Training in Sevilla

Schon ist es wieder so weit. Nach dem ich im November aus Israel zurückgekehrt bin und den ganzen Dezember und Januar in der Schweiz war, wurde es nun wieder höchste Zeit ins Trainingslager in die Wärme zu fahren. Doch das Trainingslager hat eine düstere Vorgeschichte…

Eisig kalt war es, als wir im Januar im Engadin am Langlaufen waren. Wie jedes Jahr machten wir Anfang Januar eine Paddelpause und stiegen in den Schnee. Dieses Jahr fühlte ich mich besonders fit und die Kilometer verstrichen ohne Mühe unter meinen Ski. Einmal skateten wir sogar 100km in einer Einheit. Das war cool! Am letzten Tag sollte sich das jedoch ändern. Schon am Morgen fühlte ich mich etwas schwach und als ich mich dann im Training den gefürchteten Anstieg im Stazer Wald hinaufquälen sollte, ging gar nichts mehr. So schwach hatte ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Wieder zuhause lag ich zuerst zwei Tage krank im Bett. Am nächsten Tag stellte sich dann der Grund für meine Schwäche heraus: Der Coronatest war positiv.

Von da an war klar, dass ich die nächsten zehn Tage in Isolation verbringen würde. Obwohl die Tage ziemlich langweilig waren, ging es mir gesundheitlich von Tag zu Tag besser und so profitierten wenigstens meine Semesterprüfungen der Fachhochschule von der Isolation. Trainingsmässig lief in dieser Zeit jedoch überhaupt nichts. Als ich dann endlich wieder frei war, begann ich mich mit zwei ganz lockeren Trainings wieder an den Sport heranzutasten. Doch schon das war zu viel und am nächsten Tag lag ich den ganzen Morgen wieder im Bett.

In den folgenden Tagen sollte sich dieses leidige Spiel trotz meiner Impfung fortsetzen. Im Alltag hatte ich keine Probleme, aber sobald ich mich bewegte, überfiel mich eine sonderbare Schlappheit. Es war frustrierend. Doch je länger dieses Hin und Her dauerte, desto näher rückte das geplante Trainingslager in Spanien. Würde es sich überhaupt lohnen nach Sevilla zu fahren? Oder sollte das meine Heilung sogar beschleunigen?

Let’s go to Sevilla

Letztendlich entschloss ich mich dazu am Trainingslager teilzunehmen. Gut, gezahlt hatte ich eh schon dafür, ein bisschen Gesellschaft würde mir auch guttun und gegen 22 Grad und Sonne ist schwer etwas einzuwenden. Ich durfte für dieses Trainingslager mit dem Österreichischen Kanuteam mitfahren, so dass ich mich mit dessen schnellsten Paddler Timon Maurer messen konnte. Zu sechst bezogen wir eine winzige Wohnung mit einer tollen Dachterrasse nahe der Altstadt von Sevilla. Nicht mal ein Esstisch hatte darin Platz. Doch das spielte uns keine Rolle. Wir kochten selbst und assen auf dem Sofa. Für vier Wochen würden wir das schon aushalten und hatten trotzdem unseren Spass.

Leider lief es im Training zu Beginn des Lagers noch nicht ganz so rund. Ganz gemächlich musste ich mich wieder ans Paddeln herantasten. Wenn ich zu viel wollte, rebellierte mein Körper sofort. Also pickte ich mir nur einzelne Trainings aus dem Trainingsprogramm heraus und schonte meinen Körper. Doch von Tag zu Tag und von Woche zu Woche konnte ich den Umfang steigern und auch die Intensität des Trainings herauffahren. Dabei spielte mir noch eine merkwürdige Tatsache in die Karte. Zum ersten Mal in meiner Kanukarriere habe ich mich bei der Planung des Trainingslagers getäuscht und eine ganze Woche übersehen. Das Trainingslager dauerte nicht wie angenommen vier Wochen, sondern fünf! Das ist mir bis jetzt noch nie passiert und ich frage mich, ob das ein Resultat einer gewachsenen Gleichgültigkeit gegenüber der Dauer von Trainingslagern ist oder eine (un)bedeutende Unachtsamkeit. 

