Liam in Amerika

Kalte Finger und gefrorene Zehen,
doch das Langlaufen lässt sich Liam nicht entgehen.
Eis und Schnee das liegt ihm sehr,
doch der warme Sommer fast noch mehr.
Ganz versunken in den warmen Sommerträumen,
verpasst er die Kurve und findet sich im Tiefschnee zwischen den Bäumen.
«Ach,» ruft er aus, «so geht’s nicht weiter!»
«Ich buche den nächsten Flug nach Florida», denkt er heiter.
Doch damit noch nicht genug, 
ein Amerika Trip soll’s werden in einem Zug.
Florida, Georgia und West Virginia,
an all diese Orte will er hin, ja!
Wie’s der Zufall will so wunderbar,
ist auch die WM in Amerika dieses Jahr.
Also will Liam seine Pläne verbinden
und gleich drei Monate in den Staaten verbringen.
Liam ist ein Mensch der Taten,
so lässt seine Reise nicht lange auf sich warten.
Anfang Februar geht es los,
im Flugzeug fühlt er sich schon grandios.
Kaum in Florida streckt er seinen weissen Bauch
direkt in die gleissende Sonne hinaus.
«Ei wie warm, das kann nicht sein,
für die nächsten Monate ist das mein Daheim!»
Von nun an trainiert er jeden Tag auf dem Wasser,
seine Muskeln spriessen, er fühlt sich schon krasser.
Mit Schweden und Franzosen kann er sich messen,
die Kälte daheim hat er schon lange vergessen.
Fortschritte und Verbesserungen kommen im Nu,
auch viel Freude und Spass erlebt er dazu.
Woche für Woche vergeht wie im Flug,
die Zeit läuft so schnell, es fühlt sich an wie Betrug.
Doch nicht überall läuft es geschmiert,
zuhause wird das Leben von einem Käfer diktiert.
Er breitet sich aus immer schneller und schneller,
die Regierungen sperren die Alten und Schwachen schon in die Keller.
Nicht nur in Europa sind die Ampeln auf Rot,
auch die WM hier ist vom Virus bedroht.
Auch wenn es eigentlich niemandem behagt,
wurde die WM zur Sicherheit abgesagt.
Liam fühlt sich seinen Plänen beraubt,
doch sieht ein, dass die Situation nicht für einen Grossanlass taugt.
«Stay positive» denkt sich Liam daher
und freut sich dafür auf die restliche Zeit umso mehr.
Die Zeit läuft weiter, auch wenn Liam das nicht will,
doch so langsam steht auch in Amerika alles still.
Zuerst in Europa, jetzt auch hier,
vergebens die Suche nach Klopapier.
Die Zeit vergeht und Liam muss sich entscheiden,
nach Hause flüchten oder doch an der Wärme bleiben?
Das Herz will bleiben, der Kopf nicht so sehr,
so fällt ihm die Entscheidung merklich schwer.
Am Ende ist die Lust der Vernunft erlegen
und auch Liam muss sich dem Käfer ergeben.
Nach Hause kommen erweist sich als Krux,
zwei Stunden Warteschleife bei der Airline ohne Jux.
Noch ein letztes Mal im Pool baden,
das Gepäck bereits im Auto verladen.
Das Amerika Abenteuer auf einen Schlag beendet,
Liam hätte sich gewünscht das wäre anders geendet.
Liam will sich aber nicht beklagen,
viele müssen in dieser Krise mehr Leid ertragen.
Leid, Langweiligkeit und Isolation obschon,
wünscht Liam allen Lesern: «Stay positive and go on!»
Wer sich nun fragt, wer so was Langes schreibt,
dem sage ich, nur jemand mit viel zu viel Zeit 😉

Die Saison 2019 in Zahlen

Paddelkilometer, ungefähr 3139
Trainingszeit insgesamt, in h (ca.) 637
Davon im Kraftraum, ca 156
Zeit zusammen mit Maurus Pfalzgraf verbracht, in Tagen (ziemlich genau) 158
Zeit mit meiner Freundin verbracht, in Tagen (ungefähr) 68
Anzahl Länder bepaddelt 8
Anzahl Länder die an der WM in Szeged gepaddelt sind 108
Anzahl Blogbeiträge auf der Website 2017 8
Anzahl Blogbeiträge auf der Website 2018 7
Anzahl Blogbeiträge auf der Website 2019 2
Zeit ins Kanufahren investiert 2017, in h 588
Zeit ins Kanufahren investiert 2018, in h 630
Zeit ins Kanufahren investiert 2019, in h 637
Korrelation dieser Daten negativ
Anzahl Blogbeiträge geplant für 2020 6
Anzahl teilgenommener WMs 2019 3
Mögliche WM Teilnahmen 2019 für mich 4
Zufriedenheit mit der Saison, in Prozent 65

Highlight der Saison:

Der Höhepunkt dieses Jahr war nicht einfach zu bestimmen. In Frage kamen zwei grossartige Events. Besser gesagt WMs. Das sind die Regatta WM in Szeged (HUN) und andererseits die Abfahrt WM in La Seu d’Urgell. Die Weltmeisterschaften in Ungarn bestritt ich zusammen mit Maurus Pfalzgraf im Zweier. Nach einer enttäuschenden U23 WM den Monat zuvor konnten wir uns enorm steigern und katapultierten uns in einem tollen Rennen über die nicht-olympischen 500m in die Top 15 und in den olympischen 1000m in den C-Final. Die Rennen machten extrem Spass und bildeten einen tollen Abschluss für die Kanukarriere meines Partners Maurus. Danke für die coole gemeinsame Zeit. Sie wird mir auf deine menschenfreundliche und chaotische Weise in Erinnerung bleiben. Die WM in Spanien auf dem Olympiakanal von Barcelona war das andere Highlight. Als nur Eines von drei Wildwasserrennen dieses Jahr war die WM eher ein End-of-season Goodie, anstelle von eines seriösen Höhepunkts. Aber vielleicht war es genau das, was die WM für mich so erfolgreich machte. Im ersten Lauf hatte ich etwas Mühe in Fahrt zu kommen. Beim Zweiten kam der Stein dann ins Rollen und ich schaffte mein Ziel, die Finalquali. Im Endlauf fühlte ich mich, als ob ich Hinkelsteine rumwerfen könnte und erreichte das bisher beste Schweizer Resultat an einer WW-Weltmeisterschaft bei den Herren, den siebten Rang. Welch tolles Gefühl!

Lowlight der Saison:

Das war eindeutig die Regatta U23 WM in Pitesti Anfangs August. Zu diesem Zeitpunkt konzentriere ich mich schon ein ganzes Jahr völlig auf den Sport und sollte ein gutes Resultat abliefern. An der WM starte ich zusammen mit Maurus Pfalzgraf im Zweier, sowie auch in Einer über 1000m. Vorfreudig starten wir in die WM und tanzen an der Eröffnungsfeier zusammen mit den anderen Athleten einen rumänischen Volkstanz. Doch die Rennen laufen beschissen schlecht. Der Zweier harmonisiert nicht und im Einer habe ich kein Power. Maurus und ich erreichen knapp den B-Final und können uns nicht behaupten. Im K1 ist im Halbfinal Endstation. Der Grund für dieses Desaster war wohl, dass ich mir zu viel Druck gemacht habe. Im Vorfeld trainierte ich wohl etwas zu viel, Maurus dafür etwas zu wenig. Doch hauptsächlich fehlte mir die nötige Lockerheit. Nach den Rennen wollte ich zuerst alles über den Haufen schmeissen und das geplante Trainingslager und den Start an der Elite WM abblasen. Glücklicherweise tat ich das dann nicht. Ich hätte es bereut.

Merkwürdigster Moment:

Es war ein sonnig heisser Junitag. Um mich auf die bevorstehenden Wettkämpfe vorzubereiten trainierte ich in Rapperswil. An diesem Tag stand 90 Minuten Rennradfahren auf dem Trainingsplan. Ich radle mit dem Velo Richtung Einsiedeln den Berg hoch und nach der Hälfte wieder zurück Richtung Rapperswil. Ich schiesse den Berg herunter. 40 km/h, 50km/h immer schneller. Das Pflaster ist gut. Der Weg gerade genug breit für ein Auto. Auf beiden Seiten hohes Gras. Plötzlich springt etwa zwei Meter vor mir ein Wiesel aus dem Gras und hechtet über die Strasse. Überrascht bremse ich sofort und versuche dem Wiesel auszuweichen. Das gelingt mir zum Glück. Weniger glücklich ist die Katze, die dem Wiesel hinterhergejagt ist. Sie springt direkt vor mir auf die Strasse und ich spüre nur noch wie mein Lenker etwas ruckelt. Meinem Hinterrad kann sie glücklicherweise ausweichen. Zu meiner Erleichterung sprintet die Katze in Deckung und hat keine weiteren Schäden erlitten, soweit ich das beurteilen kann. Dem Wiesel habe ich jedenfalls das Leben gerettet. Immerhin das.

Alles in allem war es ein lehrreiches Jahr mit tollen Momenten, die ich erleben durfte. Ich habe gelernt, dass mehr nicht immer mehr ist, wenn’s ums Training geht. Ich durfte grossartige neue Menschen kennenlernen. Musste mich aber auch von Rückschlägen erholen und in schwierigen Momenten die Motivation wiederfinden. Trotzdem habe ich das Jahr 2019 genossen und möchte es nicht missen. Vielen Dank allen, die mich auf meinem Weg unterstützen und mir diese aufregende Lebenszeit ermöglichen. Ginger out.