Endlich wieder Muskelkater

Ich bin wieder dran. Dran am Trainieren. Nach 10 Wochen des Nichtstuns endlich wieder im Boot. Klar, noch langsam und nur ein wenig. Aber endlich kann ich mich wieder bewegen! Was für eine Freude!

Eigentlich müsste ich gerade das Programm für den folgenden Tag an der WM planen. Als Betreuer an einer WM steht man ständig unter Druck, weil es so viel zu organisieren gibt. Aber plötzlich klingelt das Telefon. Die Nummer kenne ich auf den ersten Blick nicht und eigentlich will ich nicht abnehmen weil ich gerade in Frankreich bin und die zusätzlichen Kosten scheue. Ich tue es trotzdem und bereue es nicht. Es ist meine Ärztin, die die Resultate der letzten Blutprobe untersucht hat und mich endlich freispricht! Ich darf wieder alles trainieren, solange ich mich gut dabei fühle (was ja auch sonst gar nicht so ein schlechter Grundsatz ist). Ich lege auf und freue mich kurz, muss dann aber weiterplanen.

Erst diese Woche begreife ich richtig, was das bedeutet. Die WM ist vorbei und ich kann mich seit langem wieder einmal auf grössere Trainings freuen. Auf dem Wasser bin ich zwar im Moment so schnell wie die Frauen in unserem Team, aber immerhin bin ich wieder dabei. Besonders cool ist das erste Training im Kraftraum. Endlich wieder Gewichte rumschmeissen, so dass man seinen Körper richtig spürt und die Muskeln danach ermüdet sind. Das hatte mir gefehlt in den letzten zwei Monaten. Ständig nur rumsitzen, sich seinen nicht sportlichen Hobbys zuwenden und auf Youtube die Zeit verstreichen lassen. Aber jetzt wieder Muskelkater! Geil!

Welche Wettkämpfe ich dieses Jahr besuchen werde und ob sich das überhaupt lohnt, kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einschätzen. Zuerst muss ich mich wieder in die höheren Pulsbereiche vorwagen. Bin ich noch so schnell, dass sich Wettkämpfe lohnen. Kann mein Körper bereits wieder alles hergeben was er hat? Diese Fragen werde ich zuerst beantworten müssen. Doch zuerst lasse ich mir Zeit fürs Training und geniesse es wieder dabei zu sein. Wobei zu viel Zeit darf ich mir auch nicht lassen. In zwei Wochen sind Semesterprüfungen und da gibt es für mich noch einiges zu tun. Man könnte ja meinen, ich hätte die letzten zwei Monate nichts zu tun gehabt…

Wenn du noch mehr zu meinen Erfahrungen mit Corona erfahren willst und wie ich damit umgegangen bin: Heute ist ein Artikel über mich in der Luzerner Zeitung 😉

Kanuwelt Buochs als neuer Ausrüstungspartner

«Wo hast du das Paddeln begonnen?», ist eine der häufigsten Fragen, die mir zu meiner Karriere gestellt werden. Meine Antwort ist dann jeweils eine lange unwegsame Geschichte von einer Sportwoche in Luzern bis hin zu meinem ersten Rennen. Umso mehr freut es mich, dass ich mit der Kanuwelt Buochs einen Sponsor gefunden habe, der den Einstieg ins Paddeln so einfach macht, wie es nur geht. Boot oder Kurs reservieren, Sonnencreme einschmieren und los geht’s.

Den guten Draht zur Kanuwelt habe ich schon lange. Eine meiner ersten Spritzdecken kaufte ich in diesem Kanushop in Buochs und sobald ich genügend alt war, finanzierte ich einen Teil meiner Saison als Guide und Kursleiter. Ich kenne die Kanuwelt also als Kunde, aber auch als Mitarbeiter und bin aus beiden Blickwinkeln ein grosser Fan. Nun bin ich stolz die Kanuwelt in der Kanuwelt zu repräsentieren und freue mich auf die Zusammenarbeit!

Wenn auch du die Kanuwelt kennenlernen willst, komm am 22.05 an die Kanuerlebnistage! Für die schon fortgeschritteneren Paddler unter euch, biete ich dort einen Paddeltechnikkurs direkt vom Europameister an und für alle anderen gibt es gratis Paddeln, Tipps und Autogramme. Ich freue mich auf dich!

Training in Sevilla

Schon ist es wieder so weit. Nach dem ich im November aus Israel zurückgekehrt bin und den ganzen Dezember und Januar in der Schweiz war, wurde es nun wieder höchste Zeit ins Trainingslager in die Wärme zu fahren. Doch das Trainingslager hat eine düstere Vorgeschichte…

Eisig kalt war es, als wir im Januar im Engadin am Langlaufen waren. Wie jedes Jahr machten wir Anfang Januar eine Paddelpause und stiegen in den Schnee. Dieses Jahr fühlte ich mich besonders fit und die Kilometer verstrichen ohne Mühe unter meinen Ski. Einmal skateten wir sogar 100km in einer Einheit. Das war cool! Am letzten Tag sollte sich das jedoch ändern. Schon am Morgen fühlte ich mich etwas schwach und als ich mich dann im Training den gefürchteten Anstieg im Stazer Wald hinaufquälen sollte, ging gar nichts mehr. So schwach hatte ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Wieder zuhause lag ich zuerst zwei Tage krank im Bett. Am nächsten Tag stellte sich dann der Grund für meine Schwäche heraus: Der Coronatest war positiv.

Von da an war klar, dass ich die nächsten zehn Tage in Isolation verbringen würde. Obwohl die Tage ziemlich langweilig waren, ging es mir gesundheitlich von Tag zu Tag besser und so profitierten wenigstens meine Semesterprüfungen der Fachhochschule von der Isolation. Trainingsmässig lief in dieser Zeit jedoch überhaupt nichts. Als ich dann endlich wieder frei war, begann ich mich mit zwei ganz lockeren Trainings wieder an den Sport heranzutasten. Doch schon das war zu viel und am nächsten Tag lag ich den ganzen Morgen wieder im Bett.

