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Kanuwelt Buochs als neuer Ausrüstungspartner

«Wo hast du das Paddeln begonnen?», ist eine der häufigsten Fragen, die mir zu meiner Karriere gestellt werden. Meine Antwort ist dann jeweils eine lange unwegsame Geschichte von einer Sportwoche in Luzern bis hin zu meinem ersten Rennen. Umso mehr freut es mich, dass ich mit der Kanuwelt Buochs einen Sponsor gefunden habe, der den Einstieg ins Paddeln so einfach macht, wie es nur geht. Boot oder Kurs reservieren, Sonnencreme einschmieren und los geht’s.

Den guten Draht zur Kanuwelt habe ich schon lange. Eine meiner ersten Spritzdecken kaufte ich in diesem Kanushop in Buochs und sobald ich genügend alt war, finanzierte ich einen Teil meiner Saison als Guide und Kursleiter. Ich kenne die Kanuwelt also als Kunde, aber auch als Mitarbeiter und bin aus beiden Blickwinkeln ein grosser Fan. Nun bin ich stolz die Kanuwelt in der Kanuwelt zu repräsentieren und freue mich auf die Zusammenarbeit!

Wenn auch du die Kanuwelt kennenlernen willst, komm am 22.05 an die Kanuerlebnistage! Für die schon fortgeschritteneren Paddler unter euch, biete ich dort einen Paddeltechnikkurs direkt vom Europameister an und für alle anderen gibt es gratis Paddeln, Tipps und Autogramme. Ich freue mich auf dich!

Kein Training – Kein Saisonstart

Die Saison startet ohne mich. Coronainfektion im Januar. Kein Training im April. Wie im letzten Beitrag beschrieben fuhr ich nach meiner Infektion ins Trainingslager nach Sevilla. Doch richtig fit fühlte ich mich nicht. Nach und nach wurde ich zwar schneller und gesünder, so dass ich geglaubt hatte Corona überwunden zu haben. Dem war, wie hätte es anders sein können, nicht so.

Nach einer dreitägigen Pause nach dem Trainigslager, begann ich wieder zu trainieren. Blöderweise fühlte es sich jedoch wieder an, wie gerade nach der Infektion. Also habe ich mich Mitte März entschlossen, zwei Wochen Pause zu machen und nochmals ärztlich untersuchen zu lassen.

Dabei hat sich herausgestellt, dass sich durch Corona ein Problem mit meiner Schilddürse entwickelt hat. Um meine Schilddrüse zu besänftigen, mache ich jetzt einen Monat Pause und schlucke einige Medikamente. Dadurch sollte ich mich relativ schnell erholen und bald wieder voll trainieren können.

Die saison beginnt ohne mich

Im März war ich im Trainingslager ohne zu trainieren. Auch die Trainingslager in Frankreich und Italien werde ich verpassen. Ebenso der erste Weltcup in Racize und ein Rennen in Mailand. Nun ja, was soll ich dagegen tun? Nachdem ich mich wieder wohl fühle, werde ich langsam wieder mit dem Training beginnen. Meine Hoffnung ist, als Einstiegsrennen an den Abfahrt Schweizermeisterschaften starten zu können.

Auch wenn alles noch ein bisschen unklar ist, bin ich zuversichtlich bald wieder zurück zu sein. Bis dahin werde ich mich als Trainer engagieren und mein Studium vorwärts bringen. Vielen Dank für all den Support und hoffentlich bis bald!

Training in Sevilla

Schon ist es wieder so weit. Nach dem ich im November aus Israel zurückgekehrt bin und den ganzen Dezember und Januar in der Schweiz war, wurde es nun wieder höchste Zeit ins Trainingslager in die Wärme zu fahren. Doch das Trainingslager hat eine düstere Vorgeschichte…

Eisig kalt war es, als wir im Januar im Engadin am Langlaufen waren. Wie jedes Jahr machten wir Anfang Januar eine Paddelpause und stiegen in den Schnee. Dieses Jahr fühlte ich mich besonders fit und die Kilometer verstrichen ohne Mühe unter meinen Ski. Einmal skateten wir sogar 100km in einer Einheit. Das war cool! Am letzten Tag sollte sich das jedoch ändern. Schon am Morgen fühlte ich mich etwas schwach und als ich mich dann im Training den gefürchteten Anstieg im Stazer Wald hinaufquälen sollte, ging gar nichts mehr. So schwach hatte ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Wieder zuhause lag ich zuerst zwei Tage krank im Bett. Am nächsten Tag stellte sich dann der Grund für meine Schwäche heraus: Der Coronatest war positiv.

Von da an war klar, dass ich die nächsten zehn Tage in Isolation verbringen würde. Obwohl die Tage ziemlich langweilig waren, ging es mir gesundheitlich von Tag zu Tag besser und so profitierten wenigstens meine Semesterprüfungen der Fachhochschule von der Isolation. Trainingsmässig lief in dieser Zeit jedoch überhaupt nichts. Als ich dann endlich wieder frei war, begann ich mich mit zwei ganz lockeren Trainings wieder an den Sport heranzutasten. Doch schon das war zu viel und am nächsten Tag lag ich den ganzen Morgen wieder im Bett.

In den folgenden Tagen sollte sich dieses leidige Spiel trotz meiner Impfung fortsetzen. Im Alltag hatte ich keine Probleme, aber sobald ich mich bewegte, überfiel mich eine sonderbare Schlappheit. Es war frustrierend. Doch je länger dieses Hin und Her dauerte, desto näher rückte das geplante Trainingslager in Spanien. Würde es sich überhaupt lohnen nach Sevilla zu fahren? Oder sollte das meine Heilung sogar beschleunigen?

