Die Saison 2021 in zahlen

Anzahl bestrittener Wettkämpfe12
In der Abfahrt7
In der Regatta5
  
Durchschnittliche Zeit meiner an der Regatta U23 EM und WM gepaddelten 1000m Rennen 03:46
Schnellstes Rennen03:44
Langsamstes Rennen03:54
Gesamtdauer aller an der U23 EM und WM gepaddelten 1000m Rennen22:41
  
Durchschnittliche Anzahl Paddelschläge pro 1000m Wettkampf (geschätzt), in Doppelschlägen (Schlag rechts, Schlag links)292
Durchschnittlich zurückgelegte Strecke pro Doppelschlag, in Meter3.43
  
Anzahl Tage im Trainingslager93
Anzahl besuchter Länder14
Davon Reisen nach Italien3
Davon Reisen nach Frankreich3
Davon Reisen in die Slowakei2
Davon Reisen in den Balkan0
  
Mitglieder von Ginger & Friends28
Wie viel mir das wert ist, in Dank1000
  
Anzahl angekündigter Blogbeiträge für das Jahr 20216
Anzahl geschriebener Blogbeiträge3
Anzahl angekündigter Blogbeiträge für das Jahr 20226
Wahrscheinlichkeit, dass ich dieses Ziel erreiche50%
  
Verfügbare Podestplätze an der U23 EM Solkan3
Ergatterte Podestplätze an der U23 EM1
Nummer auf meinem Abteil des Podests1
Freude an diesem Tag, in Glückshormonen1000

Highlight der Saison: Europameistertag

Eins – Zwei – Drei – Vier – Eins – Zwei – Drei – Vier. Streng ist es sowieso, also gib nochmals alles! Eins – Zwei – und im Ziel. Bestzeit. Das war die Grundlage für einen super tollen Tag und ganz viel Freude. Die Rede ist vom Tag, als ich U23 Europameister wurde. Endlich stehe ich mal ganz oben auf dem Podest. Ich bin sehr stolz auf mich. Aber noch viel mehr freue ich mich darüber, wie andere sich wegen mir freuen. Da sind meine Teamkollegen, die nach dem Rennen zu mir ins Wasser springen und mich reinschmeissen. Oder Annalena und Marcel, meine Trainer, die beide bis zu den Ohren grinsen, als ich ihnen entgegenkommen. Für mich den emotionalsten Empfang bieten mir aber meine Teamkollegen, die bereits im Hotel zurück waren, als ich ins Ziel kam. Sie warten bereits vor dem Hotel und jubeln, als wir mit dem Bus angefahren kommen. So ein schöner Empfang. Aber auch die nächsten Tage und der Empfang zuhause sind wunderschön und machen den Europameistertag zu meinem absoluten Highlight dieses Jahr. Danke an alle, die mich auf diesem Weg unterstützt haben.

Merkwürdigster Moment der Saison: 10 Stunden Zeitverschiebung

Alles ist weiss. Ich bin ebenfalls weiss. Nur ab und zu taucht ein Boot auf und verschwindet sogleich wieder. Man sieht keine 50m weit. In 50 Minuten, um 9:00 sollte mein B-Final der U23 WM in Portugal starten. Wie am Tag zuvor hat es am Morgen stockdichten Nebel. Ich bin am Einpaddeln, jedoch nur etwas halbherzig. Eigentlich erwarte ich, dass mein Rennen etwas nach hinten geschoben wird bis der Nebel weg ist. In dieser Brühe ein Rennen durchzuführen, wäre schlicht nicht möglich, da man gar nicht sehen würde, wer gewonnen hat. Und so ist es denn auch. Als ich wieder ans Land komme, steht mein Trainer bereits da und teilt mir mit, dass mein Rennen um zehn Stunden verschoben wurde. «Wie um zehn Stunden?», frage ich. «Ja», sagt mein Trainer, «dein Rennen ist neu um 19:05». Klar, dass manchmal nicht alle Rennen nach Rennplan durchgeführt werden können und man etwas flexibel sein muss. Doch dass ich meine Höchstleistung gerade um zehn Stunden verschieben muss, ist mir so doch noch nie passiert und ist damit das merkwürdigste Rennerlebnis der letzten Saison.

Lowlight der Saison: Nun ja.