In den folgenden Tagen sollte sich dieses leidige Spiel trotz meiner Impfung fortsetzen. Im Alltag hatte ich keine Probleme, aber sobald ich mich bewegte, überfiel mich eine sonderbare Schlappheit. Es war frustrierend. Doch je länger dieses Hin und Her dauerte, desto näher rückte das geplante Trainingslager in Spanien. Würde es sich überhaupt lohnen nach Sevilla zu fahren? Oder sollte das meine Heilung sogar beschleunigen?

Let’s go to Sevilla

Letztendlich entschloss ich mich dazu am Trainingslager teilzunehmen. Gut, gezahlt hatte ich eh schon dafür, ein bisschen Gesellschaft würde mir auch guttun und gegen 22 Grad und Sonne ist schwer etwas einzuwenden. Ich durfte für dieses Trainingslager mit dem Österreichischen Kanuteam mitfahren, so dass ich mich mit dessen schnellsten Paddler Timon Maurer messen konnte. Zu sechst bezogen wir eine winzige Wohnung mit einer tollen Dachterrasse nahe der Altstadt von Sevilla. Nicht mal ein Esstisch hatte darin Platz. Doch das spielte uns keine Rolle. Wir kochten selbst und assen auf dem Sofa. Für vier Wochen würden wir das schon aushalten und hatten trotzdem unseren Spass.

Leider lief es im Training zu Beginn des Lagers noch nicht ganz so rund. Ganz gemächlich musste ich mich wieder ans Paddeln herantasten. Wenn ich zu viel wollte, rebellierte mein Körper sofort. Also pickte ich mir nur einzelne Trainings aus dem Trainingsprogramm heraus und schonte meinen Körper. Doch von Tag zu Tag und von Woche zu Woche konnte ich den Umfang steigern und auch die Intensität des Trainings herauffahren. Dabei spielte mir noch eine merkwürdige Tatsache in die Karte. Zum ersten Mal in meiner Kanukarriere habe ich mich bei der Planung des Trainingslagers getäuscht und eine ganze Woche übersehen. Das Trainingslager dauerte nicht wie angenommen vier Wochen, sondern fünf! Das ist mir bis jetzt noch nie passiert und ich frage mich, ob das ein Resultat einer gewachsenen Gleichgültigkeit gegenüber der Dauer von Trainingslagern ist oder eine (un)bedeutende Unachtsamkeit. 

Alles in allem profitiere ich nun von dieser extra Woche und darf jetzt, am Ende von Woche vier, von mir behaupten, dass ich Corona endlich besiegt habe! Ein gewisser Trainingsrückstand bleibt, aber keiner, der nicht aufzuholen wäre. Nun als wieder voll funktionsfähiger Sportler gebe ich mein bestes, ein erfolgreiches Abschlussjahr in der U23 Kategorie zu zeigen. Aus der ganzen Coronageschichte lerne ich, dass mein Körper keine Maschine ist, sondern viel Aufmerksamkeit braucht. Insgesamt bin ich zufrieden mit meinem Körper und dankbar, dass er mich wieder gesund gemacht hat 🙂 Als nächstes stehen nun die Schweizermeisterschaften über die Langdistanz an und danach weitere Trainingslager zur Saisonvorbereitung. Ich freue mich darauf!

PS: Von der IG Sport Luzern bin ich dieses Jahr einer von drei Nominierten für den Preis des «Nachwuchssportler des Jahres». Drücke mir die Daumen und lies Zeitung 🙂

Die Saison 2021 in zahlen

Anzahl bestrittener Wettkämpfe12
In der Abfahrt7
In der Regatta5
  
Durchschnittliche Zeit meiner an der Regatta U23 EM und WM gepaddelten 1000m Rennen 03:46
Schnellstes Rennen03:44
Langsamstes Rennen03:54
Gesamtdauer aller an der U23 EM und WM gepaddelten 1000m Rennen22:41
  
Durchschnittliche Anzahl Paddelschläge pro 1000m Wettkampf (geschätzt), in Doppelschlägen (Schlag rechts, Schlag links)292
Durchschnittlich zurückgelegte Strecke pro Doppelschlag, in Meter3.43
  
Anzahl Tage im Trainingslager93
Anzahl besuchter Länder14
Davon Reisen nach Italien3
Davon Reisen nach Frankreich3
Davon Reisen in die Slowakei2
Davon Reisen in den Balkan0
  
Mitglieder von Ginger & Friends28
Wie viel mir das wert ist, in Dank1000
  
Anzahl angekündigter Blogbeiträge für das Jahr 20216
Anzahl geschriebener Blogbeiträge3
Anzahl angekündigter Blogbeiträge für das Jahr 20226
Wahrscheinlichkeit, dass ich dieses Ziel erreiche50%
  
Verfügbare Podestplätze an der U23 EM Solkan3
Ergatterte Podestplätze an der U23 EM1
Nummer auf meinem Abteil des Podests1
Freude an diesem Tag, in Glückshormonen1000

Highlight der Saison: Europameistertag

Eins – Zwei – Drei – Vier – Eins – Zwei – Drei – Vier. Streng ist es sowieso, also gib nochmals alles! Eins – Zwei – und im Ziel. Bestzeit. Das war die Grundlage für einen super tollen Tag und ganz viel Freude. Die Rede ist vom Tag, als ich U23 Europameister wurde. Endlich stehe ich mal ganz oben auf dem Podest. Ich bin sehr stolz auf mich. Aber noch viel mehr freue ich mich darüber, wie andere sich wegen mir freuen. Da sind meine Teamkollegen, die nach dem Rennen zu mir ins Wasser springen und mich reinschmeissen. Oder Annalena und Marcel, meine Trainer, die beide bis zu den Ohren grinsen, als ich ihnen entgegenkommen. Für mich den emotionalsten Empfang bieten mir aber meine Teamkollegen, die bereits im Hotel zurück waren, als ich ins Ziel kam. Sie warten bereits vor dem Hotel und jubeln, als wir mit dem Bus angefahren kommen. So ein schöner Empfang. Aber auch die nächsten Tage und der Empfang zuhause sind wunderschön und machen den Europameistertag zu meinem absoluten Highlight dieses Jahr. Danke an alle, die mich auf diesem Weg unterstützt haben.