Let’s go to Sevilla

Letztendlich entschloss ich mich dazu am Trainingslager teilzunehmen. Gut, gezahlt hatte ich eh schon dafür, ein bisschen Gesellschaft würde mir auch guttun und gegen 22 Grad und Sonne ist schwer etwas einzuwenden. Ich durfte für dieses Trainingslager mit dem Österreichischen Kanuteam mitfahren, so dass ich mich mit dessen schnellsten Paddler Timon Maurer messen konnte. Zu sechst bezogen wir eine winzige Wohnung mit einer tollen Dachterrasse nahe der Altstadt von Sevilla. Nicht mal ein Esstisch hatte darin Platz. Doch das spielte uns keine Rolle. Wir kochten selbst und assen auf dem Sofa. Für vier Wochen würden wir das schon aushalten und hatten trotzdem unseren Spass.

Leider lief es im Training zu Beginn des Lagers noch nicht ganz so rund. Ganz gemächlich musste ich mich wieder ans Paddeln herantasten. Wenn ich zu viel wollte, rebellierte mein Körper sofort. Also pickte ich mir nur einzelne Trainings aus dem Trainingsprogramm heraus und schonte meinen Körper. Doch von Tag zu Tag und von Woche zu Woche konnte ich den Umfang steigern und auch die Intensität des Trainings herauffahren. Dabei spielte mir noch eine merkwürdige Tatsache in die Karte. Zum ersten Mal in meiner Kanukarriere habe ich mich bei der Planung des Trainingslagers getäuscht und eine ganze Woche übersehen. Das Trainingslager dauerte nicht wie angenommen vier Wochen, sondern fünf! Das ist mir bis jetzt noch nie passiert und ich frage mich, ob das ein Resultat einer gewachsenen Gleichgültigkeit gegenüber der Dauer von Trainingslagern ist oder eine (un)bedeutende Unachtsamkeit. 

Alles in allem profitiere ich nun von dieser extra Woche und darf jetzt, am Ende von Woche vier, von mir behaupten, dass ich Corona endlich besiegt habe! Ein gewisser Trainingsrückstand bleibt, aber keiner, der nicht aufzuholen wäre. Nun als wieder voll funktionsfähiger Sportler gebe ich mein bestes, ein erfolgreiches Abschlussjahr in der U23 Kategorie zu zeigen. Aus der ganzen Coronageschichte lerne ich, dass mein Körper keine Maschine ist, sondern viel Aufmerksamkeit braucht. Insgesamt bin ich zufrieden mit meinem Körper und dankbar, dass er mich wieder gesund gemacht hat 🙂 Als nächstes stehen nun die Schweizermeisterschaften über die Langdistanz an und danach weitere Trainingslager zur Saisonvorbereitung. Ich freue mich darauf!

PS: Von der IG Sport Luzern bin ich dieses Jahr einer von drei Nominierten für den Preis des «Nachwuchssportler des Jahres». Drücke mir die Daumen und lies Zeitung 🙂

Die Saison 2021 in zahlen

Anzahl bestrittener Wettkämpfe12
In der Abfahrt7
In der Regatta5
  
Durchschnittliche Zeit meiner an der Regatta U23 EM und WM gepaddelten 1000m Rennen 03:46
Schnellstes Rennen03:44
Langsamstes Rennen03:54
Gesamtdauer aller an der U23 EM und WM gepaddelten 1000m Rennen22:41
  
Durchschnittliche Anzahl Paddelschläge pro 1000m Wettkampf (geschätzt), in Doppelschlägen (Schlag rechts, Schlag links)292
Durchschnittlich zurückgelegte Strecke pro Doppelschlag, in Meter3.43
  
Anzahl Tage im Trainingslager93
Anzahl besuchter Länder14
Davon Reisen nach Italien3
Davon Reisen nach Frankreich3
Davon Reisen in die Slowakei2
Davon Reisen in den Balkan0
  
Mitglieder von Ginger & Friends28
Wie viel mir das wert ist, in Dank1000
  
Anzahl angekündigter Blogbeiträge für das Jahr 20216
Anzahl geschriebener Blogbeiträge3
Anzahl angekündigter Blogbeiträge für das Jahr 20226
Wahrscheinlichkeit, dass ich dieses Ziel erreiche50%
  
Verfügbare Podestplätze an der U23 EM Solkan3
Ergatterte Podestplätze an der U23 EM1
Nummer auf meinem Abteil des Podests1
Freude an diesem Tag, in Glückshormonen1000

Highlight der Saison: Europameistertag

Eins – Zwei – Drei – Vier – Eins – Zwei – Drei – Vier. Streng ist es sowieso, also gib nochmals alles! Eins – Zwei – und im Ziel. Bestzeit. Das war die Grundlage für einen super tollen Tag und ganz viel Freude. Die Rede ist vom Tag, als ich U23 Europameister wurde. Endlich stehe ich mal ganz oben auf dem Podest. Ich bin sehr stolz auf mich. Aber noch viel mehr freue ich mich darüber, wie andere sich wegen mir freuen. Da sind meine Teamkollegen, die nach dem Rennen zu mir ins Wasser springen und mich reinschmeissen. Oder Annalena und Marcel, meine Trainer, die beide bis zu den Ohren grinsen, als ich ihnen entgegenkommen. Für mich den emotionalsten Empfang bieten mir aber meine Teamkollegen, die bereits im Hotel zurück waren, als ich ins Ziel kam. Sie warten bereits vor dem Hotel und jubeln, als wir mit dem Bus angefahren kommen. So ein schöner Empfang. Aber auch die nächsten Tage und der Empfang zuhause sind wunderschön und machen den Europameistertag zu meinem absoluten Highlight dieses Jahr. Danke an alle, die mich auf diesem Weg unterstützt haben.

Merkwürdigster Moment der Saison: 10 Stunden Zeitverschiebung

Alles ist weiss. Ich bin ebenfalls weiss. Nur ab und zu taucht ein Boot auf und verschwindet sogleich wieder. Man sieht keine 50m weit. In 50 Minuten, um 9:00 sollte mein B-Final der U23 WM in Portugal starten. Wie am Tag zuvor hat es am Morgen stockdichten Nebel. Ich bin am Einpaddeln, jedoch nur etwas halbherzig. Eigentlich erwarte ich, dass mein Rennen etwas nach hinten geschoben wird bis der Nebel weg ist. In dieser Brühe ein Rennen durchzuführen, wäre schlicht nicht möglich, da man gar nicht sehen würde, wer gewonnen hat. Und so ist es denn auch. Als ich wieder ans Land komme, steht mein Trainer bereits da und teilt mir mit, dass mein Rennen um zehn Stunden verschoben wurde. «Wie um zehn Stunden?», frage ich. «Ja», sagt mein Trainer, «dein Rennen ist neu um 19:05». Klar, dass manchmal nicht alle Rennen nach Rennplan durchgeführt werden können und man etwas flexibel sein muss. Doch dass ich meine Höchstleistung gerade um zehn Stunden verschieben muss, ist mir so doch noch nie passiert und ist damit das merkwürdigste Rennerlebnis der letzten Saison.

