K1 ist im Halbfinal Endstation. Der Grund für dieses Desaster war wohl, dass ich mir zu viel Druck gemacht habe. Im Vorfeld trainierte ich wohl etwas zu viel, Maurus dafür etwas zu wenig. Doch hauptsächlich fehlte mir die nötige Lockerheit. Nach den Rennen wollte ich zuerst alles über den Haufen schmeissen und das geplante Trainingslager und den Start an der Elite WM abblasen. Glücklicherweise tat ich das dann nicht. Ich hätte es bereut.

Merkwürdigster Moment:

Es war ein sonnig heisser Junitag. Um mich auf die bevorstehenden Wettkämpfe vorzubereiten trainierte ich in Rapperswil. An diesem Tag stand 90 Minuten Rennradfahren auf dem Trainingsplan. Ich radle mit dem Velo Richtung Einsiedeln den Berg hoch und nach der Hälfte wieder zurück Richtung Rapperswil. Ich schiesse den Berg herunter. 40 km/h, 50km/h immer schneller. Das Pflaster ist gut. Der Weg gerade genug breit für ein Auto. Auf beiden Seiten hohes Gras. Plötzlich springt etwa zwei Meter vor mir ein Wiesel aus dem Gras und hechtet über die Strasse. Überrascht bremse ich sofort und versuche dem Wiesel auszuweichen. Das gelingt mir zum Glück. Weniger glücklich ist die Katze, die dem Wiesel hinterhergejagt ist. Sie springt direkt vor mir auf die Strasse und ich spüre nur noch wie mein Lenker etwas ruckelt. Meinem Hinterrad kann sie glücklicherweise ausweichen. Zu meiner Erleichterung sprintet die Katze in Deckung und hat keine weiteren Schäden erlitten, soweit ich das beurteilen kann. Dem Wiesel habe ich jedenfalls das Leben gerettet. Immerhin das.

Alles in allem war es ein lehrreiches Jahr mit tollen Momenten, die ich erleben durfte. Ich habe gelernt, dass mehr nicht immer mehr ist, wenn’s ums Training geht. Ich durfte grossartige neue Menschen kennenlernen. Musste mich aber auch von Rückschlägen erholen und in schwierigen Momenten die Motivation wiederfinden. Trotzdem habe ich das Jahr 2019 genossen und möchte es nicht missen. Vielen Dank allen, die mich auf meinem Weg unterstützen und mir diese aufregende Lebenszeit ermöglichen. Ginger out.

Lange Zeit im Kanu

Wir leben in turbulenten Zeiten. Doch wohin treibt es Linus im Moment und was hat er erlebt in den letzten Monaten? Eine Zeitreise.

 

29. Oktober 2018. Ein nebliger Tag. Um 10:00 trudeln mehr und mehr Gestalten auf einen Asphaltplatz in Wangen a.A. So beginnt ein neuer Lebensabschnitt unseres Kanuten. Rund 40 Sportler legen in den nächsten Stunden ihr ziviles Ich nieder und nehmen das grüne Wir auf. Es ist der Start der Spitzensport RS 2/2018. Ab jetzt heisst es Ruhn, Trainieren, zweimal Richtung rechts, Richtung Zwipf. Nach drei Wochen haben wir den militärischen Teil unseres Militärdienstes absolviert. Wir verschieben nach Magglingen, um unsere Sportlerfunktion wahrzunehmen. Das bisher längste Trainingslager in Linus Leben beginnt.

21. Dezember 2018. Die Sportrekruten dürfen nach Hause! Weihnachten steht vor der Tür und der militärische Drill aus Paddeln, Kraftraum, Laufen, Spinning und Regeneration wird für ein paar Tage unterbrochen. Zeit zuhause mit der Familie.

26. Dezember 2018. Welcome back. Auf geht’s nach Andermatt. In der Kaserne wohnen und auf der Loipe Langlaufen. Nach einer Woche Andermatt-Realp Retour kennt man jeden Baum. Trotzdem wars lustig.

5. Januar 2019. Ein neues Jahr, das meiste bleibt beim Alten. Zwei Wochen Langlaufen in St. Moritz. Doch Fortschritte machen sich bemerkbar. 2.5 Stunden Langlaufen am Stück wird normal. Und auch vier Stunden vergehen wie im Flug.

26. Januar 2019. Auf nach Tenero. Nach der Paddelpause das erste mal wieder auf dem Wasser. Tenero fühlt sich fast ein bisschen wie zuhause an. So oft waren wir schon hier. Paddelhandschuhe braucht’s trotz aller Heimeligkeit.

