Die Frühjahreskanueuropareise des Linus Bolzern

Die Vögel zwitschern, die Blumen blühen und die Kanuten… paddeln, eigentlich wie zu jeder Jahreszeit. Im Frühling schlagen die Wettkämpferherzen aber wieder höher, denn die langwierigen langweiligen Ausdauertrainings werden immer seltener und die ersten Wettkämpfe stehen vor der Tür. So in meinem Fall die Regatta Mantova in Italien.

Die Regatta Mantova ist ein gutes Beispiel für dieses Kanutenerwachen, angesichts der Teilnehmerzahl. Nur schon in der Juniorenkategorie, in der auch ich starte, werden aus insgesamt 9 Vorläufen à 9 Wettkämpfern die Finalisten herausgefiltert. Das sind etwas weniger Teilnehmer als an einer Schweizermeisterschaft über alle Kategorien mitfahren! Das Schweizer Team stellte sich aber der Herausforderung und konnte sich gegen die italienische Konkurrenz bravourös behaupten. So liessen Livia Haudenschild und Franziska Widmer ihre Konkurrenz im Kajak Zweier über 500m weit hinter sich und konnten das Rennen für sich entscheiden. Einen guten Saisonstart konnten auch Fabio Wyss und Stefan Domeisen mit ihrem 2. Platz über 1000m verbuchen, sie unterlagen einzig den italienischen Olympiateilnehmern von Rio. In der Junioren Kategorie durften auch Maurus Pfalzgraf und ich uns die Silbermedaille über 1000m im K2 umhängen lassen. Wir qualifizierten uns durch den ersten Platz im Vorlauf direkt für den Final und konnten dann die dadurch aufgesparten Kraftreserven im Final ausnutzen. Speziell an diesem Erfolg war aber, dass wir uns 25 Minuten vorher im A-Final im Einer als Konkurrenten gegenüber standen. Dort wurde Maurus 6. und ich mit weniger als einer Sekunde Rückstand 8., was für uns sehr gute Ergebnisse sind. Einzig am Start büssten wir stets etwas Zeit ein, was aber auch nicht schlimm war, denn direkt nach dem Wettkampf fuhren wir für 2 Wochen ins Trainingslager an den Lago di Pusiano, wo wir die Möglichkeit hatten, diese Rückstände aufzuholen.

Der beliebte Kanu- und Rudersee, der Ähnlichkeit mit dem Rotsee aufweist, bietet fast immer perfekte Bedingungen und erfreut uns daher jedes Jahr aufs Neue. Der Tagesablauf in einem Trainingslager lässt sich einfach zusammenfassen: SCHLAFEN, TRAINIEREN, ESSEN, TRAINIEREN, ESSEN, TRAINIEREN, ESSEN, SCHLAFEN,… Der Tag beginnt mit 20 Minuten Morgenjogging vor dem Frühstück, darauf folgen meist 2 Wassertrainings à 1-1.5h, dann Mittagessen, nachher nicht zu vergessen und absolut notwendig der Mittagsschlaf, danach noch ein 3. Wassertraining und ein Lauf- oder Krafttraining und zum Schluss das Abendessen, wie in Pusiano gewohnt, stets Fleisch. An jedem 3. Tag ist kein Morgenjogging und der Nachmittag frei, um auch genügend Zeit für Regeneration zu gewährleisten. So verbrachten wir 2 anstrengende, aber sicher fortschrittsbringende Wochen an der Sonne.

Leider ohne Sonne ging es dann in der darauffolgenden Woche weiter im J+S Leiterkurs, den ich in Magglingen absolvierte. In schlotternder Kälte lernten wir die Grundlagen des Kanufahrens an Anfänger weiterzugeben und Methoden, um auch im kältesten Training die Motivation der Teilnehmer hoch zu halten. Der KCL hat dieses Jahr nun durch diese Kurse drei neue Leiter gewonnen, so neben mir Levi Zehnder und Fabian Lustenberger. Wir werden uns grösste Mühe geben ab jetzt die coolsten und fähigsten Kanuten der Schweiz zu produzieren 😉

Meine kleine Europareise beendete ich dann letztes Wochenende in Essen (DE) an der Frühjahresregatta. Von Freitag bis Sonntag stellten wir uns nun auch noch der deutschen Konkurrenz und auch dies in weiten Teilen erfolgreich. Besonders stark zeigten sich Hannah Müller und Ronja Bühler mit ihren Siegen im K2 200m und 500m und ihren diversen Finalteilnahmen. Auch Maurus Pfalzgraf und ich durften das Treppchen besteigen und gaben uns über 1000m im K2 nur von einem deutschen Boot geschlagen, was für uns natürlich ein Erfolg war. Mein Highlight des Wochenendes aber war mein K1 1000m Rennen in dem ich im A-Finale den 5. Rang erreichen konnte, was mein bisher bestes Ergebnis über diese Distanz an einem internationalen Wettkampf ist. Weiter erreichte ich im Langstreckenrennen über 5000m den 4. Rang, über die Sprintdistanz 200m den 9. Rang und wurde im B-Finale über 500m Zweiter. Ein absolut erfolgreiches und freudiges Wochenende also!