Lowlight der Saison: Nun ja.

Ganz ehrlich, es war schwierig für mich, etwas wirklich Schlechtes an der letzten Saison zu finden. Es gab auf jeden Fall Momente, in denen es nicht so lief, wie ich gerne wollte. Da war zum Beispiel die Sprintstrecke an der Abfahrt EM in Spanien, die mir einfach nicht gelingen wollte. Oder die Enttäuschung, dass es an der U23 WM in Portugal keine Abschlussparty gab für mich. Doch zu vieles lief einfach richtig gut, als dass diese Vorfälle meine Erinnerungen an diese Saison trüben könnten. Das Einzige, worüber ich mir wirklich Gedanken machen muss, ist, dass ich meinem Körper trotz all dem Training auch genug Sorge trage. Zum ersten Mal in meiner Karriere hatte ich über längere Zeit Beschwerden mit meinen Schultern, aber auch mit meinem Handgelenk. Nichts Schlimmes zwar, aber trotzdem hat es mir gezeigt, dass mein Körper auch Erholung braucht und ich ihm Zeit geben muss für Regeneration. Das Gute an diesem Lowlight, ist, dass es in meinen Händen liegt, ob mein Körper auch in Zukunft Probleme machen wird. Ich kann also daraus lernen und mich verbessern. 

Insgesamt blicke ich auf die tollste Saison meiner Karriere zurück und freue mich über all die großartigen Erlebnisse. In der nächsten Saison steht mein letztes Jahr in der U23 Kategorie an und da will ich nochmals allen zeigen, was ich kann! Let’s go!

U23 Europameister

Ein leichter Wind weht und die Sonne verschwindet langsam hinter dem Horizont. Ich hätte nie gedacht, dass die Aussicht so schön ist. Doch nun stehe ich ganz oben und kann es einfach nur geniessen. Ich sehe meine Freunde jubeln und sie feiern mit mir. Auf dem obersten Treppchen steh nun ich, der Europameister.

Genug der Poesie. Los ging das Ganze mit einer leichten Enttäuschung. Als wir am Sonntag das erste Mal in Solkan (SLO) auf den Fluss gehen, werden wir überrascht. Wir hatten ja im vornhinein gehört, dass die Soca in diesem Teil sehr flach sei, aber dass sie gerade so flach ist, hätten wir nicht gedacht. Nun ja, dann ist es halt so und wir machen das beste draus. Wenigstens haben wir es nicht schwer die schnellste Linie zu finden. Nach einigen Trainingsfahrten geht es am Mittwoch endlich los mit dem Klassik Rennen.

Vor dem Start weiss ich, dass ich vorne mitmischen kann. Insgeheim träume ich von einer Medaille. Doch es gibt noch ein paar Stolpersteine. Bald zwei Jahre bin kein Klassikrennen mehr gegen meine Konkurrenten gefahren und ich kann ihre Fortschritte nur schwer einschätzen. Dann gibt es da diesen Franzosen, der aus dem Nichts kommt, an den Grossanlässen abräumt und danach wieder untertaucht. Oder den Belgier, der wegen seinen Flachwasserfähigkeiten gefürchtet wird. Ich kann schlicht nicht sagen, wo ich landen werde.

Doch das spielt eigentlich auch keine Rolle. Am Schluss kann ich eh nicht beeinflussen, wie die anderen paddeln, sondern nur, wie ich mich mache. Also konzentriere ich mich auf mein Rennen. Ich weiss, dass ich mich in der ersten Phase des Rennens ziemlich zurückhalten muss. Auf dem flachen Teil am Ende des Rennens muss man nochmals alle Kräfte mobilisieren können. Lieber auf dem schnell fliessenden Wasser langsamer paddeln, als auf dem stehenden Wasser keine Kraft mehr zu haben. So die Taktik, also los.

Jetzt gehts los

Nach dem Start finde ich schnell in einen effizienten und relativ kraftsparenden Paddelschlag. Ich kann genau so paddeln, wie ich mir das erhofft habe. Die Wellenstücke im ersten Teil des Rennens bringe ich ohne Fehler und mit einem guten Gefühl hinter mich. Doch dann kommen die letzten zwei «Todeskilometer». Auf diesen zwei Kilometern gilt es durchzubeissen und nicht zu viel Mitleid mit sich selbst zu haben. Streng ist es sowieso, egal ob man nun 95% oder 100% gibt. Wenn man aber trotz aller Unannehmlichkeiten Vollgas gibt, wird man im Ziel dafür mit einem besseren Resultat belohnt. Und so war’s auch. 

Die letzte Kurve und endlich sehe ich die Ziellinie. Noch 200m. Ich gebe alles was noch in mir steckt. Meine Sicht beginnt sich einzuschränken. Seitlich sehe ich nur noch schwarz. Alles was ich noch im Auge habe ist die Ziellinie. Innerlich zähle ich die Paddelschläge mit. Immer wieder von Eins bis Vier. 1 2 3 4. 1 2 3 4. 1 2 und endlich im Ziel. Ich brauche eine Minute um mich zu erholen. Meine Teamkollegen am Rand jubeln. Ich habe bis jetzt die schnellste Zeit im Ziel. Doch hinter mir kommen noch sieben andere Athleten. Ich bange bei jeder Zieleinfahrt um meine Zeit. Doch wie sich herausstellt kommt keiner meiner Konkurrenten nur annähernd an meine Zeit von 14:40 Minuten heran. Ich gewinne mit 16 Sekunden Vorsprung auf den Belgier Kilian Meersmans und den Franzosen Augustin Reboule. Ich bin überglücklich.