Merkwürdigster Moment der Saison: 10 Stunden Zeitverschiebung

Alles ist weiss. Ich bin ebenfalls weiss. Nur ab und zu taucht ein Boot auf und verschwindet sogleich wieder. Man sieht keine 50m weit. In 50 Minuten, um 9:00 sollte mein B-Final der U23 WM in Portugal starten. Wie am Tag zuvor hat es am Morgen stockdichten Nebel. Ich bin am Einpaddeln, jedoch nur etwas halbherzig. Eigentlich erwarte ich, dass mein Rennen etwas nach hinten geschoben wird bis der Nebel weg ist. In dieser Brühe ein Rennen durchzuführen, wäre schlicht nicht möglich, da man gar nicht sehen würde, wer gewonnen hat. Und so ist es denn auch. Als ich wieder ans Land komme, steht mein Trainer bereits da und teilt mir mit, dass mein Rennen um zehn Stunden verschoben wurde. «Wie um zehn Stunden?», frage ich. «Ja», sagt mein Trainer, «dein Rennen ist neu um 19:05». Klar, dass manchmal nicht alle Rennen nach Rennplan durchgeführt werden können und man etwas flexibel sein muss. Doch dass ich meine Höchstleistung gerade um zehn Stunden verschieben muss, ist mir so doch noch nie passiert und ist damit das merkwürdigste Rennerlebnis der letzten Saison.

Lowlight der Saison: Nun ja.

Ganz ehrlich, es war schwierig für mich, etwas wirklich Schlechtes an der letzten Saison zu finden. Es gab auf jeden Fall Momente, in denen es nicht so lief, wie ich gerne wollte. Da war zum Beispiel die Sprintstrecke an der Abfahrt EM in Spanien, die mir einfach nicht gelingen wollte. Oder die Enttäuschung, dass es an der U23 WM in Portugal keine Abschlussparty gab für mich. Doch zu vieles lief einfach richtig gut, als dass diese Vorfälle meine Erinnerungen an diese Saison trüben könnten. Das Einzige, worüber ich mir wirklich Gedanken machen muss, ist, dass ich meinem Körper trotz all dem Training auch genug Sorge trage. Zum ersten Mal in meiner Karriere hatte ich über längere Zeit Beschwerden mit meinen Schultern, aber auch mit meinem Handgelenk. Nichts Schlimmes zwar, aber trotzdem hat es mir gezeigt, dass mein Körper auch Erholung braucht und ich ihm Zeit geben muss für Regeneration. Das Gute an diesem Lowlight, ist, dass es in meinen Händen liegt, ob mein Körper auch in Zukunft Probleme machen wird. Ich kann also daraus lernen und mich verbessern. 

Insgesamt blicke ich auf die tollste Saison meiner Karriere zurück und freue mich über all die großartigen Erlebnisse. In der nächsten Saison steht mein letztes Jahr in der U23 Kategorie an und da will ich nochmals allen zeigen, was ich kann! Let’s go!

U23 Europameister

Ein leichter Wind weht und die Sonne verschwindet langsam hinter dem Horizont. Ich hätte nie gedacht, dass die Aussicht so schön ist. Doch nun stehe ich ganz oben und kann es einfach nur geniessen. Ich sehe meine Freunde jubeln und sie feiern mit mir. Auf dem obersten Treppchen steh nun ich, der Europameister.

Genug der Poesie. Los ging das Ganze mit einer leichten Enttäuschung. Als wir am Sonntag das erste Mal in Solkan (SLO) auf den Fluss gehen, werden wir überrascht. Wir hatten ja im vornhinein gehört, dass die Soca in diesem Teil sehr flach sei, aber dass sie gerade so flach ist, hätten wir nicht gedacht. Nun ja, dann ist es halt so und wir machen das beste draus. Wenigstens haben wir es nicht schwer die schnellste Linie zu finden. Nach einigen Trainingsfahrten geht es am Mittwoch endlich los mit dem Klassik Rennen.

Vor dem Start weiss ich, dass ich vorne mitmischen kann. Insgeheim träume ich von einer Medaille. Doch es gibt noch ein paar Stolpersteine. Bald zwei Jahre bin kein Klassikrennen mehr gegen meine Konkurrenten gefahren und ich kann ihre Fortschritte nur schwer einschätzen. Dann gibt es da diesen Franzosen, der aus dem Nichts kommt, an den Grossanlässen abräumt und danach wieder untertaucht. Oder den Belgier, der wegen seinen Flachwasserfähigkeiten gefürchtet wird. Ich kann schlicht nicht sagen, wo ich landen werde.

Doch das spielt eigentlich auch keine Rolle. Am Schluss kann ich eh nicht beeinflussen, wie die anderen paddeln, sondern nur, wie ich mich mache. Also konzentriere ich mich auf mein Rennen. Ich weiss, dass ich mich in der ersten Phase des Rennens ziemlich zurückhalten muss. Auf dem flachen Teil am Ende des Rennens muss man nochmals alle Kräfte mobilisieren können. Lieber auf dem schnell fliessenden Wasser langsamer paddeln, als auf dem stehenden Wasser keine Kraft mehr zu haben. So die Taktik, also los.

Jetzt gehts los

Nach dem Start finde ich schnell in einen effizienten und relativ kraftsparenden Paddelschlag. Ich kann genau so paddeln, wie ich mir das erhofft habe. Die Wellenstücke im ersten Teil des Rennens bringe ich ohne Fehler und mit einem guten Gefühl hinter mich. Doch dann kommen die letzten zwei «Todeskilometer». Auf diesen zwei Kilometern gilt es durchzubeissen und nicht zu viel Mitleid mit sich selbst zu haben. Streng ist es sowieso, egal ob man nun 95% oder 100% gibt. Wenn man aber trotz aller Unannehmlichkeiten Vollgas gibt, wird man im Ziel dafür mit einem besseren Resultat belohnt. Und so war’s auch. 