Rückblickend kann ich sagen, dass ich meine Zeit extrem gut ausgenützt habe und an keinem Tag bereut habe, da zu sein wo ich bin, und das zu tun, was ich tue. Erfüllte drei Wochen mit tollen Freunden und vielen abenteuerlichen Erlebnissen durfte ich geniessen. So macht das Leben Spass!! Doch das war ja nur der Anfang…

 

 

 

 

 

 

Make Linus great again! Ready, set, 2017!

Heiss, heisser, am heissesten. So könnte man die letzten vier Wochen beschreiben, die ich erlebt habe. Zuerst im Trainingslager Tenero in der Sauna und nachher die folgenden drei Wochen in Cape Coral in Florida.

Gestartet hat mein Abenteuer mit einer Woche Trainingslager in Tenero, was zugegebenermassen doch eher kühl war. Nach fast einem Monat Kanuzölibat war das aber eine erfrischende Abwechslung zum Alternativtraining im Januar. Die ersten Paddelschläge waren etwas ungewohnt, aber ich fand schnell wieder in das alte Muster und konnte weiter an meinen Technik- und Ausdauerfertigkeiten feilen. Die Ausdauer war dann auch beim Schwimm- und Lauftraining gefragt. Am Abend versuchte ich jeweils mein (vielleicht etwas hochgestecktes) Ziel, bis Unendlich zu jonglieren, zu erreichen. Das gelang mir auch fast. So wurden auch meine koordinativen Fähigkeiten beansprucht. Allgemein waren es erholsame und lustige Abende mit exzellenter Gesellschaft, die einen guten Gegenpol zum anstrengenden Trainingsalltag bildeten. Um die angespannte Muskulatur nicht nur zu fordern, sondern auch zu fördern, entspannten wir diese bei einem heissen Saunagang, denn diese musste frisch sein für die Ausdauertests Ende Woche. So standen ein 2000m Wassertest im Kanu an, den ich mit einer akzeptablen Winterzeit von 8:59 beendete, und ein 3000m Lauftest, den ich mit einer guten Zeit von 10:33 abschloss.

Nach einem Ruhetag zu Hause flogen Maurus Pfalzgraf und ich mit dem Elite Nationalteam nach Tampa in Florida und von dort aus weiter nach Cape Coral. Die mittelgrosse, mehrheitlich von Rentnern bevölkerte Stadt bietet ein spezielles Wasserkanalnetz, das perfekt geeignet ist, um bei guten Bedingungen trainieren zu können. Der aber fast grössere Vorteil an Cape Coral liegt darin, dass sich dieses im „Sunstate“ Florida befindet und im Winter konstant um die 27 Grad vorherrschen, also deutlich heissere Temperaturen als in Tenero. In T-Shirt und kurzen Hosen liess es sich dann auch viel unbeschwerter trainieren und so spulten wir während drei Wochen über 350 Wasserkilometer ab. Das sind ordentlich viele Paddelzüge! Im Krafttraining stemmten wir Pfunde wie die Verrückten, wobei wir Zeugen der speziellen Fitnesskultur in den USA wurden, die jung und alt in den Kraftraum treibt und dort ein Treffpunkt vieler Fitnessmaniacs bildet. Das war eine sehr spezielle Erfahrung für uns. Auch das Joggen bot einige neue Herausforderungen, so war beispielsweise der Orientierungssinn besonders gefragt, weil alle Häuser amerikalike gleich aussahen. So war es gar nicht so einfach, wieder in das eigene Appartement zu finden. Falls man dann wieder nach Hause gefunden hatte, bot der Sprung in den Pool ein besonderes Vergnügen, durch den wir unsere überhitzten Körper abkühlen konnten. An den drei Ruhetagen, die uns gegönnt wurden, hüpften wir an karibikähnlichen Stränden in den Golf von Mexiko und befriedigten unser Shoppingverlangen in übergrossen Einkaufszentren.

In diesem intensiven, abenteuerlichen, amüsanten, kraftraubenden und überaus grossartigem Februar habe ich mir eine sensationelle Ausdauerbasis erschaffen, auf die ich in den kommenden Trainings und Wettkämpfen aufbauen kann, um so dieses Jahr die heisseste Saison meiner Karriere abzuliefern. Ich bin ready für den Frühling!! It’s great!