Alles in allem profitiere ich nun von dieser extra Woche und darf jetzt, am Ende von Woche vier, von mir behaupten, dass ich Corona endlich besiegt habe! Ein gewisser Trainingsrückstand bleibt, aber keiner, der nicht aufzuholen wäre. Nun als wieder voll funktionsfähiger Sportler gebe ich mein bestes, ein erfolgreiches Abschlussjahr in der U23 Kategorie zu zeigen. Aus der ganzen Coronageschichte lerne ich, dass mein Körper keine Maschine ist, sondern viel Aufmerksamkeit braucht. Insgesamt bin ich zufrieden mit meinem Körper und dankbar, dass er mich wieder gesund gemacht hat 🙂 Als nächstes stehen nun die Schweizermeisterschaften über die Langdistanz an und danach weitere Trainingslager zur Saisonvorbereitung. Ich freue mich darauf!

PS: Von der IG Sport Luzern bin ich dieses Jahr einer von drei Nominierten für den Preis des «Nachwuchssportler des Jahres». Drücke mir die Daumen und lies Zeitung 🙂

Liam in Amerika

Kalte Finger und gefrorene Zehen,
doch das Langlaufen lässt sich Liam nicht entgehen.
Eis und Schnee das liegt ihm sehr,
doch der warme Sommer fast noch mehr.
Ganz versunken in den warmen Sommerträumen,
verpasst er die Kurve und findet sich im Tiefschnee zwischen den Bäumen.
«Ach,» ruft er aus, «so geht’s nicht weiter!»
«Ich buche den nächsten Flug nach Florida», denkt er heiter.
Doch damit noch nicht genug, 
ein Amerika Trip soll’s werden in einem Zug.
Florida, Georgia und West Virginia,
an all diese Orte will er hin, ja!
Wie’s der Zufall will so wunderbar,
ist auch die WM in Amerika dieses Jahr.
Also will Liam seine Pläne verbinden
und gleich drei Monate in den Staaten verbringen.
Liam ist ein Mensch der Taten,
so lässt seine Reise nicht lange auf sich warten.
Anfang Februar geht es los,
im Flugzeug fühlt er sich schon grandios.
Kaum in Florida streckt er seinen weissen Bauch
direkt in die gleissende Sonne hinaus.
«Ei wie warm, das kann nicht sein,
für die nächsten Monate ist das mein Daheim!»
Von nun an trainiert er jeden Tag auf dem Wasser,
seine Muskeln spriessen, er fühlt sich schon krasser.
Mit Schweden und Franzosen kann er sich messen,
die Kälte daheim hat er schon lange vergessen.
Fortschritte und Verbesserungen kommen im Nu,
auch viel Freude und Spass erlebt er dazu.
Woche für Woche vergeht wie im Flug,
die Zeit läuft so schnell, es fühlt sich an wie Betrug.
Doch nicht überall läuft es geschmiert,
zuhause wird das Leben von einem Käfer diktiert.
Er breitet sich aus immer schneller und schneller,
die Regierungen sperren die Alten und Schwachen schon in die Keller.
Nicht nur in Europa sind die Ampeln auf Rot,
auch die WM hier ist vom Virus bedroht.
Auch wenn es eigentlich niemandem behagt,
wurde die WM zur Sicherheit abgesagt.
Liam fühlt sich seinen Plänen beraubt,
doch sieht ein, dass die Situation nicht für einen Grossanlass taugt.
«Stay positive» denkt sich Liam daher
und freut sich dafür auf die restliche Zeit umso mehr.
Die Zeit läuft weiter, auch wenn Liam das nicht will,
doch so langsam steht auch in Amerika alles still.
Zuerst in Europa, jetzt auch hier,
vergebens die Suche nach Klopapier.
Die Zeit vergeht und Liam muss sich entscheiden,
nach Hause flüchten oder doch an der Wärme bleiben?
Das Herz will bleiben, der Kopf nicht so sehr,
so fällt ihm die Entscheidung merklich schwer.
Am Ende ist die Lust der Vernunft erlegen
und auch Liam muss sich dem Käfer ergeben.
Nach Hause kommen erweist sich als Krux,
zwei Stunden Warteschleife bei der Airline ohne Jux.
Noch ein letztes Mal im Pool baden,
das Gepäck bereits im Auto verladen.
Das Amerika Abenteuer auf einen Schlag beendet,
Liam hätte sich gewünscht das wäre anders geendet.
Liam will sich aber nicht beklagen,
viele müssen in dieser Krise mehr Leid ertragen.
Leid, Langweiligkeit und Isolation obschon,
wünscht Liam allen Lesern: «Stay positive and go on!»
Wer sich nun fragt, wer so was Langes schreibt,
dem sage ich, nur jemand mit viel zu viel Zeit 😉