Die letzte Kurve und endlich sehe ich die Ziellinie. Noch 200m. Ich gebe alles was noch in mir steckt. Meine Sicht beginnt sich einzuschränken. Seitlich sehe ich nur noch schwarz. Alles was ich noch im Auge habe ist die Ziellinie. Innerlich zähle ich die Paddelschläge mit. Immer wieder von Eins bis Vier. 1 2 3 4. 1 2 3 4. 1 2 und endlich im Ziel. Ich brauche eine Minute um mich zu erholen. Meine Teamkollegen am Rand jubeln. Ich habe bis jetzt die schnellste Zeit im Ziel. Doch hinter mir kommen noch sieben andere Athleten. Ich bange bei jeder Zieleinfahrt um meine Zeit. Doch wie sich herausstellt kommt keiner meiner Konkurrenten nur annähernd an meine Zeit von 14:40 Minuten heran. Ich gewinne mit 16 Sekunden Vorsprung auf den Belgier Kilian Meersmans und den Franzosen Augustin Reboule. Ich bin überglücklich.

An Land begrüssen mich meine Teamkollegen und freuen sich mit mir. Gefühlt alle Paddler und Trainer, die ich auch nur am Rande ein bisschen kenne, gratulieren mir und ich fühle mich fast ein bisschen wie ein Star. Zurück im Hotel wartet der Rest des Teams, der nicht an der Strecke sein konnte am Eingang auf mich und empfangen mich. All das hat mich wahnsinnig gefreut. 

Bei der Rangverkündigung am nächsten Tag darf ich dann meine Medaille in Empfang nehmen und zum ersten Mal überhaupt erklingt bei einer U23 Europameisterschaft bei den Herren die Schweizer Nationalhymne. Ein bisschen stolz bin ich schon. 

Die weiteren Wettkämpfe bestreite ich alle gut, für einen weiteren Exploit reicht es für mich mit Platz 9 im Sprint aber nicht. Nicht so den Schweizer Junioren Luis Clavadetscher, Aaron Schmitter und Patrick Gutknecht. Sie gewinnen im Team Sprint mit einem sensationellen Lauf die Silbermedaille und machen das Solkan Märchen perfekt. Gratuliere!

Zurück zur Normalität

Auf der Heimfahrt komme ich langsam wieder runter von meinem Hoch der letzten Tage. Ich bin schon fast froh, dass es wieder normaler zu und her geht. Doch dieser Zustand währt nicht lange. Als wir im Wassersportzentrum Buochs vorfahren, erwartet uns ein Empfangskommitee aus Trichlern, Freunden und Verwandten. Wir sind überwältigt vom Emfang. Vielen Dank für alle die da waren. Doch auch jetzt geht es nicht einfach zurück zur Normalität. Als ich am Montag bei meiner Wohnung ankomme, ist die Eingangstür und das ganze Treppenhaus geschmückt und ich bin gleich wieder in meinem Hoch. Danke Mama! Und auch jetzt geht es noch weiter, als ich am Dienstag das erste Mal wieder paddeln gehe, hängt an der Hauswand des Kanuclubs ein grosses Plakat von mir mit Glückwünschen. Also wieder ein weiterer Tag mit einem tollen Highlight. Danke Donat!

Insgesamt kann ich auf eine wahnsinnige Woche zurückblicken gespickt mit Freude und Highlights. Vielen Dank an alle, die mich unterstützt, mir geschrieben oder mich sonst irgendwie auf meinem Weg begleitet haben! Europameister zu werden, hat mir wahnsinnig Spass gemacht mit euch! Ich glaube ich sollte das öfters tun!

Saisonausblick: Was läuft?

Weltmeister? Bester Schweizer? Oder totaler Versager? Was ist diese Saison möglich? Und wohin zieht’s mich dieses Jahr?

Gut, ich gebe zu, ich bin etwas spät dran. Das erste Rennen ist schon vorbei und erst jetzt kommt der Saisonausblick? Nun, besser spät als nie. Also los. Der Saisonauftakt in Mailand ist, wie du vielleicht schon weisst geglückt. Als Schweizer Team durften wir an den italienischen Selektionen mitpaddeln und uns mit unseren südlichen Kollegen messen. Mit einer neuen persönlichen Bestzeit und einem zweiten Rang im B-Final bin ich sehr zufrieden. Das ich meine Zielzeit, die ich diese Saison über 1000m fahren wollte, gleich im ersten Rennen erreiche, hätte ich nicht gedacht. Ausserdem gewann ich im K2 mit Donat Donhauser die Silbermedaille über 500m und das in unserem ersten gemeinsamen Rennen.

Nun gut, das ist jetzt auch schon wieder drei Wochen her. Was kommt als nächstes?

Schweizermeister im Tessin und dann nach Osten

Bereits nächste Woche gilt es dann richtig ernst. Auf der Moesa im Tessin finden die Wildwasser Schweizermeisterschaften statt. Das Ziel ist klar: gewinnen. Doch hier gibt es nicht nur Schweizer zu schlagen, auch Athleten aus Deutschland, Italien und Frankreich sind am Start. Hier sehe ich seit langem wieder mal, wo ich im internationalen Vergleich stehe. Gleich das Wochenende danach geht es dann im Regattaboot in Richtung Osten.

In Bratislava messe ich mich dann im K1 und K2 gegen die Konkurrenz aus dem Ostblock. Nach dieser Regatta sollte ich ein gutes Bild davon haben, was dieses Jahr möglich ist. Denn das ist auch wichtig, denn nur einen Monat später findet die Regatta U23 EM statt. Einer meiner Höhepunkte dieses Jahr. Mein Ziel: 1000m unter 3:45 fahren und das B-Final mit meiner Anwesenheit bereichern. Ich freue mich schon jetzt auf die Wettkämpfe in Polen.

Ab aufs Wildwasser

Direkt von Polen aus reise ich weiter nach Bosnien. In Banja Luka nehme ich an meinem zweiten Wildwasser-Weltcup meiner Karriere teil. Die Strecke kenne ich bereits von meiner ersten Junioren EM, was die Konkurrenz angeht, kann ich im Moment nicht beurteilen, wo ich stehe. Ich liebäugle mit einem Platz im Sprintfinal und einer Top 10 Platzierung im Klassik. Eine zusätzliche Herausforderung wird noch sein, dass prompt während des Weltcups die ersten Prüfungen des Semesters meines Wirtschaftsstudiums anstehen. Wie und ob ich das unter einen Hut bringe, weiss ich heute noch nicht 😉

Nach dem Weltcup wird es kurzzeitig etwas ruhiger, bevor es dann im August weitergeht mit der WW-Europameisterschaft in Spanien. Doch diese EM ist für mich persönlich nur ein Vorbereitungswettkampf für was danach kommt: die U23 Weltmeisterschaften im Sprint. Diese WM wird mein absoluter Saisonhöhepunkt und ich werde mich nicht mit weniger zufrieden geben als einer Medaille. Dazu gibt es nicht mehr zu sagen.