An Land begrüssen mich meine Teamkollegen und freuen sich mit mir. Gefühlt alle Paddler und Trainer, die ich auch nur am Rande ein bisschen kenne, gratulieren mir und ich fühle mich fast ein bisschen wie ein Star. Zurück im Hotel wartet der Rest des Teams, der nicht an der Strecke sein konnte am Eingang auf mich und empfangen mich. All das hat mich wahnsinnig gefreut. 

Bei der Rangverkündigung am nächsten Tag darf ich dann meine Medaille in Empfang nehmen und zum ersten Mal überhaupt erklingt bei einer U23 Europameisterschaft bei den Herren die Schweizer Nationalhymne. Ein bisschen stolz bin ich schon. 

Die weiteren Wettkämpfe bestreite ich alle gut, für einen weiteren Exploit reicht es für mich mit Platz 9 im Sprint aber nicht. Nicht so den Schweizer Junioren Luis Clavadetscher, Aaron Schmitter und Patrick Gutknecht. Sie gewinnen im Team Sprint mit einem sensationellen Lauf die Silbermedaille und machen das Solkan Märchen perfekt. Gratuliere!

Zurück zur Normalität

Auf der Heimfahrt komme ich langsam wieder runter von meinem Hoch der letzten Tage. Ich bin schon fast froh, dass es wieder normaler zu und her geht. Doch dieser Zustand währt nicht lange. Als wir im Wassersportzentrum Buochs vorfahren, erwartet uns ein Empfangskommitee aus Trichlern, Freunden und Verwandten. Wir sind überwältigt vom Emfang. Vielen Dank für alle die da waren. Doch auch jetzt geht es nicht einfach zurück zur Normalität. Als ich am Montag bei meiner Wohnung ankomme, ist die Eingangstür und das ganze Treppenhaus geschmückt und ich bin gleich wieder in meinem Hoch. Danke Mama! Und auch jetzt geht es noch weiter, als ich am Dienstag das erste Mal wieder paddeln gehe, hängt an der Hauswand des Kanuclubs ein grosses Plakat von mir mit Glückwünschen. Also wieder ein weiterer Tag mit einem tollen Highlight. Danke Donat!

Insgesamt kann ich auf eine wahnsinnige Woche zurückblicken gespickt mit Freude und Highlights. Vielen Dank an alle, die mich unterstützt, mir geschrieben oder mich sonst irgendwie auf meinem Weg begleitet haben! Europameister zu werden, hat mir wahnsinnig Spass gemacht mit euch! Ich glaube ich sollte das öfters tun!

Saisonausblick: Was läuft?

Weltmeister? Bester Schweizer? Oder totaler Versager? Was ist diese Saison möglich? Und wohin zieht’s mich dieses Jahr?

Gut, ich gebe zu, ich bin etwas spät dran. Das erste Rennen ist schon vorbei und erst jetzt kommt der Saisonausblick? Nun, besser spät als nie. Also los. Der Saisonauftakt in Mailand ist, wie du vielleicht schon weisst geglückt. Als Schweizer Team durften wir an den italienischen Selektionen mitpaddeln und uns mit unseren südlichen Kollegen messen. Mit einer neuen persönlichen Bestzeit und einem zweiten Rang im B-Final bin ich sehr zufrieden. Das ich meine Zielzeit, die ich diese Saison über 1000m fahren wollte, gleich im ersten Rennen erreiche, hätte ich nicht gedacht. Ausserdem gewann ich im K2 mit Donat Donhauser die Silbermedaille über 500m und das in unserem ersten gemeinsamen Rennen.

Nun gut, das ist jetzt auch schon wieder drei Wochen her. Was kommt als nächstes?

Schweizermeister im Tessin und dann nach Osten

Bereits nächste Woche gilt es dann richtig ernst. Auf der Moesa im Tessin finden die Wildwasser Schweizermeisterschaften statt. Das Ziel ist klar: gewinnen. Doch hier gibt es nicht nur Schweizer zu schlagen, auch Athleten aus Deutschland, Italien und Frankreich sind am Start. Hier sehe ich seit langem wieder mal, wo ich im internationalen Vergleich stehe. Gleich das Wochenende danach geht es dann im Regattaboot in Richtung Osten.

In Bratislava messe ich mich dann im K1 und K2 gegen die Konkurrenz aus dem Ostblock. Nach dieser Regatta sollte ich ein gutes Bild davon haben, was dieses Jahr möglich ist. Denn das ist auch wichtig, denn nur einen Monat später findet die Regatta U23 EM statt. Einer meiner Höhepunkte dieses Jahr. Mein Ziel: 1000m unter 3:45 fahren und das B-Final mit meiner Anwesenheit bereichern. Ich freue mich schon jetzt auf die Wettkämpfe in Polen.

Ab aufs Wildwasser

Direkt von Polen aus reise ich weiter nach Bosnien. In Banja Luka nehme ich an meinem zweiten Wildwasser-Weltcup meiner Karriere teil. Die Strecke kenne ich bereits von meiner ersten Junioren EM, was die Konkurrenz angeht, kann ich im Moment nicht beurteilen, wo ich stehe. Ich liebäugle mit einem Platz im Sprintfinal und einer Top 10 Platzierung im Klassik. Eine zusätzliche Herausforderung wird noch sein, dass prompt während des Weltcups die ersten Prüfungen des Semesters meines Wirtschaftsstudiums anstehen. Wie und ob ich das unter einen Hut bringe, weiss ich heute noch nicht 😉

Nach dem Weltcup wird es kurzzeitig etwas ruhiger, bevor es dann im August weitergeht mit der WW-Europameisterschaft in Spanien. Doch diese EM ist für mich persönlich nur ein Vorbereitungswettkampf für was danach kommt: die U23 Weltmeisterschaften im Sprint. Diese WM wird mein absoluter Saisonhöhepunkt und ich werde mich nicht mit weniger zufrieden geben als einer Medaille. Dazu gibt es nicht mehr zu sagen.