17. Februar 2019. Tetris. Wir spielen Tetris. Ewig spielen wir Tetris. Die meiste Zeit von unserem Flug nach Miami spielen wir Tetris. In Florida spielen wir die nächsten vier Wochen jedoch kein Tetris. Dafür Schiffeversenken. Zum Glück nicht. Wir fürchten uns etwas von den Alligatoren. Das Training läuft. Die RS immer noch in vollem Gange.

15. März 2019. Immer noch bei den Krokis. Doch nun sind wir ausgediente Soldaten. Die RS hat unser Kanute absolviert. Wieder ein neuer Lebensabschnitt.

6. April 2019. Viel geändert hat sich nicht. Wir fahren nach Caldonazzo ins Trainingslager. Eine schöne Gegend mit flachem See. Was will man mehr?

11. April 2019. Unser Held wird 20 Jahre alt. Zum Geburtstag fährt er das Rennen in Valstagna (ITA). Das Wildwasser tut ihm gut. Eine spannende Abwechslung. Etwas alt fühlt er sich schon.

26. April 2019. Mantova (ITA). Das erste Rennen der Saison. Wie viel besser bin ich? 3. Platz im K2 und ein gewonnenes B-Finale stimmen zuversichtlich.

2. Mai 2019. Kopenhagen. Die zweite Probe. Härtere Konkurrenz und kälteres Wetter, aber trotzdem nicht schlecht. Still work to do.

12. Mai 2019. Budapest. Die Europareise geht weiter. Als Teil eines Trainingslager des internationalen Kanuverbandes findet Linus Freunde aus Ländern, die er meistens zuerst Googeln muss, um zu wissen wo sie liegen. Das Ungarische Training nagt an den Reserven oder besser gesagt, es kitzelt den Rest aus Linus, der ihn schneller macht.

19. Mai 2019. Heute. Ruhetag. Zeit um Berichte zu schreiben. Das hat er nun erledigt. Zeit für etwas Sightseeing. Bis bald in der Zukunft.

Saison 2018 – What happened?

Das Jahr 2018 ist so gut wie vorbei. Das heisst aber glücklicherweise nicht, dass alles verloren ist, was im 2018 geschah. Sonst würde ich jetzt ohne Matura und mit Gedächtnisverlust dastehen. Es ist nicht einfach aus einem solch ereignisreichen Jahr die besten Momente herauszupicken, die man erlebt hat. Ich habe mich aber trotzdem an die Challenge herangewagt und herausgekommen sind Erlebnisse, die mir sicherlich nicht verloren gehen werden.

Die Saison 2018 in Zahlen:

Trainingsstunden 630
Kanukilometer 3139
Geschätzte Anzahl Paddelschläge (Ansatz 50S/min) 1’017’000
Anzahl Rechnungsfehler bei obiger Schätzung in „Die Saison 2017 in Zahlen“ 1
Wochenenden investiert in Wettkämpfe / Trainingslager 34
Wochenenden nicht investiert in Wettkämpfe / Trainingslager 18
Davon Trainingsfrei 5
Anzahl beim Sport verbrannter Kalorien, in Big Macs 640
Anzahl von mir gegessener Big Macs 0
Anzahl Athleten, die von einer Sporthilfe Patenschaft bei McDonalds profitieren 169
Anzahl Prüfungsfächer an der Matura 5
Davon bestandene Prüfungen, in Prozent 100
Notendurchschnitt in den Mathi-Prüfungen log 3 (729)
Anzahl Schlaglöcher auf Rumänischen Strassen (gefühlt) 100’000
Maximale Anzahl gefahrener Kilometer in 24 h 1668
Anzahl Ginger&Friends Unterstützer 21
Anzahl immer noch dankbarer Athleten die von Ginger&Friends profitieren 1
Anzahl Grossanlässe 2018 4
Zufriedenheit mit der Saison 2018, in Prozent 75

 

Highlight der Saison

Ganz klar die Heim WM auf der Muota. Zuhause vor Heimpublikum tolle Rennen zeigen zu können, war mein absolutes Highlight letztes Jahr. Die ganze Vorbereitung auf den Wettkampf mit etlichen Trainingsstunden auf der Muota und so viel Wildwassertraining wie noch nie zuvor, haben extrem Spass gemacht. Das Team war wie jedes Jahr erste Sahne und hat mich zu Höchstleistungen angetrieben. Aber vor allem das Klassik Rennen bleibt mir in Erinnerung. Ich kannte durch meine Vorbereitung fast jeden Stein und jede Welle der Muota und konnte nur noch meine Linie abrattern. Sogar bei der Schlüsselstelle rund um den Muotastein lief alles wie am Schnürchen. Am Ende schaute Platz 12 heraus. Dieser wäre aber nicht möglich gewesen ohne die grandiose Unterstützung aller Fans, die uns Athleten angefeuert haben. Hervorheben will ich noch eine kleine Fangeschichte, die mich besonders gefreut hat. Meinem ehemaligen Mathilehrer Stefan Müller habe ich von der Muota erzählt und er hat kurzerhand entschlossen mich mit seinem Velo die ganze Klassikstrecke lang anzufeuern. Vor lauter Anfeuern entwich ein Randstein seiner Aufmerksamkeit und er flog über den Lenker. Als er mich eine Woche später bei der Mathi-Matura mit der linken Hand begrüssen musste, weil seine Rechte vom Sturz verletzt war, hatte er trotzdem noch ein Lächeln im Gesicht. Vielen Dank dafür!