Ganz ehrlich, es war schwierig für mich, etwas wirklich Schlechtes an der letzten Saison zu finden. Es gab auf jeden Fall Momente, in denen es nicht so lief, wie ich gerne wollte. Da war zum Beispiel die Sprintstrecke an der Abfahrt EM in Spanien, die mir einfach nicht gelingen wollte. Oder die Enttäuschung, dass es an der U23 WM in Portugal keine Abschlussparty gab für mich. Doch zu vieles lief einfach richtig gut, als dass diese Vorfälle meine Erinnerungen an diese Saison trüben könnten. Das Einzige, worüber ich mir wirklich Gedanken machen muss, ist, dass ich meinem Körper trotz all dem Training auch genug Sorge trage. Zum ersten Mal in meiner Karriere hatte ich über längere Zeit Beschwerden mit meinen Schultern, aber auch mit meinem Handgelenk. Nichts Schlimmes zwar, aber trotzdem hat es mir gezeigt, dass mein Körper auch Erholung braucht und ich ihm Zeit geben muss für Regeneration. Das Gute an diesem Lowlight, ist, dass es in meinen Händen liegt, ob mein Körper auch in Zukunft Probleme machen wird. Ich kann also daraus lernen und mich verbessern. 

Insgesamt blicke ich auf die tollste Saison meiner Karriere zurück und freue mich über all die großartigen Erlebnisse. In der nächsten Saison steht mein letztes Jahr in der U23 Kategorie an und da will ich nochmals allen zeigen, was ich kann! Let’s go!

U23 Europameister

Ein leichter Wind weht und die Sonne verschwindet langsam hinter dem Horizont. Ich hätte nie gedacht, dass die Aussicht so schön ist. Doch nun stehe ich ganz oben und kann es einfach nur geniessen. Ich sehe meine Freunde jubeln und sie feiern mit mir. Auf dem obersten Treppchen steh nun ich, der Europameister.

Genug der Poesie. Los ging das Ganze mit einer leichten Enttäuschung. Als wir am Sonntag das erste Mal in Solkan (SLO) auf den Fluss gehen, werden wir überrascht. Wir hatten ja im vornhinein gehört, dass die Soca in diesem Teil sehr flach sei, aber dass sie gerade so flach ist, hätten wir nicht gedacht. Nun ja, dann ist es halt so und wir machen das beste draus. Wenigstens haben wir es nicht schwer die schnellste Linie zu finden. Nach einigen Trainingsfahrten geht es am Mittwoch endlich los mit dem Klassik Rennen.

Vor dem Start weiss ich, dass ich vorne mitmischen kann. Insgeheim träume ich von einer Medaille. Doch es gibt noch ein paar Stolpersteine. Bald zwei Jahre bin kein Klassikrennen mehr gegen meine Konkurrenten gefahren und ich kann ihre Fortschritte nur schwer einschätzen. Dann gibt es da diesen Franzosen, der aus dem Nichts kommt, an den Grossanlässen abräumt und danach wieder untertaucht. Oder den Belgier, der wegen seinen Flachwasserfähigkeiten gefürchtet wird. Ich kann schlicht nicht sagen, wo ich landen werde.

Doch das spielt eigentlich auch keine Rolle. Am Schluss kann ich eh nicht beeinflussen, wie die anderen paddeln, sondern nur, wie ich mich mache. Also konzentriere ich mich auf mein Rennen. Ich weiss, dass ich mich in der ersten Phase des Rennens ziemlich zurückhalten muss. Auf dem flachen Teil am Ende des Rennens muss man nochmals alle Kräfte mobilisieren können. Lieber auf dem schnell fliessenden Wasser langsamer paddeln, als auf dem stehenden Wasser keine Kraft mehr zu haben. So die Taktik, also los.

Jetzt gehts los

Nach dem Start finde ich schnell in einen effizienten und relativ kraftsparenden Paddelschlag. Ich kann genau so paddeln, wie ich mir das erhofft habe. Die Wellenstücke im ersten Teil des Rennens bringe ich ohne Fehler und mit einem guten Gefühl hinter mich. Doch dann kommen die letzten zwei «Todeskilometer». Auf diesen zwei Kilometern gilt es durchzubeissen und nicht zu viel Mitleid mit sich selbst zu haben. Streng ist es sowieso, egal ob man nun 95% oder 100% gibt. Wenn man aber trotz aller Unannehmlichkeiten Vollgas gibt, wird man im Ziel dafür mit einem besseren Resultat belohnt. Und so war’s auch. 