 Komm wir verschieben alles auf dem Herbst

Doch obwohl der Höhepunkt durch ist, fertig bin ich noch nicht. Ganz und gar nicht. Die U23 WM in der Regatta wurde in den Herbst verschoben, weshalb ich auch im September noch in Form sein werde. Doch sie ist nicht das Einzige, was gross C zum Opfer viel. Auch der Abfahrt Weltcup in Frankreich auf dem äusserst anspruchsvollen Fluss Treignac wurde in den September verlegt. Ausserdem findet in Bratislava im September noch die Sprint WM im Wildwasser statt. Ja, richtig gelesen, Bratislava hat neben einer Regattabahn auch eine Wildwasserstrecke. Nach dem zweiten Besuch in Bratislava beruhigt sich die ganze Situation dann aber und es stehen «nur» noch die üblichen Marathons statt.

Vollgepumpt

Wie dir vielleicht aufgefallen ist, sind das ziemlich viele Rennen für eine Saison. Ehrlichgesagt wahrscheinlich die meisten Rennen, die ich in einer Saison bis jetzt gefahren bin. Ich habe immerhin eine ganze Saison zu kompensieren 😉 Im Moment fühle ich mich gut und bereit diese Saison anzupacken. Lasset die Wettkämpfe beginnen!

Die Saison 2020 in Zahlen

Anzahl fieser Viren 20201
Freie Wochenenden 2020 aufgrund des fiesen Virus27
Freie Wochenenden 201911
  
Durchschnittliche Distanz pro Training 2020 in kmCa. 11
Grösste in einem Training gefahrene Distanz 2020, in km162
Durchschnittliche Dauer eines Trainings 2020, in Minuten75
Längstes Training 2020, in Minuten946
  
Anzahl Wochen in Florida im Trainingslager verbracht7
Gefühlte Zustimmung für Trump in Florida im Februar, in Prozent90
Stimmanteil für Trump in Florida, in Prozent  51.2
  
Schwierigster gefahrener Bach dieses Jahr auf einer Skala von 1-64
Höchster Wasserfall auf diesem Bach, in Meter3-4
Anzahl von mir gefahrener Wasserfälle bis dahin1
Schiss in der Hose bevor dem Befahren1
  
Reisedauer für ein Training im nationalen Leistungszentrum Rapperswil 2019, in Minuten120
Reisedauer für ein Training im nationalen Leistungszentrum Rapperswil 2020, in Minuten7
  
Internationale Rennen 20201
Nationale Rennen 20204
Anzahl Schweizermeistertitel 20204
Stolz auf den erstmals gewonnenen 5000m Schweizermeistertitel auf einer Skala von 1-1010
  
Zufriedenheit mit der Saison, in Prozent404 Error: Saison nicht gefunden!

Highlight der Saison: Das Wochenende der Extremen

Trotz aller Absagen, Verschiebungen und anderen Unannehmlichkeiten, akzeptierte ich die Dinge wie sie sind und genoss das Jahr. Auf Grund all der freien Wochenenden, die ich plötzlich hatte, kommt mein Jahreshighlight ausnahmsweise auch nicht aus meinen Hauptdisziplinen Regatta oder Abfahrt. Das Highlight meiner Saison war das Wochenende der Extremen. An diesem Wochenende herrschten spezielle Wetterbedingungen, die die optimale Grundlage für die Kanudisziplinen Surfski und Wildwasserkajak boten. Am Freitag bliess ein starker Fön und es bildeten sich dadurch grosse Wellenberge, die sich mit dem langen Surfskiboot perfekt surfen lassen. Auf dem Vierwaldstättermeer surften wir von Flüelen bis nach Beckenried. Ein riesen Spass! In der Nacht auf Samstag schlug das Wetter um und es regnete in Strömen. Die Pegel unserer Lieblingsbäche stiegen immer weiter und wir planten das Hochwasser am Samstagmorgen auszunützen und auf die Reuss zu gehen. Am nächsten Morgen mussten wir feststellen, dass die Pegel so stark gestiegen sind, dass die Reuss die Autobahn A2 überschwemmte und wir daher nur schon rein logistisch unseren Plan verwerfen mussten. Wir entschieden uns für die kleine Emme als Alternativbach. Auch die Emme hatte mächtig Wasser und das Paddeln machte richtig Spass. Plötzlich wählte ich jedoch die falsche Linie und steckte in einer riesigen Walze fest. Eine Walze kannst du dir wie eine gebrochene Welle im Meer vorstellen (weiss und ganz viel Gischt und so), nur dass sie mitten in einem Fluss steht und nicht kleiner wird, so wie die Welle im Meer, wenn sie auf den Strand zurollt. Aus dieser Walze jedenfalls gab es kein Entkommen und ich musste mich aus meinem Kajak befreien und im reissenden Wasser ans Ufer schwimmen. Obwohl das ganze sehr unangenehm und etwas beängstigend war, bekam ich an meinem eigenen Leib wieder einmal mit, mit welchen Kräften wir Kanuten uns anlegen. Die eindrucksvolle Stärke des Windes und des Wassers bilden dieses Jahr mein Highlight der Saison.

Weitere Highlights sind die tolle Zeit im Trainingslager in Florida und der Kanu-Ultramarathon von Buochs nach Basel.