 Komm wir verschieben alles auf dem Herbst

Doch obwohl der Höhepunkt durch ist, fertig bin ich noch nicht. Ganz und gar nicht. Die U23 WM in der Regatta wurde in den Herbst verschoben, weshalb ich auch im September noch in Form sein werde. Doch sie ist nicht das Einzige, was gross C zum Opfer viel. Auch der Abfahrt Weltcup in Frankreich auf dem äusserst anspruchsvollen Fluss Treignac wurde in den September verlegt. Ausserdem findet in Bratislava im September noch die Sprint WM im Wildwasser statt. Ja, richtig gelesen, Bratislava hat neben einer Regattabahn auch eine Wildwasserstrecke. Nach dem zweiten Besuch in Bratislava beruhigt sich die ganze Situation dann aber und es stehen «nur» noch die üblichen Marathons statt.

Vollgepumpt

Wie dir vielleicht aufgefallen ist, sind das ziemlich viele Rennen für eine Saison. Ehrlichgesagt wahrscheinlich die meisten Rennen, die ich in einer Saison bis jetzt gefahren bin. Ich habe immerhin eine ganze Saison zu kompensieren 😉 Im Moment fühle ich mich gut und bereit diese Saison anzupacken. Lasset die Wettkämpfe beginnen!

Die Saison 2020 in Zahlen

Anzahl fieser Viren 20201
Freie Wochenenden 2020 aufgrund des fiesen Virus27
Freie Wochenenden 201911
  
Durchschnittliche Distanz pro Training 2020 in kmCa. 11
Grösste in einem Training gefahrene Distanz 2020, in km162
Durchschnittliche Dauer eines Trainings 2020, in Minuten75
Längstes Training 2020, in Minuten946
  
Anzahl Wochen in Florida im Trainingslager verbracht7
Gefühlte Zustimmung für Trump in Florida im Februar, in Prozent90
Stimmanteil für Trump in Florida, in Prozent  51.2
  
Schwierigster gefahrener Bach dieses Jahr auf einer Skala von 1-64
Höchster Wasserfall auf diesem Bach, in Meter3-4
Anzahl von mir gefahrener Wasserfälle bis dahin1
Schiss in der Hose bevor dem Befahren1
  
Reisedauer für ein Training im nationalen Leistungszentrum Rapperswil 2019, in Minuten120
Reisedauer für ein Training im nationalen Leistungszentrum Rapperswil 2020, in Minuten7
  
Internationale Rennen 20201
Nationale Rennen 20204
Anzahl Schweizermeistertitel 20204
Stolz auf den erstmals gewonnenen 5000m Schweizermeistertitel auf einer Skala von 1-1010
  
Zufriedenheit mit der Saison, in Prozent404 Error: Saison nicht gefunden!

Highlight der Saison: Das Wochenende der Extremen

Trotz aller Absagen, Verschiebungen und anderen Unannehmlichkeiten, akzeptierte ich die Dinge wie sie sind und genoss das Jahr. Auf Grund all der freien Wochenenden, die ich plötzlich hatte, kommt mein Jahreshighlight ausnahmsweise auch nicht aus meinen Hauptdisziplinen Regatta oder Abfahrt. Das Highlight meiner Saison war das Wochenende der Extremen. An diesem Wochenende herrschten spezielle Wetterbedingungen, die die optimale Grundlage für die Kanudisziplinen Surfski und Wildwasserkajak boten. Am Freitag bliess ein starker Fön und es bildeten sich dadurch grosse Wellenberge, die sich mit dem langen Surfskiboot perfekt surfen lassen. Auf dem Vierwaldstättermeer surften wir von Flüelen bis nach Beckenried. Ein riesen Spass! In der Nacht auf Samstag schlug das Wetter um und es regnete in Strömen. Die Pegel unserer Lieblingsbäche stiegen immer weiter und wir planten das Hochwasser am Samstagmorgen auszunützen und auf die Reuss zu gehen. Am nächsten Morgen mussten wir feststellen, dass die Pegel so stark gestiegen sind, dass die Reuss die Autobahn A2 überschwemmte und wir daher nur schon rein logistisch unseren Plan verwerfen mussten. Wir entschieden uns für die kleine Emme als Alternativbach. Auch die Emme hatte mächtig Wasser und das Paddeln machte richtig Spass. Plötzlich wählte ich jedoch die falsche Linie und steckte in einer riesigen Walze fest. Eine Walze kannst du dir wie eine gebrochene Welle im Meer vorstellen (weiss und ganz viel Gischt und so), nur dass sie mitten in einem Fluss steht und nicht kleiner wird, so wie die Welle im Meer, wenn sie auf den Strand zurollt. Aus dieser Walze jedenfalls gab es kein Entkommen und ich musste mich aus meinem Kajak befreien und im reissenden Wasser ans Ufer schwimmen. Obwohl das ganze sehr unangenehm und etwas beängstigend war, bekam ich an meinem eigenen Leib wieder einmal mit, mit welchen Kräften wir Kanuten uns anlegen. Die eindrucksvolle Stärke des Windes und des Wassers bilden dieses Jahr mein Highlight der Saison.

Weitere Highlights sind die tolle Zeit im Trainingslager in Florida und der Kanu-Ultramarathon von Buochs nach Basel.