Die letzte Kurve und endlich sehe ich die Ziellinie. Noch 200m. Ich gebe alles was noch in mir steckt. Meine Sicht beginnt sich einzuschränken. Seitlich sehe ich nur noch schwarz. Alles was ich noch im Auge habe ist die Ziellinie. Innerlich zähle ich die Paddelschläge mit. Immer wieder von Eins bis Vier. 1 2 3 4. 1 2 3 4. 1 2 und endlich im Ziel. Ich brauche eine Minute um mich zu erholen. Meine Teamkollegen am Rand jubeln. Ich habe bis jetzt die schnellste Zeit im Ziel. Doch hinter mir kommen noch sieben andere Athleten. Ich bange bei jeder Zieleinfahrt um meine Zeit. Doch wie sich herausstellt kommt keiner meiner Konkurrenten nur annähernd an meine Zeit von 14:40 Minuten heran. Ich gewinne mit 16 Sekunden Vorsprung auf den Belgier Kilian Meersmans und den Franzosen Augustin Reboule. Ich bin überglücklich.

An Land begrüssen mich meine Teamkollegen und freuen sich mit mir. Gefühlt alle Paddler und Trainer, die ich auch nur am Rande ein bisschen kenne, gratulieren mir und ich fühle mich fast ein bisschen wie ein Star. Zurück im Hotel wartet der Rest des Teams, der nicht an der Strecke sein konnte am Eingang auf mich und empfangen mich. All das hat mich wahnsinnig gefreut. 

Bei der Rangverkündigung am nächsten Tag darf ich dann meine Medaille in Empfang nehmen und zum ersten Mal überhaupt erklingt bei einer U23 Europameisterschaft bei den Herren die Schweizer Nationalhymne. Ein bisschen stolz bin ich schon. 

Die weiteren Wettkämpfe bestreite ich alle gut, für einen weiteren Exploit reicht es für mich mit Platz 9 im Sprint aber nicht. Nicht so den Schweizer Junioren Luis Clavadetscher, Aaron Schmitter und Patrick Gutknecht. Sie gewinnen im Team Sprint mit einem sensationellen Lauf die Silbermedaille und machen das Solkan Märchen perfekt. Gratuliere!

Zurück zur Normalität

Auf der Heimfahrt komme ich langsam wieder runter von meinem Hoch der letzten Tage. Ich bin schon fast froh, dass es wieder normaler zu und her geht. Doch dieser Zustand währt nicht lange. Als wir im Wassersportzentrum Buochs vorfahren, erwartet uns ein Empfangskommitee aus Trichlern, Freunden und Verwandten. Wir sind überwältigt vom Emfang. Vielen Dank für alle die da waren. Doch auch jetzt geht es nicht einfach zurück zur Normalität. Als ich am Montag bei meiner Wohnung ankomme, ist die Eingangstür und das ganze Treppenhaus geschmückt und ich bin gleich wieder in meinem Hoch. Danke Mama! Und auch jetzt geht es noch weiter, als ich am Dienstag das erste Mal wieder paddeln gehe, hängt an der Hauswand des Kanuclubs ein grosses Plakat von mir mit Glückwünschen. Also wieder ein weiterer Tag mit einem tollen Highlight. Danke Donat!

Insgesamt kann ich auf eine wahnsinnige Woche zurückblicken gespickt mit Freude und Highlights. Vielen Dank an alle, die mich unterstützt, mir geschrieben oder mich sonst irgendwie auf meinem Weg begleitet haben! Europameister zu werden, hat mir wahnsinnig Spass gemacht mit euch! Ich glaube ich sollte das öfters tun!

Wilde Wasser wiederentdecken

Einer schlagartigen Rückkehr aus dem Trainingslager in Florida folgt der Stillstand. Zuhause trainiere ich alleine und sonst läuft auch nicht viel. Die 5er Corona Regel lässt Anlässe in den normalen Trainingsgruppen nicht zu. Wettkämpfe sind gar nicht der Rede wert. Doch schlimm ist’s nicht. Dann gibt’s halt ein gemütlicheres Jahr, denke ich mir. Doch ist das wirklich so und was läuft anders in Coronazeiten beim Ginger deines Vertrauens?