Lowlight der Saison: Abgesagte U23 EM Solkan

Schuld an meinem Lowlight war wie bei vielen anderen Leuten wahrscheinlich auch, das grosse C. Nach dem bereits unser Amerikaabenteuer durch die Absage der Elite WM ein vorzeitiges Ende nahm, stand im Mai auch zur Diskussion, ob die U23 EM durchgeführt werden sollte. Der internationale Kanuverband beschloss schliesslich dass die EM vom August in den November verschoben werden sollte. Im Mai machte das völlig Sinn. Wir freuten uns, dass sie nicht ganz abgesagt wurde. Als im August die Fallzahlen so tief waren ärgerte ich mich dann, dass die EM nicht doch jetzt stattfand, sondern wir uns im November den ***** abfrieren müssen werden. Als dann die Fallzahlen im September wieder zu steigen begannen, wurde ich immer weniger zuversichtlich, dass die EM stattfinden würde. Ich hatte den Wettkampf schon abgeschrieben, doch nun im Oktober kam die EM immer näher und andere Sportevents fanden trotz der erhöhten Zahlen statt. Zwei Wochen vorher war ich dann wieder zuversichtlich und motiviert. Kurz nach unserem letzten Vorbereitungsevent im Nationalkader wenige Tage vor unserer Abreise kam dann die Hiobsbotschaft und der Wettkampf wurde endgültig abgesagt. Das Hin und Her zehrte an den Nerven und ermüdete mich dieses Jahr am meisten.

Lustigster Moment: Championski Svizarski Schanzski Spronzski

Der lustigste Moment dieses Jahres geschah in Tschechien an meinem einzigen internationalen Rennen. Das Abfahrtsrennen fand auf einem künstlichen Kanal statt. Dieser Kanal hat im Fluss und am Ufer Plastikelemente, die Wellen, Walzen, Strömungen und Kehrwasser erzeugen, wenn Wasser von ihnen abgelenkt wird. Ich schaffte es zwar mit meinen Sprintläufen ins Finale, konnte mich jedoch nicht wirklich mit dem künstlichen Fluss des Kanals anfreunden. Beinahe jede Fahrt kam ich mit einem solchen Plastikelement ins Gehege. Ob Touchieren, direkt reinfahren oder drüber springen, irgendwie zogen mich diese Elemente fast magisch an. Zwar gewann ich das Rennen nicht, mein Trainer verlieh mir aber den (mit tschechischem Akzent ausgesprochenen) Ehrentitel „Championski Svizarski Schanzski Spronzski“, was mich ausserordentlich ehrte.

Insgesamt blicke ich aber auf ein gutes und in einem gewissen Sinn sehr entspanntes Jahr zurück. Die grösste Änderung im 2020 ist für mich wohl, dass ich nun in Rapperswil wohne und so noch näher beim Nationalen Leistungszentrum bin. So habe ich die besten Voraussetzungen im neuen Jahr voll durchzustarten und mich nach dieser langen Trainingsphase wieder in Wettkämpfen zu beweisen. Ich freue mich drauf!

Olympia. Die Spiele der wenigen.

Die grösste Sportveranstaltung der Welt: Die olympischen Sommerspiele. Olympia lässt Millionen von Menschen jubeln, schafft Vorbilder für Kinder und Jugendliche und trägt die olympischen Werte in die Welt hinaus. Doch die Spiele ändern sich. Und das nicht immer zum Guten.

2024 finden die Olympischen Spiele in Paris statt. Bis dahin soll sich einiges ändern. So will es das Olympische Komitee. Zu gross sind die Spiele. Sie kosten zu viel und sind erst noch schlecht für die Umwelt. Ausserdem sollen die Spiele peppiger werden. Ziel ist es, die jugendlichen Zuschauer anzusprechen. Um das zu erreichen, hat das IOC (Internationale Olympische Komitee) sich einige Ideen einfallen lassen. Die Anzahl Athleten und Betreuer soll gesenkt werden und einige Sportarten oder Disziplinen werden aus dem Programm gestrichen. Damit die Spiele für die Millennials nicht zu langweilig sind, sollen actionreichere Disziplinen ins Programm. Klingt bis jetzt ziemlich vernünftig. Was dabei nicht verloren gehen soll, sind die olympischen Werte, wie Freundschaft, Respekt, Exzellenz der sportlichen Leistung und Chancengleichheit.

Doch zwischen diesen Zielen gibt es eine Diskrepanz. Auf der einen Seite sollen möglichst viele Menschen motiviert werden Sport zu treiben und ihr Leben nach den olympischen Werten leben. Dazu brauchen diese Menschen die Möglichkeit dort wo sie wohnen den Olympiastars nachzueifern und in Sportvereinen den Spirit of Sport zu leben. Auf der anderen Seite sollen Jugendliche mit Nervenkitzel und adrenalingeladenen Sportarten an die Fernseher gelockt werden, ganz im Motto der olympischen Spiele: «Citius, Altius, fernsehtauglicherus». Diese neuen cooleren Sportarten erfordern aber oft eine grössere und exklusivere Infrastruktur, als dass das die meisten Jugendlichen in ihrer Stadt oder in ihrem Land zur Verfügung haben. Sie haben also gerade eben nicht die Möglichkeit den Olympiasiegern nachzueifern und die olympischen Werte zu leben.

Extreme Slalom als neue Disziplin

Anschaulich wird das Problem in meiner Sportart dem Kanufahren. Letzte Woche wurde beschlossen, dass anstelle der 200m Wettkämpfe der Kanuten auf dem Flachwasser nun der sogenannte «Extreme Slalom» eingeführt wird. Beim Extreme Slalom stürzen sich vier Kanuten gleichzeitig eine Rampe in den Fluss hinunter und müssen dann auf dem künstlichen Bach, ähnlich wie beim Ski-Cross, einen Parcours absolvieren. Klingt spektakulär, ist es ehrlichgesagt auch. Beim 200m Flachwasser Rennen geht es «nur» darum, wer am schnellsten im Ziel ist. Obwohl ich aus dem Flachwassersport komme, muss ich zugeben, dass der Extreme Slalom für Zuschauer, die vorher noch nie einen Kanuwettkampf gesehen haben, wohl spannender ist.

Was ist also das Problem? Nun, für eine Jugendliche, die nach Paris 2024 begeistert vom Extreme Slalom ist, ist es sehr schwer in den Sport einzusteigen. Neben dem ganzen Material das man braucht (Boot, Paddel, Schwimmweste, Helm, …) gibt es schlicht und einfach nicht viele Orte auf der Welt wo man Extreme Slalom trainieren kann. Nicht mal die Schweiz als reiches Land hat einen künstlichen Wildwasserkanal (die Dinger sind richtig teuer).