Lowlight der Saison: Abgesagte U23 EM Solkan

Schuld an meinem Lowlight war wie bei vielen anderen Leuten wahrscheinlich auch, das grosse C. Nach dem bereits unser Amerikaabenteuer durch die Absage der Elite WM ein vorzeitiges Ende nahm, stand im Mai auch zur Diskussion, ob die U23 EM durchgeführt werden sollte. Der internationale Kanuverband beschloss schliesslich dass die EM vom August in den November verschoben werden sollte. Im Mai machte das völlig Sinn. Wir freuten uns, dass sie nicht ganz abgesagt wurde. Als im August die Fallzahlen so tief waren ärgerte ich mich dann, dass die EM nicht doch jetzt stattfand, sondern wir uns im November den ***** abfrieren müssen werden. Als dann die Fallzahlen im September wieder zu steigen begannen, wurde ich immer weniger zuversichtlich, dass die EM stattfinden würde. Ich hatte den Wettkampf schon abgeschrieben, doch nun im Oktober kam die EM immer näher und andere Sportevents fanden trotz der erhöhten Zahlen statt. Zwei Wochen vorher war ich dann wieder zuversichtlich und motiviert. Kurz nach unserem letzten Vorbereitungsevent im Nationalkader wenige Tage vor unserer Abreise kam dann die Hiobsbotschaft und der Wettkampf wurde endgültig abgesagt. Das Hin und Her zehrte an den Nerven und ermüdete mich dieses Jahr am meisten.

Lustigster Moment: Championski Svizarski Schanzski Spronzski

Der lustigste Moment dieses Jahres geschah in Tschechien an meinem einzigen internationalen Rennen. Das Abfahrtsrennen fand auf einem künstlichen Kanal statt. Dieser Kanal hat im Fluss und am Ufer Plastikelemente, die Wellen, Walzen, Strömungen und Kehrwasser erzeugen, wenn Wasser von ihnen abgelenkt wird. Ich schaffte es zwar mit meinen Sprintläufen ins Finale, konnte mich jedoch nicht wirklich mit dem künstlichen Fluss des Kanals anfreunden. Beinahe jede Fahrt kam ich mit einem solchen Plastikelement ins Gehege. Ob Touchieren, direkt reinfahren oder drüber springen, irgendwie zogen mich diese Elemente fast magisch an. Zwar gewann ich das Rennen nicht, mein Trainer verlieh mir aber den (mit tschechischem Akzent ausgesprochenen) Ehrentitel „Championski Svizarski Schanzski Spronzski“, was mich ausserordentlich ehrte.

Insgesamt blicke ich aber auf ein gutes und in einem gewissen Sinn sehr entspanntes Jahr zurück. Die grösste Änderung im 2020 ist für mich wohl, dass ich nun in Rapperswil wohne und so noch näher beim Nationalen Leistungszentrum bin. So habe ich die besten Voraussetzungen im neuen Jahr voll durchzustarten und mich nach dieser langen Trainingsphase wieder in Wettkämpfen zu beweisen. Ich freue mich drauf!

Die Saison 2019 in Zahlen

Paddelkilometer, ungefähr 3139
Trainingszeit insgesamt, in h (ca.) 637
Davon im Kraftraum, ca 156
Zeit zusammen mit Maurus Pfalzgraf verbracht, in Tagen (ziemlich genau) 158
Zeit mit meiner Freundin verbracht, in Tagen (ungefähr) 68
Anzahl Länder bepaddelt 8
Anzahl Länder die an der WM in Szeged gepaddelt sind 108
Anzahl Blogbeiträge auf der Website 2017 8
Anzahl Blogbeiträge auf der Website 2018 7
Anzahl Blogbeiträge auf der Website 2019 2
Zeit ins Kanufahren investiert 2017, in h 588
Zeit ins Kanufahren investiert 2018, in h 630
Zeit ins Kanufahren investiert 2019, in h 637
Korrelation dieser Daten negativ
Anzahl Blogbeiträge geplant für 2020 6
Anzahl teilgenommener WMs 2019 3
Mögliche WM Teilnahmen 2019 für mich 4
Zufriedenheit mit der Saison, in Prozent 65

Highlight der Saison:

Der Höhepunkt dieses Jahr war nicht einfach zu bestimmen. In Frage kamen zwei grossartige Events. Besser gesagt WMs. Das sind die Regatta WM in Szeged (HUN) und andererseits die Abfahrt WM in La Seu d’Urgell. Die Weltmeisterschaften in Ungarn bestritt ich zusammen mit Maurus Pfalzgraf im Zweier. Nach einer enttäuschenden U23 WM den Monat zuvor konnten wir uns enorm steigern und katapultierten uns in einem tollen Rennen über die nicht-olympischen 500m in die Top 15 und in den olympischen 1000m in den C-Final. Die Rennen machten extrem Spass und bildeten einen tollen Abschluss für die Kanukarriere meines Partners Maurus. Danke für die coole gemeinsame Zeit. Sie wird mir auf deine menschenfreundliche und chaotische Weise in Erinnerung bleiben. Die WM in Spanien auf dem Olympiakanal von Barcelona war das andere Highlight. Als nur Eines von drei Wildwasserrennen dieses Jahr war die WM eher ein End-of-season Goodie, anstelle von eines seriösen Höhepunkts. Aber vielleicht war es genau das, was die WM für mich so erfolgreich machte. Im ersten Lauf hatte ich etwas Mühe in Fahrt zu kommen. Beim Zweiten kam der Stein dann ins Rollen und ich schaffte mein Ziel, die Finalquali. Im Endlauf fühlte ich mich, als ob ich Hinkelsteine rumwerfen könnte und erreichte das bisher beste Schweizer Resultat an einer WW-Weltmeisterschaft bei den Herren, den siebten Rang. Welch tolles Gefühl!

Lowlight der Saison:

Das war eindeutig die Regatta U23 WM in Pitesti Anfangs August. Zu diesem Zeitpunkt konzentriere ich mich schon ein ganzes Jahr völlig auf den Sport und sollte ein gutes Resultat abliefern. An der WM starte ich zusammen mit Maurus Pfalzgraf im Zweier, sowie auch in Einer über 1000m. Vorfreudig starten wir in die WM und tanzen an der Eröffnungsfeier zusammen mit den anderen Athleten einen rumänischen Volkstanz. Doch die Rennen laufen beschissen schlecht. Der Zweier harmonisiert nicht und im Einer habe ich kein Power. Maurus und ich erreichen knapp den B-Final und können uns nicht behaupten. Im K1 ist im Halbfinal Endstation. Der Grund für dieses Desaster war wohl, dass ich mir zu viel Druck gemacht habe. Im Vorfeld trainierte ich wohl etwas zu viel, Maurus dafür etwas zu wenig. Doch hauptsächlich fehlte mir die nötige Lockerheit. Nach den Rennen wollte ich zuerst alles über den Haufen schmeissen und das geplante Trainingslager und den Start an der Elite WM abblasen. Glücklicherweise tat ich das dann nicht. Ich hätte es bereut.