So schön flach war der Vierwaldstättersee schon lange nicht mehr. Und nicht nur am Morgen, nein, den ganzen Tag hindurch. Ich gehörte wahrscheinlich zur Minderheit, als ich mich darüber freute, dass die Kursschiffe nicht mehr in See stechen. Optimale Trainingsbedingungen also. Wobei perfekt ist’s trotzdem nicht. Obwohl die Wasserbedingungen perfekt sind komme ich nicht richtig in den Fluss im Training. Nach dem eher «langweiligen» Wintertraining fehlen mir die Wettkämpfe und ich bin etwas ziellos. Ich trainiere weiter, weiss jedoch nicht so richtig wofür. Ohne Rennen macht paddeln eben schon weniger Spass.

Etwas besser wird’s, als ich wieder ab und zu mit der Trainingsgruppe in Buochs trainieren kann. Das Krafttraining findet immer noch zuhause in der Wäscheküche statt, doch auf dem See bin ich nicht mehr alleine. Das motiviert. Trotzdem trainiere ich etwas weniger als in anderen Jahren. Da bleibt mehr Zeit für anderes. Ausnahmsweise schwinge ich mich schon im Frühling aufs Bike und holpere ab und zu den Pilatus, die Rigi oder sonst einen Berg hinunter. Doch auch im Kanu wage ich Neues.

Wegen Corona drängt der Trainingsplan etwas weniger und es ist auch nicht so schlimm, mal einen Tag nicht zu «trainieren». Ich sattle hie und da um ins Tourenboot und wage mich auf Flüsse, die nicht Rennboottauglich sind. So treibe ich bei Hochwasser die kleine Emme hinunter oder lasse mich meinen ersten richtigen Wasserfall hinunterfallen auf der Lütschinen. Das ist gfürchig macht aber richtig Spass.

Auf der Simme geht es dann los mit dem ersten Post-Corona-Trainingslager. Ich freue mich extrem wieder auf dem Wildwasser zu sein und ich komme gut voran. Die Schweizermeisterschaften, die gerade nach dem Trainingslager stattfinden, bestätigen dies. Mit zwei Siegen über die klassische Distanz und den Sprint bin ich zufrieden und beweise, dass ich einigermassen in Form bin. Ob sich diese gute Form auch international bestätigen kann, wird sich zeigen.

Zuerst passiert jedoch was anderes. Um mich noch besser auf das Training fokussieren zu können und näher bei meinen Teamkollegen und den Trainern zu sein, ziehe ich nach Rapperswil. In Rapperswil befindet sich das Leistungszentrum der Flachwasserkanuten und damit mein «place to be». Ich trainiere gut und kann Fortschritte erzielen, wobei ich sagen muss, dass ich leistungsmässig noch nicht dort angelangt bin im Regattaboot, wo ich sein will. Da ich aber an Wettkämpfen meistens noch etwas über mich hinauswachsen kann, ist hier ein abschliessender Vergleich schwierig, da schlicht noch keine Wettkämpfe stattfanden.

Aber zurück zum Wildwasser. Gerade sitze ich im Bus auf der Rückreise von Tschechien und dem ersten (und womöglich einzigen) internationalen Wettkampf dieses Jahr. Es war eine Freude wieder mal auf einem anspruchsvollen Kanal zu paddeln und sich gegen die ausländische Konkurrenz zu messen. Endlich ist das Wettkampffeeling wieder da! Meine Läufe sind zwar noch nicht wirklich sauber und es gibt noch einiges an Verbesserungspotential, aber ich bin zufrieden mit zwei Finalqualifikationen und einem 12. und einem 17. Platz im Sprint. Und das obwohl ich mich nicht als Sprinter sehe, sondern eher der Ausdauertyp bin. Vor allem aber hatte ich viel Freude am Paddeln und es war toll wieder Rennen zu fahren und das ist aus meiner Sicht das Wichtigste überhaupt. Ohne Spass machts keinen Sinn.

Und wie geht’s weiter? Das weiss keiner so genau. Auf dem Plan stehen noch eine Regatta in Bratislava, einige Rennen in der Schweiz selbst und ein Weltcup in Spanien. Doch zu viele Hoffnungen mache ich mir mal noch nicht. Bis jetzt hat es sich im Wunderjahr 2020 noch nicht gelohnt, zu weit über den Tellerrand hinaus zu planen. Daher stehe ich auch der U23 WM, die in den November verschoben wurde eher kritisch gegenüber. Das heisst aber auf keinen Fall, dass ich mich auf die faule Haut lege und rumhänge. Rennen fahren macht Spass und am Coolsten sind die Wettkämpfe, wenn man sie gewinnt. Das geht nun mal nicht ohne trainieren und das ist auch gut so. Also los!