Anders sieht es aus bei Disziplinen wie dem 200m Rennen. Praktisch jede Stadt der Welt ist an einem (mehr oder weniger zahmen) Gewässer gebaut. Was man nun noch braucht, ist ein Boot und ein Paddel und das Training kann losgehen. Diese Disziplin steht also viel mehr Jugendlichen offen, als der Extreme Slalom.

Der Extreme Slalom ist aber nur ein Beispiel von vielen.

Was soll man also tun? Die Lean-Olympics

Das erklärte Ziel des IOC Präsidenten Thomas Bachs ist es, «to get the couch potatoes off the couch». Die Jugendlichen sollen die Spiele nicht nur schauen, sondern auch Sport treiben. Ich schlage daher vor, dass der IOC genau das ermöglichen soll. Anstatt den Jugendlichen Action bieten zu wollen, die sie einfacher und jederzeit auf TikTok und co. bekommen, soll bei den Olympischen Spielen der Sport im Zentrum stehen. Doch genau das sieht das Olympische Komitee anders. Ein Punkt der olympischen Agenda 2020 ist: «Move from a sport-based to an event-based programme». Die Spiele werden also den Interessen der Zuschauer untergeordnet und der Sport an sich ist zweitrangig.

Genau wie das IOC finde aber auch ich, dass es wichtig ist, dass die olympischen Werte gelebt werden. Doch anstelle der Interessen der Zuschauer soll der Sport im Zentrum stehen. Damit die olympischen Werte auch möglichst weit gestreut werden, gehören meiner Meinung nach vor allem Sportarten ins olympische Programm, die möglichst viele Jugendliche betreiben können. Anstelle von infrastrukturintensiven Sportarten propagiere ich die Lean-Olympics, einem Weg, die olympischen Werte möglichst effizient auf der Welt zu verteilen. Dazu zählen möglichst wenig Infrastruktur, möglichst tiefe Einstiegshürden für Anfänger von olympischen Sportarten und dadurch möglichst grosse Chancengleichheit für alle Jugendlichen rund um den Globus. Es ist mehr wert, wenn ein Jugendlicher in einem 3. Welt Land die Möglichkeit hat, eine olympische Sportart zu betreiben, als dass ein (westlicher) Zuschauer alle vier Jahre eine höhere Endorphin Ausschüttung vor dem Fernseher hat.

Was bringts?

Schmalere Olympische Spiele sind unbestritten besser für die Umwelt. Weniger Sportarten mit einer grossen Infrastruktur kosten weniger und stellen für die Steuerzahler des jeweiligen Austragungsland eine kleinere Belastung dar. Dadurch, dass «simple» Sportarten die olympischen Spiele dominieren, werden mehr Menschen zum Sport motiviert. Die Menschen sind gesünder, die Lebensqualität steigt, die Gesundheitskosten sinken und hoffentlich gehen die Menschen durch den neuen Spirit of Sport freundlicher miteinander um. Ausserdem haben ärmere Länder auch die Möglichkeit olympische Sportarten zu fördern und sind nicht schon rein von der Infrastruktur her (wie beim Extreme Slalom) per se von einer Sportart ausgeschlossen. Extremer ist also nicht immer besser. Auf eine Welt mit mehr Sport!

Wilde Wasser wiederentdecken

Einer schlagartigen Rückkehr aus dem Trainingslager in Florida folgt der Stillstand. Zuhause trainiere ich alleine und sonst läuft auch nicht viel. Die 5er Corona Regel lässt Anlässe in den normalen Trainingsgruppen nicht zu. Wettkämpfe sind gar nicht der Rede wert. Doch schlimm ist’s nicht. Dann gibt’s halt ein gemütlicheres Jahr, denke ich mir. Doch ist das wirklich so und was läuft anders in Coronazeiten beim Ginger deines Vertrauens?

So schön flach war der Vierwaldstättersee schon lange nicht mehr. Und nicht nur am Morgen, nein, den ganzen Tag hindurch. Ich gehörte wahrscheinlich zur Minderheit, als ich mich darüber freute, dass die Kursschiffe nicht mehr in See stechen. Optimale Trainingsbedingungen also. Wobei perfekt ist’s trotzdem nicht. Obwohl die Wasserbedingungen perfekt sind komme ich nicht richtig in den Fluss im Training. Nach dem eher «langweiligen» Wintertraining fehlen mir die Wettkämpfe und ich bin etwas ziellos. Ich trainiere weiter, weiss jedoch nicht so richtig wofür. Ohne Rennen macht paddeln eben schon weniger Spass.

Etwas besser wird’s, als ich wieder ab und zu mit der Trainingsgruppe in Buochs trainieren kann. Das Krafttraining findet immer noch zuhause in der Wäscheküche statt, doch auf dem See bin ich nicht mehr alleine. Das motiviert. Trotzdem trainiere ich etwas weniger als in anderen Jahren. Da bleibt mehr Zeit für anderes. Ausnahmsweise schwinge ich mich schon im Frühling aufs Bike und holpere ab und zu den Pilatus, die Rigi oder sonst einen Berg hinunter. Doch auch im Kanu wage ich Neues.

Wegen Corona drängt der Trainingsplan etwas weniger und es ist auch nicht so schlimm, mal einen Tag nicht zu «trainieren». Ich sattle hie und da um ins Tourenboot und wage mich auf Flüsse, die nicht Rennboottauglich sind. So treibe ich bei Hochwasser die kleine Emme hinunter oder lasse mich meinen ersten richtigen Wasserfall hinunterfallen auf der Lütschinen. Das ist gfürchig macht aber richtig Spass.

Auf der Simme geht es dann los mit dem ersten Post-Corona-Trainingslager. Ich freue mich extrem wieder auf dem Wildwasser zu sein und ich komme gut voran. Die Schweizermeisterschaften, die gerade nach dem Trainingslager stattfinden, bestätigen dies. Mit zwei Siegen über die klassische Distanz und den Sprint bin ich zufrieden und beweise, dass ich einigermassen in Form bin. Ob sich diese gute Form auch international bestätigen kann, wird sich zeigen.