 

Lowlight der Saison

Die U23 WM in der Regatta fand dieses Jahr in Plovdiv (Bulgarien) statt. Schnelle Wasserbedingungen, pompöse Eröffnungsfeier und glorreiche Siege. Ein Rundgang in der Stadt an einem freien Nachmittag zeigten uns aber auch die arme Seite von Bulgarien. Etwas abgekommen von den üblichen Touristen Routen fanden wir uns in einem armen Unterschicht Quartier wieder. Besonders in Erinnerung geblieben, ist mir das Bild eines alten Mannes, der mitten auf der Strasse vor seinem Haus zwei Kuhköpfe zerlegte, um das Fleisch herauszuholen. Diese Szenerie stimmte mich nachdenklich und machte mir klar, wie viel Luxus ich in meinem Leben erleben darf. Dieser arme Mann war mein Lowlight der Saison.

 

Merkwürdigster Moment

Es war im Trainingslager in Florida. Wie gewohnt, klingelte um 6:50 der Wecker und danach ging es los mit dem Morgenessen. So weit, so gut. Eines Morgens klingelte der Wecker mitten in der Nacht und draussen war es noch stockdunkel. Einen Blick aufs Handy: 6:50. Die Zeit stimmte. Was war nur los. Also standen wir auf und bereiteten das Morgenessen vor. Als wir uns dann etwas über die merkwürdige Dunkelheit unterhielten ging uns plötzlich ein Licht auf. Es war der 11. März. Was wir bei eigenem Leibe erfahren hatten, war, dass in Amerika die Sommerzeit gut zwei Woche früher umgestellt wird als in Europa. Wir erlebten also ein Wechselbad der Zeiten. Vom Europa-Winter in den Amerika-Winter, von da an in den Amerika-Sommer, dann wieder zurück in den Europa-Winter und dann am 25. März definitiv in die Europa-Sommerzeit. Ziemlich verwirrend das Ganze, weshalb es auch mein merkwürdigster Moment der Saison ist.

 

Die Saison 2018 würde ich definitiv nicht vergessen wollen und ich danke allen, die mich auf meinem Weg unterstützt haben. Einen guten Rutsch und ein schönes neues Jahr wünsche ich. Ginger, out.

Kurzer. Bericht.

Linus. Aus. Trainingspause. Muss. Bericht. Schreiben. Von. Der. EM. Und. WM. Will. Aber. Lieber. Pause. Machen.

Trainingslager. In. Slowenien. War. Gut. Schöner. See. Und. Effektives. Training. Für. Den. Letzten. Schliff. Vor. Der. WM. Hat. Spass. Gemacht.

Danach. Direkt. Weiter. Nach. Plovdiv. In. Bulgarien. Dem. Austragungsort. Der. Regatta. WM. Maurus Pfalzgraf. Und. Ich. Starteten. Im. K2. Über. 1000m. Es. War. Hart. Im. Starken. U23. Feld. Daher. War. Auch. Im. Halbfinale. Schluss. Für. Uns. Wir. Haben. Aber. Gesehen. Wie. Stark. Die. Anderen. Sind. Und. Glauben. Daran. Dass. Wir. Das. Auch. Erreichen. Können. Mit. Viel. Training. Motivation. Ist. Da.

Danach. Hannah Müller. Und. Ich. Direkt. Weiter. Nach. Skopje. Wo. Die. U23. EM. Im. Wildwasser. Statt. Fand. Mit. Dem. Sechsten. Rang. Im. Klassik. Und. Dem. 12. Im. Sprint. Bin. Ich. Sehr. Zufrieden. Um. Vier. Hundertstel. Haben. Wir. Leider. Eine. Medaille. Im. Team. Verpasst. Das. War. Schade. Nicht. Verpasst. Hat. Die. Medaille. Hannah Müller. Bei. Den. Juniorinnen. Gratulation. Dafür.

Danach. Nach. Hause. Und. In. Die. Trainingspause. Wo. Ich. Jetzt. Bin. Und. Endlich. Fertig. Bin. Mit. Dem. Bericht.

 

Danke. Allen. Die. Mich. Unterstützt. Haben!