Merkwürdigster Moment:

Es war ein sonnig heisser Junitag. Um mich auf die bevorstehenden Wettkämpfe vorzubereiten trainierte ich in Rapperswil. An diesem Tag stand 90 Minuten Rennradfahren auf dem Trainingsplan. Ich radle mit dem Velo Richtung Einsiedeln den Berg hoch und nach der Hälfte wieder zurück Richtung Rapperswil. Ich schiesse den Berg herunter. 40 km/h, 50km/h immer schneller. Das Pflaster ist gut. Der Weg gerade genug breit für ein Auto. Auf beiden Seiten hohes Gras. Plötzlich springt etwa zwei Meter vor mir ein Wiesel aus dem Gras und hechtet über die Strasse. Überrascht bremse ich sofort und versuche dem Wiesel auszuweichen. Das gelingt mir zum Glück. Weniger glücklich ist die Katze, die dem Wiesel hinterhergejagt ist. Sie springt direkt vor mir auf die Strasse und ich spüre nur noch wie mein Lenker etwas ruckelt. Meinem Hinterrad kann sie glücklicherweise ausweichen. Zu meiner Erleichterung sprintet die Katze in Deckung und hat keine weiteren Schäden erlitten, soweit ich das beurteilen kann. Dem Wiesel habe ich jedenfalls das Leben gerettet. Immerhin das.

Alles in allem war es ein lehrreiches Jahr mit tollen Momenten, die ich erleben durfte. Ich habe gelernt, dass mehr nicht immer mehr ist, wenn’s ums Training geht. Ich durfte grossartige neue Menschen kennenlernen. Musste mich aber auch von Rückschlägen erholen und in schwierigen Momenten die Motivation wiederfinden. Trotzdem habe ich das Jahr 2019 genossen und möchte es nicht missen. Vielen Dank allen, die mich auf meinem Weg unterstützen und mir diese aufregende Lebenszeit ermöglichen. Ginger out.

Lange Zeit im Kanu

Wir leben in turbulenten Zeiten. Doch wohin treibt es Linus im Moment und was hat er erlebt in den letzten Monaten? Eine Zeitreise.

 

29. Oktober 2018. Ein nebliger Tag. Um 10:00 trudeln mehr und mehr Gestalten auf einen Asphaltplatz in Wangen a.A. So beginnt ein neuer Lebensabschnitt unseres Kanuten. Rund 40 Sportler legen in den nächsten Stunden ihr ziviles Ich nieder und nehmen das grüne Wir auf. Es ist der Start der Spitzensport RS 2/2018. Ab jetzt heisst es Ruhn, Trainieren, zweimal Richtung rechts, Richtung Zwipf. Nach drei Wochen haben wir den militärischen Teil unseres Militärdienstes absolviert. Wir verschieben nach Magglingen, um unsere Sportlerfunktion wahrzunehmen. Das bisher längste Trainingslager in Linus Leben beginnt.

21. Dezember 2018. Die Sportrekruten dürfen nach Hause! Weihnachten steht vor der Tür und der militärische Drill aus Paddeln, Kraftraum, Laufen, Spinning und Regeneration wird für ein paar Tage unterbrochen. Zeit zuhause mit der Familie.

26. Dezember 2018. Welcome back. Auf geht’s nach Andermatt. In der Kaserne wohnen und auf der Loipe Langlaufen. Nach einer Woche Andermatt-Realp Retour kennt man jeden Baum. Trotzdem wars lustig.

5. Januar 2019. Ein neues Jahr, das meiste bleibt beim Alten. Zwei Wochen Langlaufen in St. Moritz. Doch Fortschritte machen sich bemerkbar. 2.5 Stunden Langlaufen am Stück wird normal. Und auch vier Stunden vergehen wie im Flug.

26. Januar 2019. Auf nach Tenero. Nach der Paddelpause das erste mal wieder auf dem Wasser. Tenero fühlt sich fast ein bisschen wie zuhause an. So oft waren wir schon hier. Paddelhandschuhe braucht’s trotz aller Heimeligkeit.

17. Februar 2019. Tetris. Wir spielen Tetris. Ewig spielen wir Tetris. Die meiste Zeit von unserem Flug nach Miami spielen wir Tetris. In Florida spielen wir die nächsten vier Wochen jedoch kein Tetris. Dafür Schiffeversenken. Zum Glück nicht. Wir fürchten uns etwas von den Alligatoren. Das Training läuft. Die RS immer noch in vollem Gange.

15. März 2019. Immer noch bei den Krokis. Doch nun sind wir ausgediente Soldaten. Die RS hat unser Kanute absolviert. Wieder ein neuer Lebensabschnitt.

6. April 2019. Viel geändert hat sich nicht. Wir fahren nach Caldonazzo ins Trainingslager. Eine schöne Gegend mit flachem See. Was will man mehr?

11. April 2019. Unser Held wird 20 Jahre alt. Zum Geburtstag fährt er das Rennen in Valstagna (ITA). Das Wildwasser tut ihm gut. Eine spannende Abwechslung. Etwas alt fühlt er sich schon.

26. April 2019. Mantova (ITA). Das erste Rennen der Saison. Wie viel besser bin ich? 3. Platz im K2 und ein gewonnenes B-Finale stimmen zuversichtlich.

2. Mai 2019. Kopenhagen. Die zweite Probe. Härtere Konkurrenz und kälteres Wetter, aber trotzdem nicht schlecht. Still work to do.