Zuerst passiert jedoch was anderes. Um mich noch besser auf das Training fokussieren zu können und näher bei meinen Teamkollegen und den Trainern zu sein, ziehe ich nach Rapperswil. In Rapperswil befindet sich das Leistungszentrum der Flachwasserkanuten und damit mein «place to be». Ich trainiere gut und kann Fortschritte erzielen, wobei ich sagen muss, dass ich leistungsmässig noch nicht dort angelangt bin im Regattaboot, wo ich sein will. Da ich aber an Wettkämpfen meistens noch etwas über mich hinauswachsen kann, ist hier ein abschliessender Vergleich schwierig, da schlicht noch keine Wettkämpfe stattfanden.

Aber zurück zum Wildwasser. Gerade sitze ich im Bus auf der Rückreise von Tschechien und dem ersten (und womöglich einzigen) internationalen Wettkampf dieses Jahr. Es war eine Freude wieder mal auf einem anspruchsvollen Kanal zu paddeln und sich gegen die ausländische Konkurrenz zu messen. Endlich ist das Wettkampffeeling wieder da! Meine Läufe sind zwar noch nicht wirklich sauber und es gibt noch einiges an Verbesserungspotential, aber ich bin zufrieden mit zwei Finalqualifikationen und einem 12. und einem 17. Platz im Sprint. Und das obwohl ich mich nicht als Sprinter sehe, sondern eher der Ausdauertyp bin. Vor allem aber hatte ich viel Freude am Paddeln und es war toll wieder Rennen zu fahren und das ist aus meiner Sicht das Wichtigste überhaupt. Ohne Spass machts keinen Sinn.

Und wie geht’s weiter? Das weiss keiner so genau. Auf dem Plan stehen noch eine Regatta in Bratislava, einige Rennen in der Schweiz selbst und ein Weltcup in Spanien. Doch zu viele Hoffnungen mache ich mir mal noch nicht. Bis jetzt hat es sich im Wunderjahr 2020 noch nicht gelohnt, zu weit über den Tellerrand hinaus zu planen. Daher stehe ich auch der U23 WM, die in den November verschoben wurde eher kritisch gegenüber. Das heisst aber auf keinen Fall, dass ich mich auf die faule Haut lege und rumhänge. Rennen fahren macht Spass und am Coolsten sind die Wettkämpfe, wenn man sie gewinnt. Das geht nun mal nicht ohne trainieren und das ist auch gut so. Also los!

Liam in Amerika

Kalte Finger und gefrorene Zehen,
doch das Langlaufen lässt sich Liam nicht entgehen.
Eis und Schnee das liegt ihm sehr,
doch der warme Sommer fast noch mehr.
Ganz versunken in den warmen Sommerträumen,
verpasst er die Kurve und findet sich im Tiefschnee zwischen den Bäumen.
«Ach,» ruft er aus, «so geht’s nicht weiter!»
«Ich buche den nächsten Flug nach Florida», denkt er heiter.
Doch damit noch nicht genug, 
ein Amerika Trip soll’s werden in einem Zug.
Florida, Georgia und West Virginia,
an all diese Orte will er hin, ja!
Wie’s der Zufall will so wunderbar,
ist auch die WM in Amerika dieses Jahr.
Also will Liam seine Pläne verbinden
und gleich drei Monate in den Staaten verbringen.
Liam ist ein Mensch der Taten,
so lässt seine Reise nicht lange auf sich warten.
Anfang Februar geht es los,
im Flugzeug fühlt er sich schon grandios.
Kaum in Florida streckt er seinen weissen Bauch
direkt in die gleissende Sonne hinaus.
«Ei wie warm, das kann nicht sein,
für die nächsten Monate ist das mein Daheim!»
Von nun an trainiert er jeden Tag auf dem Wasser,
seine Muskeln spriessen, er fühlt sich schon krasser.
Mit Schweden und Franzosen kann er sich messen,
die Kälte daheim hat er schon lange vergessen.
Fortschritte und Verbesserungen kommen im Nu,
auch viel Freude und Spass erlebt er dazu.
Woche für Woche vergeht wie im Flug,
die Zeit läuft so schnell, es fühlt sich an wie Betrug.
Doch nicht überall läuft es geschmiert,
zuhause wird das Leben von einem Käfer diktiert.
Er breitet sich aus immer schneller und schneller,
die Regierungen sperren die Alten und Schwachen schon in die Keller.
Nicht nur in Europa sind die Ampeln auf Rot,
auch die WM hier ist vom Virus bedroht.
Auch wenn es eigentlich niemandem behagt,
wurde die WM zur Sicherheit abgesagt.
Liam fühlt sich seinen Plänen beraubt,
doch sieht ein, dass die Situation nicht für einen Grossanlass taugt.
«Stay positive» denkt sich Liam daher
und freut sich dafür auf die restliche Zeit umso mehr.
Die Zeit läuft weiter, auch wenn Liam das nicht will,
doch so langsam steht auch in Amerika alles still.
Zuerst in Europa, jetzt auch hier,
vergebens die Suche nach Klopapier.
Die Zeit vergeht und Liam muss sich entscheiden,
nach Hause flüchten oder doch an der Wärme bleiben?
Das Herz will bleiben, der Kopf nicht so sehr,
so fällt ihm die Entscheidung merklich schwer.
Am Ende ist die Lust der Vernunft erlegen
und auch Liam muss sich dem Käfer ergeben.
Nach Hause kommen erweist sich als Krux,
zwei Stunden Warteschleife bei der Airline ohne Jux.
Noch ein letztes Mal im Pool baden,
das Gepäck bereits im Auto verladen.
Das Amerika Abenteuer auf einen Schlag beendet,
Liam hätte sich gewünscht das wäre anders geendet.
Liam will sich aber nicht beklagen,
viele müssen in dieser Krise mehr Leid ertragen.
Leid, Langweiligkeit und Isolation obschon,
wünscht Liam allen Lesern: «Stay positive and go on!»
Wer sich nun fragt, wer so was Langes schreibt,
dem sage ich, nur jemand mit viel zu viel Zeit 😉