12. Mai 2019. Budapest. Die Europareise geht weiter. Als Teil eines Trainingslager des internationalen Kanuverbandes findet Linus Freunde aus Ländern, die er meistens zuerst Googeln muss, um zu wissen wo sie liegen. Das Ungarische Training nagt an den Reserven oder besser gesagt, es kitzelt den Rest aus Linus, der ihn schneller macht.

19. Mai 2019. Heute. Ruhetag. Zeit um Berichte zu schreiben. Das hat er nun erledigt. Zeit für etwas Sightseeing. Bis bald in der Zukunft.

Saison 2018 – What happened?

Das Jahr 2018 ist so gut wie vorbei. Das heisst aber glücklicherweise nicht, dass alles verloren ist, was im 2018 geschah. Sonst würde ich jetzt ohne Matura und mit Gedächtnisverlust dastehen. Es ist nicht einfach aus einem solch ereignisreichen Jahr die besten Momente herauszupicken, die man erlebt hat. Ich habe mich aber trotzdem an die Challenge herangewagt und herausgekommen sind Erlebnisse, die mir sicherlich nicht verloren gehen werden.

Die Saison 2018 in Zahlen:

Trainingsstunden 630
Kanukilometer 3139
Geschätzte Anzahl Paddelschläge (Ansatz 50S/min) 1’017’000
Anzahl Rechnungsfehler bei obiger Schätzung in „Die Saison 2017 in Zahlen“ 1
Wochenenden investiert in Wettkämpfe / Trainingslager 34
Wochenenden nicht investiert in Wettkämpfe / Trainingslager 18
Davon Trainingsfrei 5
Anzahl beim Sport verbrannter Kalorien, in Big Macs 640
Anzahl von mir gegessener Big Macs 0
Anzahl Athleten, die von einer Sporthilfe Patenschaft bei McDonalds profitieren 169
Anzahl Prüfungsfächer an der Matura 5
Davon bestandene Prüfungen, in Prozent 100
Notendurchschnitt in den Mathi-Prüfungen log 3 (729)
Anzahl Schlaglöcher auf Rumänischen Strassen (gefühlt) 100’000
Maximale Anzahl gefahrener Kilometer in 24 h 1668
Anzahl Ginger&Friends Unterstützer 21
Anzahl immer noch dankbarer Athleten die von Ginger&Friends profitieren 1
Anzahl Grossanlässe 2018 4
Zufriedenheit mit der Saison 2018, in Prozent 75

 

Highlight der Saison

Ganz klar die Heim WM auf der Muota. Zuhause vor Heimpublikum tolle Rennen zeigen zu können, war mein absolutes Highlight letztes Jahr. Die ganze Vorbereitung auf den Wettkampf mit etlichen Trainingsstunden auf der Muota und so viel Wildwassertraining wie noch nie zuvor, haben extrem Spass gemacht. Das Team war wie jedes Jahr erste Sahne und hat mich zu Höchstleistungen angetrieben. Aber vor allem das Klassik Rennen bleibt mir in Erinnerung. Ich kannte durch meine Vorbereitung fast jeden Stein und jede Welle der Muota und konnte nur noch meine Linie abrattern. Sogar bei der Schlüsselstelle rund um den Muotastein lief alles wie am Schnürchen. Am Ende schaute Platz 12 heraus. Dieser wäre aber nicht möglich gewesen ohne die grandiose Unterstützung aller Fans, die uns Athleten angefeuert haben. Hervorheben will ich noch eine kleine Fangeschichte, die mich besonders gefreut hat. Meinem ehemaligen Mathilehrer Stefan Müller habe ich von der Muota erzählt und er hat kurzerhand entschlossen mich mit seinem Velo die ganze Klassikstrecke lang anzufeuern. Vor lauter Anfeuern entwich ein Randstein seiner Aufmerksamkeit und er flog über den Lenker. Als er mich eine Woche später bei der Mathi-Matura mit der linken Hand begrüssen musste, weil seine Rechte vom Sturz verletzt war, hatte er trotzdem noch ein Lächeln im Gesicht. Vielen Dank dafür!

 

Lowlight der Saison

Die U23 WM in der Regatta fand dieses Jahr in Plovdiv (Bulgarien) statt. Schnelle Wasserbedingungen, pompöse Eröffnungsfeier und glorreiche Siege. Ein Rundgang in der Stadt an einem freien Nachmittag zeigten uns aber auch die arme Seite von Bulgarien. Etwas abgekommen von den üblichen Touristen Routen fanden wir uns in einem armen Unterschicht Quartier wieder. Besonders in Erinnerung geblieben, ist mir das Bild eines alten Mannes, der mitten auf der Strasse vor seinem Haus zwei Kuhköpfe zerlegte, um das Fleisch herauszuholen. Diese Szenerie stimmte mich nachdenklich und machte mir klar, wie viel Luxus ich in meinem Leben erleben darf. Dieser arme Mann war mein Lowlight der Saison.

 

Merkwürdigster Moment

Es war im Trainingslager in Florida. Wie gewohnt, klingelte um 6:50 der Wecker und danach ging es los mit dem Morgenessen. So weit, so gut. Eines Morgens klingelte der Wecker mitten in der Nacht und draussen war es noch stockdunkel. Einen Blick aufs Handy: 6:50. Die Zeit stimmte. Was war nur los. Also standen wir auf und bereiteten das Morgenessen vor. Als wir uns dann etwas über die merkwürdige Dunkelheit unterhielten ging uns plötzlich ein Licht auf. Es war der 11. März. Was wir bei eigenem Leibe erfahren hatten, war, dass in Amerika die Sommerzeit gut zwei Woche früher umgestellt wird als in Europa. Wir erlebten also ein Wechselbad der Zeiten. Vom Europa-Winter in den Amerika-Winter, von da an in den Amerika-Sommer, dann wieder zurück in den Europa-Winter und dann am 25. März definitiv in die Europa-Sommerzeit. Ziemlich verwirrend das Ganze, weshalb es auch mein merkwürdigster Moment der Saison ist.

 

Die Saison 2018 würde ich definitiv nicht vergessen wollen und ich danke allen, die mich auf meinem Weg unterstützt haben. Einen guten Rutsch und ein schönes neues Jahr wünsche ich. Ginger, out.